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Der israelitische Lehrer · 1871-05-03 · 18 (3.5.1871) · p. Seite 143

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
18 (3.5.1871)
Date
1871-05-03
Page
Seite 143 (sequence 5)
Language
German
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I I . > — 143 — ' i ieit und einen dieser Lumpen aetöötet. Schiffmann liegt zu Tode venvundet in« Spital, bei seinem Hause wurde vor den Angen des Schreibers dieser feilen ein »dosak erstochen, und die Menge rief: „Hurrah. es ist ja mir ein .flostik!" Die federn ans zerrissenen Betten lagen dort 3 dis 6 Zoll hoch auf der Strass, und circa 30 Mann Soldaten sahen zu, wie ei» Strolch unter dem Zabel desPöbelS ein 0'lavier ans den Balcon schleppte,' um dem untenstebeuden D fsicier zum Hohne es binabzustürzen. Die italienische. die Richelieustraste, das ganze Stadtviertel, das durch die Zudenstraste durchkreuzt ivird. ist mit beispiellosem Vandalismus verwüstet: bis in die unmittelbare.Reibe des Boulevards drang man vor. und anr dem »kcitharinenplatze wurde geplündert. Zwei Wagen mit Steinen belade» fing »lau auf dem Wege zu Ephram aiü. denen Hans nur durch' die Lage' am dem Boulevard, wo die Kosaken patronillirten, vom Verderben gerettet wurde. Die D.uarantaine hatte man rechtzeitig gesperrt und dadurch verhindert, da st die Matroien nicht allzusehr mit eingreistm konnten , aber die Buden am Hafen, die tiefer gelegen sind als die übrige Stadt, liegen gänzlich in Trümmern: die Strafen und dort unpaffirbar, da zerbrochene Möbel. Tbüren und seniler die Paiiage überall sperren. Auf dem Boulevard hörte »rau nur das wüste Brüllen, das gellende Pfeifen der tobenden Brasse, die unten am Halen ihr finsteres Werk der Zerstörung vollbrachte. Schrecklicher war die Plünderung noch in der griechischen Straste: an anderen Drten trat überall die Zerslörnng in den Vordergrund, hier aber war esdiePlündernugslust, der Raub, der die Arme zum Einbruch in friedliche Häuser itäblte. Es gab da Läden 'ür fertige Kleider. der Pöbel zog sich neue «Gewänder an, daneben ein »tappen- und Hutmagazin. die Villen Hüte flogen in die Lull. man setzte neue auf, Tuch- und Manufacturläden wurden gestürmt und die ganzen Waarenvorrärbe verheilt, einzelne Stucke Stone in der Milte auseinandergeriiien lind so geweilt. Dann ging es in die Deribaiowskaja. den „Graben" von Ddeiia. Dort plünderte man einen Schusterladen, und weil mit jedem Besitze sich auch die Bedürfnisse steigern, so plündeite man noch Uhrmaler und hing eine "gestohlene Uhr in eine gestohlene Weste, um sie später zu drei Nudel an den Mann zu bringen, trank Schnaps aus rumenden Lästern in gestürmten Schnapsbuden und brannte in einer geplünderten Ta baksbnde gestohlene Papiros an. .lind die Polizei? Dieke liest es ruhig geschehen, dast man ihre eigenen Leute vor ihren Augen niederstach. blost weil eine Drdre ans Petersburg, ivo man von der Tragweite des ganzen Erceffes keinen Begriff batte, untersagt batte, unter die Menge zu feuern: man verhöhnte allgemein die Soldaten, dem Polizeimeister rist man die Epaulettcht ab, die Anarchie war vollständig und überall. lind fragen Sie weiter. was das Pnvlikum bei alledem that? Ebenfalls nichts! Je fünf oder sechs Maraudenre Noten in ein Hans und plünderten. .Hunderte von Menschen sahen ihnen rnhtg zu, ermnnterten wohl noch die Strolche in ihrem gemeinen Vorgehen. „Nitschewo!“ Zu Deutsch: „Liegt nichts daran!" Das ist das Alpha und das Dmega eines echten Russen. Diese passive Haltung einer Bevölkerung, der das Menschenleben noch nicht viel gilt, die den Rechtsbegriff noch nicht erstrstt bat, trägt zumeist Schuld an den vorgefallenen (Gräueln. Seine eigene Perion wustte ja Zeder sicher, der das »!r<uz schlug, der ein Heiligenbild an sein Zensier gestellt batte. So ging es bis zum 14. April. Da langten endlich gröstere Trnppenmaiien mit zwei Wagen voll Ruthen au. Es war endlich die Erlaubuist erweilt worden. Memmen unter chie Menscl'eniuaiscn abznfenern und dieses Mittel half. Zehn der Rädelsführer wurden, wie mau erzählt, standrechtlich erschollen: dies hat Schreck unter die Tumultuanten gebracht, mer steh gegen die Polizei wehrt,— ichliestt der Eorrest'. der uv 'ln." 'einen Bericht — der wird jetzt auf öffentlichen Plätzen mit Rurbenstreichen zur Raison gebracht. Zck habe diesen Ereculioueu selbst zugeieben: wer nach hundert Prügeln noch le»k ist, bekommt ein zwelkes Hundert aufgezäblk. und daun sind der stärkste Ransth, die gröstke Wutb verdampft. Wäre nur der zeimle Tbeil dieier Energie frülrer entfaltet worden, das ganze llubeil wäre lnntaiizuhalten gewesen. Anzeigen. VacailM-Wc. 1) Thorn: 1. Lebrerstelle. Gebcilk 500 Thlr. und Gelegenheit zu Privatunterricht. Meldungen beim- Porstand der Synagogen Gemeinde. 2) Ermreuth bei Gräfenberg in Bauern): Elementar ReligionSlebrer- und Cantorstelle. Gebalt fl. 350, Accidentien 150 fl, Schächterdienst fl. 150. Meldungen bei der Cultuöverwaltnnz: Marx Reichold u. Jsaac Wimmelbacher. 3) Stadtoldendorf (in Braunschweig): ReligionSlebrer, Cgntor und Schocket. Einkommen 250 —300 Thlr. und freie Wohnung und Aufwartung. Meldungen beim Vorsteher E. Rothschild.

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