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Der israelitische Lehrer · 1871-05-17 · 20 (17.5.1871) · p. Seite 156

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
20 (17.5.1871)
Date
1871-05-17
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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136 mit einem Worte : die Kenntniß und Hochschätzung des Aechthumanen nicht im Erkenntnisvermögen, sondern nur im Gemüthe, dem Zubegriffe der Subjectivität zu suchen.*) Würde man also die Menschenbilduag hauptsäilich in der Ausbildung des Verstände«, sowie in Bereicherung an Kenntnissen und Geschicklichkeiten erkennen, so würde da« Geistesauge für die äußere Welt., für dir Natur und Kunst, nicht aber sür da« Menschenthum schärfer und klarer werden. E« würde seine äußere Umgebung nach ihren physischen Gesetzen immer bester verstehen und gebrauchen lernen, , nicht also aber die reiche Fülle edler Kräfte im eigenen Innern. Wir würden klug berechnende, aber kalte Verstandesmenschen, denen daS Edelste, daS Herz fehlte. Wohin eine solche Bildung führt, da« zeigt uns am deutlichsten da« schaurige Bild unseres Jahrhunderts in Frankreich, wo in den schrecklichen Revolutionszeiten der Menschheit nichts mehr heilig war, al« wa« ihre Hab-, Herrsch- und Genußsucht befriedigte, wo Gott - und Religion selbst verspottet wurdm. — Nicht minder »schrecklich sind die Erscheinungen in der Geschichte, die eine einseitige religiöse Bildung erzeugt hat. Hier begegnen wir der beschaulichen Zurückgezogenheit deS Effäerthum« im Juden- und dem später« Mönchsleben im Christenthum, und in seiner entsetzlichsten Entartung den ketzerischen Glaubenswahn, der durch Bann, und brennende Scheiterhafen. die Menschheit zur Seligkeit führen wollte. (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. ^Ober-Jugelhei«, 12. Mai. - Unseren gesch. Lesern wird der Wortlaut der Verfügung vom evang. Ober-Kirchen-Rath der IProvinz Brandenburg mittlerweile wohl aus anderen Blättern bekannt geworden sein. Doch ist diese« Schriftstück merkwürdig genug, um eS auch in dieser Zeitschrift zu berücksichtigen. Vor Allem — wir haben unS selbst getäuscht, wenn wir glaubten, e« sei diese Entschuldigung zugleich eine Wiedergutmachung de« begangenen Fehlers. Zn der Thal ist e« nur eine Wiederholung desselben. ES ist ein Breittreten deS Schmutzes der ersten Eucyclica, sonst nichts. Wir geben hier die Hauptstellen. — Der Kirchenrath erwähnt in der Einleitung die ftühere Verfügung und sagt: „Die Veranlassung dazu lag in dem großen Aergerniß, daß in uäserer Stadt während eines einzigen Jahres nicht weniger als sieben Glieder der christ¬ *) Siehe Waitz Psychologie S. 10. licheu Gemeinde und zwar, soweit es sich übersehen ließ, au« rein äußerlichen und niedrigen Motive» den früher fast unerhörten ja für unmöglich gehaltene» Schritt des Uebertritt« zum Zudenthum grthan haben." Der Kirchenrath kommt daun auf die verschiedenen Proteste zu sprechen, welche sein Erlaß hrrvorgerufen, und daß man in dieser Zeit, „wo alle Bürger deS Vaterlands ohne Unterschied der Religion sich zur Abwehr eine» frevelhaften Angriffe« gegen die Ehre und di« Freiheit des Vaterlandes erhoben und die Einen auf den Schlachtfeldern geblutet, die Andern an den Werken opferwilliger Liebe sich betheiligt haben" •) e« gewagt hat, t em unschuldigen Obrrkttchenrath die Absicht beizulegeo, .das Judenthum zu schmähen oder gar zum Haß Hder zur Verachtung gegen seine Bekenner aufzureitzen." Nach diesen Einleitungsworten heißt es dann weiter. „Die ganze in Rede stehende Anordnung ist nicht eine willkürlich ersonnene, sondern eine durch die Sachlage aufgedrungme; und wenn sie gerade in dieser Zeit erlaffen werden mu: te, so hat die« einzig seinen Grund darin, daß auch diese Zeit uns nicht der Pflicht übcrerhob, Aergerniffen, wirdievorgekommeae Uebertritte unleugbar sind, ungesäumt uno nach Kräften vorzubeugen. E« bedarf kaum der Bemerkung, daß wir dabet einzig von der pflichtmäßigen Fürsorge für da« Seelenheil deSÄbttünnigen sowohl als der Gemeinde, in deren Mitte daS Aergerniß sich zugetragen hat, geleitet worden sind. DaS geht auch unzweifelhaft aus der wohlerwogenen Faffung de« von uns vorgeschriebenen Formulars hervor, womit der Fall der Gemeinde bekannt gemacht werden soll. Wenn man nun dennoch in der Begleitverfügung de« hiesigen kgl. Consistoriums eine Schmähung des Zudenthum« und feiner Bekenner gefunden hat, so muffen wir dies als völlig unberechtigt zurückweisen." „Allerdings wird dorteia Uebertritt, wie die in Rede stehenden, ein vtfahsckeu ungSwerther Schritt genannt. Aber es ist von s rlbst einleuchtend, daß damit nicht daS Zudenthum selbst, wie hin und wieder in leidenschaftlicher Erregtheit angenommen worden ist, sondern vielmehr der Uebertritt. vom Christenthum zum Judenthum, und zwar um so mehr, wenn er, wie es in den meisten Fällen ja notorisch ist, aus rein irdischen und darum verwerflichen Motiven erfolgt, als etwas verabscheuungSwerthes hat bezeichnet werdeu sollen. Man sollte glauben. daß derartige Vorkammniffe auch den Juden selbst zum Aeraerniß gereichen müßten. Wenn ferner in derselben Verfügung der Ausspruch, daß die jüdische Gemeinschaft nickt allein zur Zeit der Erscheinung de« Sohne« Gotte« *) Wir nehmen Att von diesem'Zugeständnisse.

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