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Der israelitische Lehrer · 1871-05-03 · 18 (3.5.1871) · p. Seite 142

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
18 (3.5.1871)
Date
1871-05-03
Page
Seite 142 (sequence 4)
Language
German
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142 ten weiter unterstützen werde. Ferner wird die Motion gestellt und einstimmig angenommen, daß eine Deputation, bestehend auS den Funktionären des Vereines, Sr. Excellenz dem Herrn Kultusminister im Namen des Vereines serni Aufwartung mache. Verschiedenen Petenten, welche gegenüber den von ihren resp. Gemeinden an ihnen verübten Ungerechtigkeiten, die moralische Unterstützung des Vereins anrufen, wird brieflich geantwortet. Das diesjährige Erträgmß der weil. David GanS'schen Stiftung'im Beitrage von 16 fl. 40 kr., bestimmt zur Unterstützung eines würdigen isr. Studirenden, der aber der Sobn eines Lehrers sein soll, wird einstimmig dem Hörer der hies. isr. Präparandie, N. Deutsch, Sohn des Erlauer Oberlehrers S. Deutsä-, züerkannt. Bei dieser Gelegenheit gibt die Versammlung ihrer Pietät für die Manen des fei.* Stiftersdurch' Aufstehen von den Sitzen Ausdruck. Herr Controller L. Wärmer macht Mittheilung von dem vor Kurzem erfolgten Ableben des VereinSmit- ^-gliedeS Großmann ausPreßburg, was unter tiefer Bewegtheit mit dem Bemerken zur Kenntniß genommen wird, daß der Verein seinerzeit, den Hinterbliebenen dieses seines würdigen Mitgliedes gegenüber, gleichfalls sein Möglichstes thun werde. Herr Israel Singer, Religionslehrer aus S.- A.-Ujhely, bietet dkm Vereine einen Theil des Reinertrages seines im°Selbstverlage und bei Gebr. Rosenberg in Commission befindlichen Religionsbuches an. Da es mithin ivr Interesse deS Vereins läge, dem Buche eine möglichst weite Verbreitung zu verschaffen, wird dayelbe einem Comite zur Beurtheilung und BerichterstattungZugewiesm. Ferner beantragt der Vorsitzende die Herausgabe eines für Schulen bestimmten korrekten Gebetbuches durch den Verein, welches in vielen jüdischen Lehrerversammlungen schon so oft als dringendes Bedürfniß anerkannt wurde. Dieser Gegenstand wird behufs eingehender Erörterung der nächsten Sitzung Vorbehalten. Endlich wird bei vorgerückter Stunde der Hauptgegenstand, die Modificirung des §. 13 einer Commission zugewiesen, welch« über die Modalitäten der Unterstützung und AuShilfeleistung einen fertigen Vorschlag zur Berathuug - im Plenum vorzubereiten hat. Schlußder Litzunz 1 Uhr Nachm. (Ung. isr. Wochenschr.) Odessa, 26. April, lieber den bereits telegraphisch gemeldeten Ostern-Iudenkrawall dahier berichtet die „N. ft. Pr." wie> folgt: Man erzählte sich, daß einige israel. Studenten eine todte Katze, am den! Altar der griechischen Kirche geschleudert hätten; Andere verbreiteten das Gerücht, daß ein Kreuz von ihnen mit Steinen beworfen worden fei. Mehr brauchte es nicht, um am'Ostersonntag zu Mittag damit beginnen zu können, daß (in der Nähe der griechischen Kirche) die Juden geprügelt wurden. Da dies indeß zu den alljährlichen Ostervergnügungen des rnssischen Pöbels gehött, so legte man darauf kein besonderes Gewicht. Die Prügeleien mehrten sich aber und traten an verschiedenen Orten gleichzeitig auf. Jetzt wäre es an der ocit gewesen, energisch aufzutreten , die Gefangennehmung einiger Gassenjungen hätte die Gährung im Keime erstickt. Doch nichts von alledeni. In unverzeihlichem Leichtsinne ließ man den Dingen ruhig ihren Lauf, ließ man die anfänglich kleine Rotte sich zu großen Mcnschenmassen an'ammeln. und Tags darauf, Montag Nachnnttags, begann das Werk der Zerstörung wieder und in größerem Maße. Auf dem alten und neuen Bazar hatte das Volk schon tagsüber Scandal auf Scandal gehäuft, jetzt sammelte man sich in der Judengane und zog von Haus zu Haus, Fenster und Thüren einschlagend. Dies dauerte fast ununterbrochen bis Mittwoch früh. - In der Judengasse blieb kaum eine Scheibe ganz. Selbst die höchsten Fenster des-Tempels wurden eingeschlagen. Stündlich wuchs der Ilebermnth. Ilm 7 Uhr Abends wälzte sich der Hanfe heulend und pfeifend vor das Haus Rastalovich s (cinc-S der eisten dortigen Ban guiers) in der italienischen Straße, unweit vom Boulevard. Die großen Spiegelscheiben des schönen Gebäudes wurden ohne Ausnahme zerschlagen. Die Menge drang ins Hans, ins Comptoir; die schweren Geschäftsbücher, Rechnungen. Copien — Alles flog zu in Fenster hinaus. wurde unten unter Hurrab's in Empfang.genommen und dort in kleine Stücke zerrissen. Die ganze Straße war förmlich befäet mit Eontocorrenten. Noten und verschiedenen Copien. Auf dem alten Bazar waren gleichzeitig die Buden umgeftiirzt und gänzlich ausgeplündert worden. Schlinnner noch ging es am neueil Bazar zu, wo man sich vergeblich bemühte, die Menge durch Feuerspritzen anseinanderzujagen. Eine bewaffnete Beacht, die bei einiger Energie dem Treiben gewiß Einhalt gelten hätte, ließ stch nicht sehen. Eine Schnapsbude nach der anderen war unter Hnrrah gestürmt irorden und der Muth der Rotte mit der Erkenntniß der Sttaftosigkeit gewachsen. Am Dienstag gab es kaum eine Straße, in der nicht zerstött oder geplündert wurde, alle Ordnung schien arlsgelöft, das Militär wurde verhöhnt, Kosaken von den Pferden gerissen, lawinengleich wälzte sich das Verderben von Stadtviertel zu Stadtviertel und kannte schließlich auch keine Schonung mchr für das Menschenleben. Einzelne Häuser, wie die von Schifsinann, Barschansky, Willentz, sind von Grund aus zerstött; Barschansky hatte, fein Leben vettheidigend. auf die Menge geschos-

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