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Der israelitische Lehrer · 1871-05-03 · 18 (3.5.1871) · p. Seite 139

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
18 (3.5.1871)
Date
1871-05-03
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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139 — 1 vor, die es unzweifelhaft erhallen hätte — trän sagt sich sogar, eS sei schon unterzeichnet gewesen — als die Herren Frommen in Fürth entdeckten, wie schädlich dies werden könne, weil sonst die Fremden „Kahl" machten rc. rc., während sie jedoch „klug wie die Schlangen, aber falsch wie nicht * die Tauben" etwas ganz Anderes im Schilde führten. Einem ihrer Sendlinge gelang es nun, einen indifferenten Mann für sich zu gewinnen, der ihnen Fürsprecher bei einer sonst sehr gerechten Persönlichkeit von hoher Stellung ward, und die nicht wollte, daß ein religiöser Zwang geübt werde — sie schieben ja immer die Religion in den Vordergrund, auch wenn sichS um den ärgsten Schelmenstreich handelt, — die denn den Beschluß aufhob und den wiederholten deßfallflgen Antrag Fürth'S zurück wies. Die allerhöchste Stelle genehmigte jedoch mit Aufhebung der RegierungSverfügung das Fürther Wahlregulativ, in deffen Folge am 10. d. eine Agitation sich dort entwickelte und Mn einem Erfolg gekrönt wurde, jwie dies nur in einer wahrhaft fortgeschrittenen und trotz allem JndifferentiSu uS, über den man sonst klagt, dock geweckten und von echt jüdischem Geiste belebten Gemeinde zu erwarten war. Sämmtliche Verwaltung«-. Mitglieder, ich glaube eo sind ihrer 24, der Fortschritts« Partei oder Neuen sind mit entschiedener Majorität aus der Urne hervorgegangen. Die .Frommen," obzwar sie eine womöglich noch größere Agitation mit den ihnen eignen Mitteln entwickelten, konnten auch nicht einen ihrer Candidaten durchbringen. Man hatte nämlich inzwischen in Erfahrung gebracht, wie diese damit umgingen, durch die Männer ihrer Wahl den ohnehin leidenden Rabbiner vr. köwi und seinen Substituten zu beseitigen und ihrem I)r. Auerbach das Rabbinat zuzuwenden, alle Gemeindestellen mit ihren Kreaturen zu besetzen und so wieder eine „fromme Kehille" mit allen ihren veralteten Einrichtungen herzustellen, ganz nach „Bamberg'schem" Ideal rc. Da hatten sie sich jedock gewaltig verrechnet. Das ließ sich Fürth nicht bieten. Männer, welche das ganze Jahr keine Synagoge besuchen, eilten zur Wahlurne und ein Eifer entwickelte sich, von dem nur zu wünschen ist, daß er nicht wieder erlis l t und Fürth einmal wieder auch in positiven, auf Religion und Fortschritt bezüglichen Schöpfungen weitere Schritte vorwärts macht, zu seinem Wohle und zum Beispiel andrer Gemeinden. Mögen sich auch die „Frommen" trennen; es ist Raum für beide Theile. Wozu dieses ewige Vermitteln und Frieden halten, wo doch die Gegner keinen Frieden halten wollen? Daß die „Frommen" sich immer mehr in ihren alten Wust einbohren, zeigt ein neues Vorkommniß dort. Man hat nämlich neuestens herausgetüpfelt, es sei ein iwa tdx, am Peßach Rauchfleisch zu essen, waS doch die Alten mit Bedacht gestattet. Warum? Es steige bei dem Räuchern das Jahr über ^r-n-iger Dampf in die Höbe und lege sich in die Poren des Fleisches im Kamin, die man ^"m dann mit genieße. •) Die Herren müssen immer von Zeit zu Zeit so einen Popanz haben, um daö Volk im Athem zu erhalten. So waren eS vor einiger Zeit die Chochin-China Hühner, worüber eine große Lobe entbrannte. Die. armen Thiere haben sich aus Verzweiflung wieder aus Deutschland zurückgezogen. Dann war'S der Chocolade, der Cichorien, die ein Strohleuer erzeugt hatten, und jetzt!, da dies Alles schnell verglimmt, muß daö Rauchfleisch herhalten. Gott bessers! — Um mit etwas Besserem zu schließen, melde ich noch, daß neuestenS in Fürth eine wohlthätige Stiftung von 6000 fl. der verstorbenen Büchenbacher'schen Eheleute die allerhöchste Bestätigung erhielt, und daß in Bayreuth die Militärärzte vr. KarpeleS das Ritterkreuz de» k. b. Max-Joseph-OrdenS und vr. Stein die goldne Sanitäts-Medaille des Michael-OrdenS, mit welch letzterer ein Bezug von 300 fl. aus dem Ordiinsveimögen verbunden ist, erhalten haben. Ein Hoch den Männern, welche diese Auszeichnung sich erworben, sammt denen, welche sie ihnen zuerkannten! Aus Unteyfrauken, im April. So viel des Wahren und des Trefflichen in dieser Zeitschrift auch schon über die Religionsschule geschrieben wurde, so viel steht fest: diese Angelegenheit ist ungeachtet ihrer hohen Bedeutung für die Gegenwart wie für die Zukunst noch um keinen Schritt ihrer Lösung näher gekommen. Die Gründe, weshalb dieses Nebel so groß und seine Heil'ng noch schwierig ist, sind gleichfalls schon vielfältig eruirt worden, so daß der bedrängten Brust des Lehrers unwillkürlich der Schmerzensruf entquillt: ich bin auf einen verlornen Posttn gestellt. Das Streben der Achawa wird zwar mein hilfloses Alter erleichtern, meine Relikten werden einst nicht ganz verlaffen stehen, — allerdings eine tröstende Hoffnung, — allein dif ungezählten Jahre, bis die totale Dienstunfähigkeit eintritt, bis der Tod mich abruft, bleiben ewig in Kummer und Noth gehüllt. Die organischen Nebel nehmen fortwährend größere Dimensionen durch die allenthalben stattfindenden Uebersiedelungen der begüterten Klaffe der Landbevölkerung in größere Städte an. und die Folgen sind in erster Reihe fürden Lehrer unaussprechlich drückend. Unsere Schulgemeinden sind sämmtlich decimirt; wer seinen Weg nicht nach Amerika genommen, ziehet in die Städte, wodurch die Kräfte.bis zur gänzlichen Erschlaffung absorbirt werden. Kaum eine *) Ganz gut; die Herren wisien, was sie producire». Rauch und nichts als Rauch! und der ist nicht allein pr>, ist allezeit ein wy ■?icr':rrnr! Redaction.

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