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Der israelitische Lehrer · 1871-05-17 · 20 (17.5.1871) · p. Seite 154

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
20 (17.5.1871)
Date
1871-05-17
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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— 164 — Zeit, doch dasjenige bietet, wader Jude wissen »uß, um ein lebendige« Mied der Religionsgemeinde zu werden. Dabei wird e« freilich darauf ankommen, die Lehrer zu finden, die einen solchen Weg auch gehen können. Und so kommen wir immer wieder auf den Anfang «ad da« Ende aller diesbezüglichen Bestrebungen zurück: Schafft tüchtige, pädagogisch gebildete Lehrer aller Orten! Nach dieser langen Vorbesprechung kommen wir auf die Frage: welche« ist der Hauptgegeustand de« jüdischen Religionsunterricht-, der allen andern voraasteht an Wichtigkeit X Einsichtige jüdische Schulmänner »erden dem Herrn Dr. Szantö in Allem zustimmen; nur werden fie auf den Unterschied zwischen fakultativem und obligatorischem hebr. Unterricht nicht eiagehen, sondern behaupten, daß da« Hebräische obligatorisch sein, und daß ihm der größte Theik von Zeit und Kraft zugewendet werden muß, der überhaupt für den Religionsunterricht aukgewendet werden kann. Sollten wir auch bei sehr vielen College» Anstoß erregen, so gestehen wir doch, daß wir in dieser Beziehung fast „orthodoxen" Anschauungen zuneigea, indem wir behaupten; ein tüchtiger, fach- und fachgemäßer hebräischer Unterricht — natürlich in den bestimmten Gräazen gehalten, welche da« Leben der Schule und der Begriff der Volksschule überhaupt vorschreibt. — ersetzt schlimmste» Fall« den sogenannten systematischen Religionsunterricht und wir wollten weit lieber diesen aU den hebräischen Unterricht entbehren. Mit Herr Dr. Szantü stimmt wohl der größere Theil der Lehrer und wir selbst überein, wmn er vor Allem verlangt, daß „daS Unterrichtsfach, da« ganz unmsttelbar da« Wesen des IudcnthumS, besten Grundsätze und die Bethätigung derselben in der religiöse» Praxis zum Inhalte hat" dm Inhalt des Religionsunterrichts bilde. Aber wir fragen:-Ist da« nicht Alles im Pentateuch enthalten? Und wenn ein Schüler die wesmtlichen Theile destelben kennt, wenn er die Vorgeschichte de« jüdischm Volke«, die Gesetzgebung auf Siaai, die Gesetze über die Festtage, die jüdischen Rechte in Q'Dbpb, da« Sittengesetz in crem?, die Abschiedsworte Mosche'« mit yov im Urtexte kennt; weiß er da nicht so viel vom Zudenthum, als der beste Katechl-muS zu bieten vermag? Kommt hierzu noch eine Uebersetzung der Hauptgebete und dadurch die Kenntuiß der gottesdienstlich« Einrichtungen, die Liturgie und Kmatniß der biblisch« und nachbiblischen ReligionSgeschichte, so reicht ein zusammenfastender Confirmaudenunterricht im letzt« Jahre vor der Confirmation vollständig hin. um mst Wes« und Inhalt de« ZudmthumS so bekannt zu jseiu, wie es Gesetz »und j Sitte verlangt um den Baum der religiös« Erkenntaiß fest uud dauerhaft zu begründ«. Da« „Reli- I gionsbuch" spielte auch in unserer Jugmd noch eine Hauptrolle. E« war ei» Bedürfniß der UebergaagSperiode, die an d« Einrichtungen anderer ReligionSgesellfchaften anknüpfen mußte. Wir wist« nicht» wie unsere Leser unsere Ansicht in dieser Beziehung aufnehm« werd«; aber wir gesteh«: unsere Begeisterung für dastelbe ist längst erloschen. Wir sagen nicht, daß der katechetische, systematische Religionsunterricht ganz entbehrlich wäre; wir sind sogar der Meinung, daß eia tüchtiger Leitfaden für denselbm noch heute ein Bedürfniß für dm Unterricht ist, insofern derselbe da« Gebäude de« JudenthumS in festen, kurzen and klaren Züz« d«Kindern vor-- führt. Ab« wir behaupten, daß ein Unterricht von einer Stund« in den letzten zwei oder auch im letzten Schuljahr« vollständig hinreicht , diesm Unterricht«» zweig zu bewillig«. Ist ja die Lehre de« Zudenthum« so einfach, sein Gebot so vernünftig und klar, daß weitgehmde Auseinandersetzung« hier nicht nothwendig sein dürft«. Wo das Wesen der Religion klar ist, da soll auch da» Wort, da« die religiös« Begrifft ernkierdet, Ngr sein und da braucht e» nicht der vwlen »Erklärung«* und Erläuterung«." Wir leg« ein weit größere« Gericht auf dm Unterricht in der ReligivnSgeschichte, wie wir ihn in diesen ölättcrn mehrmals besprochen haben. Wir halt« eS für nöthig, diesen mit dem erst« Schuljahre zu beginnen und durch di« ganze Schulzeit fortzuführen. Eine Aufführung der Gründe würde un« hier zu weit führen. Aber auch dieser Gegenstand ist nicht schwierig und wird vor Allem durch die Persönlichkeit des Lehrers unterstützt. Wird er gut ertheilt, so erregt er da» Jntereffe deS Kindes in so hohem Grade, daß dies schon wesentlich zur Erleichterung beim Unterrichte beiträgt. Immer und immer aber wird, nach dm Bedürfnissen und Einrichtungen unseres Cultus, der in sein« Hauptzügen auf der hebräischen Sprache gegründet ist, die Erlernung dieser Sprache, soweit das. gottesdienstliche Bedürfniß reicht, die Hauptaufgabe de« Religionsunterrichte« bleib«. Wen» man von »Institutionen de« ZudmthumS und sein« Ritualien" spricht, was kann damit andereverstanden werden, als hauptsächlich Sabbat und Festtage und Gotteshaus, und wodurch erhalten auch die erster« ihr« Weihe und Bedeutung, wenn nicht durch da- Gotteshaus? Dajüdische Gotte-Hauaber wird nie und nimmer die hebräische Sprach« mtbehrrn können; und ein ausschließlicher Besuch der Predigt, wie man ihn wohl zuweilen anstreben mag, wird nie und nimmer dajüdisch-religiöS-gotte-dienstliche Leb« ausfüll«, das jüdische Gemuüth befriedigen könnm. (Fortsetzung folgt.)

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