Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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er Jsraelitische Kehrer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer ft andek Organ für den Verein ..Achawa." M 20. D-» 17. Mat 1871. ' - ■ H. gqütgöng. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher >bon««mentiprri> 40 kr. — 11>/z Sgr. Anzeigen zu 1 Egr. die Pe:Uzeile Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Kin Lehrplan für die jüdische Schule und dir Referate über die der ersten ssraelitischen Synode zu Leipzig überreichten Anträge. (Fortsetzung au« Nr. 17.) Können von diesen so verschieden gearteten Schulen gleichmäßige Leistungen gefordert werden? Sind die Mittel und Wege derselben nicht vielmehr, je nach der Art der Schule, zu beu rtheilen und zu bestimmen? Wir glauben, daß dies von allen Einsichtigen unbedingt bejaht werden müßte. Und dennoch haben wir, der Religion gegenüber, allfammt die gleiche Stellung und Aufgabe. Wir unsererseits perhorreSciren zwar überhaupt die Unterschiede, welche durch die verschieden gearteten Schulen in der Bildung de» Volkes geschaffen werden. Wir sind der Ansicht, daß jedem Menschen gleichmäßig ein gewisses Maaß von Bildung gegeben werden müsse, welches ihn, je nach dem Krade seiner individuellen Kraft und Anlage befähigt, an dem geistigen Leben der Gesammtheit ausnehmend und gebend sich zu betbriligen, und daß nur die specielle Berufsbildung verschiedenartig gestaltet sein dürfte. Aber die Unterschiede sind einmal gegeben, und der Lehrer an der einklassigen Volksschule kann mit Aufwendung aller Kraft nicht daS leisten, was die vielklasstge sogenannte höhere Lehranstalt zu leisten berufen und im Stande ist. Der Religion gegenüber aber kann von Unterschieden, die gegeben sein solle», nicht die Rede sein; hier wird es nie eine „Ständeschule" geben, denn alle Menschen haben das gleiche Bedürfniß, Gott und sein Gebot kennen zu lernen und in der Erkenntniß und gottesdienstlichen Uebung eine Quelle des Trostes aind der Erhebung zu finden. Und doch! Während den! eigentlich jüdischen Recll Bürger- und Volksschulen in großen Gemeinden Mittel und Wege zu Gebote stehen, sehr viel zu leisten, wenn sie nur wollen, werdin schon die Cctülrr in den Religionsschulrn in den Städten sehr beschiänkt sein in der Zeit und der Kraft, die sie diesem Unterrichte widmen können. Doch haben diese wieder den Vorzug, daß die Kinder hier weit mehr vorgebildet sind und Vorkenntnisie insbesondere in fremden Sprachen haben, die auch dem He- "bräischen zu Gute kommen. Der ländliche jüdische f VolkSlehrer an einklaistgen Schulen hat, wie wohl jeder Einsichtige zugestehen muß, die allerschwierigste Ausgabe — er ist der alleinige Lehrer für alle Fächer in allen AlterSklasien und wir haben einmal einen berühmten Direktor einer berühmten, großen, jüdischen Realschule gesprochen, der eine solche Wirksamkeit nicht fassen konnte und ganz naiv fragte: ob unsere Schule, die damals 18 Schüler zählte, nur einen Schulsaal habe und alle Klaffen in demselben Raume vereinigt wären! Und ack'! Wir hatten dazumal nur ein kleines Zimmer, das zugleich Schullokal und Wohnzimmer des IunggrsellenlrhrerS war. Die ReligionSschulen an kleineren Orten haben hinreichend Zeit, in den vielen freien Tagen während der Sommerzeit Etwa» zu leisten und soviel un« die Verhältnisie bekannt sind, ist eö hier auch noch mit dem hebrä schen Unterricht am besten bestellt. während wieder dort, wo der Lehrer oder Rabbiner nur an den auch' für christliche Schüler bestimmten Schulstunden in denselben Räumen Unterricht ertheilt — wöchentlich 2—3 Stunden — nur äußerst wenig geleistet werben kann. Es hängt also Alle» davon ab, einen Weg zu finden, wo bei dem Auswande von möglichst wenig Zeit möglichst viel geleistet werden kann. Es wird darauf »»kommen, einen auf Eoncentration bastrten UnterrichtSweg zu schaffen, einen Lehrgang und Lehrplan festzustellen, der bei dem knappesten Maaß an