Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 17 (26.4.1871)
- Date
- 1871-04-26
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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131 Z«rael« und der Menschheit in der Zukunst gewribt, dem Gedanken von der CrfAvung mrssianischrr Weifsagunftkn vnd ollzeitigrr Bistrebvngen; dir Mitte de« Kefirs, der Sabbat der Ctol Hamoed-Tage, faßt den Gedanken von dem AuferstrhurgSglauben in Israel avf. tzs gibt eine doppelte Auferstehung: im Reiche der Natur und der Ideen. Jene spricht das an diesem Loge zur Verlesung kommende ("rn i'r) „Hohe Lied" ou«: (Cap. 9 D. 10), „Der Winter ist vorüber, der Regen hört auf; die Blüthen sind gekommen, der kaut der Turteln wird vernommen." Don der Auferstehung im Reiche der Ideen ist in der heutigen Prophetenvorlesung (Czech. 37) die Rede, in der Weissagung von der Auferstehung der Todten (DTcn.rvnp.) Der Prophet, selbst,igentlich im Namen Gotte«, deutet diese Auferstehung nur bildlich: (V. 11.) »Diese Gebeine sind da« gesowmte Hau«'Israel.* Auch die Weisen der Vorzeit deuteten sie al« ein Glrichniß (dvo) von dem todten Nationalkörper Israel«, der durch Nebukadnezar in Babel eingesargt und durch dir Rückkehr nach dem heiligen Lande wieder belebt worden (Cynhedr. 92, b. Allo Zkk. 4, 3b.) Don einem Theile des Volks, und zwar dem nicht unbedeutendsten, wurde sie sogar geleugnet. Co wenig Boden hatte ursprünglich die eigentliche, real« Bedeutung der AuferstrhungSlrhre; Niemand glaubte an eine wirklich« Auferstehung und Wiederbelebung der todten Gebriue. 1K Die sie vollständig leugneten, waren die Sadurier (ppm), dir Priester au« dem Geschlecht» Zadok'S. Irrig glaubt man von diesen, daß sie die Unsterblichkeit, da« Fortlebcu der Seele geleugnet; nein i nur die Luserweckung de« Fleische« de« todten Leibe« leugneten sie. Und mit Recht! denn die Anschauung ist heidnisch, ncch welcher daü Fortleben der Menschen sinnlich, leiblich gedacht wurde durch Rückkehr der Seele in den urhrünglichen Leib, welcher dafür, wie bei den Aegyptern, einbalsamirt und aufbewahrt, oder nach der Vorstellung der Perser und Babylonier wieder neuerdings hergestellt und auferwcckt wurde. Der ägyptischen Vorstellung Kat schon Moses entgegen 14. Buch 19) durch die Lehre, daß der todte Körper Stauv ist, von dem er genommen, und zu dem er zurückkehrt, daß der Mensch nur lebt durch seine göttliche Seele, daß darum der irdische Staub des Leibes, wenn ihm die Seele entstohen, todt ist und todt bleibt und in solchem Gegensätze zur reinen, göttlichen Seele steht, daß die Berührung eines Todten den von der göttlichen Seele belebten-und dadurch geheiligten und Unechten Menschen verunreinigt. Der Mensch ist nur Mensch durch die göttliche Seele, welche, und so lange diese ihm inmwohnt; und diese ist, weil göttlich, auch ewig und unsterblich, nur sie lebt fott, nicht der todte Leib wi^er auf. In Babylon und Persien Kat Israel aufs Neue wieder in Verkehr mit den Heiden und lernte die dortige Auffassung von der Auferstehung de« Fleisches, der Wiederbelebung der todten Leiber und Gebeine kennen. Die Priester Katen dieser Austastung und Lehre als heidnisch und unjüdislb mit Recht entgegen. Warum, erwiederte ilmeu das Volk, sollten wir' nicht so glauben k Hat Gott die Li acht, da« todte und verweste Saatkorn zu beleben, welches wir in die Erde legen und zum neuen Leben auterftebcn sehen, so verniag er gewiß auch den Leichnam des Menschen zu neuem Leben zu erwecken. Aber man vergißt, daß der Mensch nicht ein bewußtloses Natur-, sondern ein selbstbewußtes Geistesleben lebt; die Natur lebte nach der biblischen Schöpfungslchre sofort, als sie Gott geschaffen, der Mensch aber erst, a>S ihm Gott die lebendige und belebende Seele eingehaucht hatte. Die Priester skebten die reine, wahre Lehre von dem geistigen Fortteben, der seelischen Unsterblichkeit aufrechten erhalten, die heidnische Anschauung aber von einem sinnlichen, leiblichen Fortleben, der Auferstehung und Wiederbelebung der Todten abzüwehren und zu entfernen. Gegen Vorurtheile des Volks indeß kämpfte man damals, wie heute noch, vergebens. Der. AufcrstehungSglaube besteht noch, und die Priester kamen in Verdacht, das Fortleben der Seele, die Unsterblichkeitsledre zu leugnen. Mit Unrecht! sie leugneten nur den Glauben an die leibliche Auferstehung. Sie ist in der That nur ein Gleichniß beim Propheten, und eine Hindeutung auf die politisch-nationale Wiederbelebung des Volks Israel, wie sic damals wirklich Statt hatte, vielfach aber auch schon ehemals nur vom Reiche Gottes (cpcr rro'rc) verstanden wurde, in welchem die Menschen nach den ewig wahren und unabänderlichen Gesetzen Gottes leben, den Vorfchristen allgemeiner Gerechtigkeit und Liebe, den Geboten strenger Wahrheit und Sittlichkeit. Die Unsterblickkeitslehre im Judenthum ist rein geistig, das selige Fortleben des Menschen bedingt die Auferstehung und Wiederbelebung des todten Leides nicht. Die Gebräuche darum auch bei Bestattung der Todten zur Sammlung alles Bluts, der Haare, Gebeine, Glieder und sonstigen Theile des Leichnams, sind richtig und anerkennungswettd, insoweit die Pietät vorfchreibt, sie vor Entweihung zu schützen und darum zu bestatten; sie find aber falsch und beruhen auf Aberglauben und heidnischer Anschauung, wenn man sie zu bewahren sucht, damit Gott sie bei der zukünftigen Auserfterstehung und Wiederbelebung der todten Gebeine fämmtlich wieder vorfinde. Der Leichnam wird zu Staub und Asche «nd löst sich in Atome auf, die aller menschlichen Aufbewahrung zum Trotz sich dennoch in alle Welt verfiüchttgen und zerstreuen. Gott bedarf auch dieser Sayimlung und Aufbewahrung durch Menschenhand nicht, wollte er diese Tbeilchen und Gebeine wieder zusammenfügen und beleben. Eine solche Vorstellung ist heidnisch. Der Mensch lebt jüdischer *■