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Der israelitische Lehrer · 1871-05-17 · 20 (17.5.1871) · p. Seite 157

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
20 (17.5.1871)
Date
1871-05-17
Page
Seite 157 (sequence 5)
Language
German
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— 167 im Fleische unseren Heiland Jesum Christum verworfen habe, sondern auch heute noch in gleichem Hasse und der nämlichen Feindschaft gegen ihn verharre, tief verwundet zu haben scheint, so hat er doch andere sehr bemerkenSwerthe Wirkungen gehabt. Viele dcr eingegangenen Proteste nämlich verneinen auf daS Entschiedenste, daß daS gegenwärtige Judenthum oder seine Bekenner in Haß und Feindschaft gegen Jesum Christum verharren. Wir haben mit Befriedigung von diesen Versicherungen Kenutniß genommen. Angesichts derselben können wir eS unterlassen, auf die Thatsachen hinzuweisen, welche den Ausspruch in der Conststorial-Verfügung zu begründen geeignet scheinen. Wir begnügen unö mit dem Wunsche, daß die in jenen Versichernngen sich kundgebende Gesinnung sich immer weiter in jüdischen Kreisen verbreiten möge, wie wir denn auch willig anerkennen, daß eS schon jetzt verschiedene Stufen de- JudenthumS gibt, und daß die persönliche Gesinnung der einzelnen Bekenner in vielen Fällen die Schärfe des Gegensatzes, in dem sich wirkliches Judenthum zum Christenthum befinden muß, zu mildern vermag. Wir haben geglaubt, Ew. Hochwürden diese Bemerkungen nicht vorenthalten zu sollen, um Bit in den Stand zz» setzen, bei sich darbietender Gelegenheit der bewußten oder unbewußten lalschen Auffassung der fraglicken Auordnung und ihrer Begründung entgegen zu treten. So gewiß es bei der getroffenen Anordnung lediglich sein Bewenden haben muß — und es liegen schon Anzeichen von ihrer heilsamen, die Gewiffen erschütternden Wirkung vor — so sehr möchten wir eS nach Kräften verhindern, daß die Gesinnung der kirchlichen Behörden in falschem Lichte aufgefaßt und dargestellt werde. Evangelischer Oberkirchenrath (gez) Mathias." Wir fragen vor Allem: Wenn der Evangelische Oberkirchenrath eS als „ein großes Aergerniß" bezeichnet, wenn Christen zum Judenthum übertreten, wie vermag er daS weit größere Aergerniß zu entschuldigen, daß eine große Zahl von bezahlten und' gedungenen Seelenfängern unter dem Schutze und der Anleitung der Kirchenbehörde, unterstützt von frommen und hochgestellten Christen, die ganze Welt bereist, um Juden zum Ueberlritt ins Christenthum zu bewegen? Sind die Motive dieser Seelensänger, die Sie mit dem eine höhere Idee bezeichnenden Namen „Missionäre" der Welt vorführen, edlere? Können Sie den Menschen ins Herz schauen und die Gedanken und Beweggründe prüfe», daß Sie diese als Glieder Ihres Standes und Ihrer Kirche der Achtuug und Verehrung Ihrer R'ligionSgenossen empfehlen, ihnen zum Betriebe ihres Geschäftes Ihre Weihe, Ihren Segen, Ihre Spenden und Ihre Gotteshäuser öffnen, während Sie den Ueberlritt aus dem Christenthum ins-Judenthum als verwerflichen Akt, hervorgegangen aus niedrigen Motiven schmähen? Wohl, der Erfolg der Thäligkeit dieser Missionäre ist ».in lächerlich unbedeutender und dem Judenthume, daß daS Proselytenwesen verwirft, das keine „fremden Seelen" fingt oder kauft, fallen ohne seine Mitwirkung und sogar unter Ihren eigenen Augen in ihrem eigene» AmtSgebiete in einem Jahre sieben Seelen zu — wir suchten sie nicht und sie kümmern un« nicht; wir glauben kaum, daß sie dem Judenthum als Religion oder GlaubenSgenoffenschaft etwas nützen, ebensowenig als dem Ganzen, dem Inhalt und dem Bestände des Judenthum» der Ueberlritt einiger Verlornen schadet — aber die Thatsache ist allerdings der hohen Beachtung werth. Suchen Sie darum, prüfen Sie sich selbst, ob die Schuld nicht in Ihnen und in Ihrer Thätigkeit liegt! Aber, lasten Sie daS Judenthum ungeschoren! Wenn nun behauptet wird, daß der Ausdruck, daS Judenihum habe „Feindschaft gegen Christum" tief „verwundet" habe, so hätten wir last das Recht hiergegen eben so zu protestsren, als gegen den Erlaß selbst. Rein, verwundet hat die Insinuation nicht. Wir haben nur die Behauptung des OberkirckenrathS einfach, unseren christlichen Mitbürgern gegenüber, al« Unwahrheit erklärt, weil wir fürchten mußten, daß Einzelne an diese uns angedichtete Feindschaft glauben und sie uns als „Intoleranz" aus egen könnten. Die Intoleranz aber ist ein Artikel, dessen Vertneb wir Päbsten, Jesuiten, Mönchen, Inquisitoren, evangelischen Oberkircheuräthen und ähnlichen Leuten überlassen, mit welcken wir allerdings hierin nicht concnrrireu wollen oder können. Wenn aber dcr Oberkirchenrath selbst zugesteht, er habe „verwundet" und zwar eine große, zahlreiche ReligionSgesellschast verwundet, waS folgt daraus? Wenn .der Handwerker mit seinem Meffer oder Hammer einen Menschen verwundet, so ist er strafbar. Das Handwerkszeug geistlicher Behörden ist der Geist, daS Wort und die Schrift — und der Oberkirchenrath läßt es fraglich, ob er absichtlich oder unabsichtlich verwundet habe; er bedauert eS nicht einmal; wie erscheint also die betreffende Behörde vor dem Forum des Geistes, wenn sie zugesteht, sie habe „verwundet?" Wenn schließlich der Evangelische Oberkirchenrath eS sich beikomnen läßt, einen Unterschied zwischen Juden und Juden zu macken, so glauben wir i» Sinne aller unserer GlaubenSgeossen. aller Richtungen des JudenthumS zu handeln, wenn wir auch hiergegen mit allerEntschie.denheitprotestiren. Der Berliner israel. Gemeindevorstand bestebt schon auS Männern der verschiedeusten Richtungen; aber in seinem Proteste gegen jenem Erlaß stand er einmütig da: Die Richtungen im Judenthum betreffe»

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