Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 16 (19.4.1871)
- Date
- 1871-04-19
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 iLrmacht unter Anwendung der Bajonnette hergestellt. Es wurden dabei viele Personen verwundet. Etwa 1000 Individuen, welche die LSdeu und Häuser der Juden plünderten, wurden verhaftet. Odessa, 12; April. Während der russischen Osterfeierlage plünderte der Pöbel drei Tage lang die Häuser der Juden. Die Laden und ComptoirS wurden gewaltsam erbrochen. Ein allgemeiner Strecken hat sich alllr jüd. Einwohner bewältigt. Dieselben haben enormen Schaden erlitten. Die Behörden sind anscheinend machtlos.- Eine Wiederholung der Excesie wird befürchtet. (Telegr. Dep.) Philadelphia Die Reform Ccngregation K - nefetb Israel dahier gehört mit zu den ersten amerikanischen Reformgemeinden. Gegründet von dem auch in Deutschland rübmlichst bekannten Or Einhorn, jetzt in New-Dork, wurde dieselbe durch besten Nachfolger vr. D e u r s ch (jetzt in Baltimore) und gegenwärtig durch Or. Samuel Hirsch (trüber in Luxemburg)im echten Sinne der entschiedensten Reform geleitet und verwaltet. Sie besitzt einen prachtvollen und dennoch durch seine Einfachheit imponirerden Tempel, der natürlich mit Orgel und Familiensitzrir versehen ist. Dr. Einhorn'S Gebetbuch Olath Tbamid in angenommen und erbaut allsabbatlich aufs Neue die Gemüther. Es ist dies unstreitig das schönste und beste Gebetbuch in America und es ist darum kein Wunder, wenn Dr. Einhorn jedes Zusammengehen mit. den unfertigen und unklaren Männern des „Minhag Amerika" perhorreScirt und keine ihrer Coniereiizen oriwobnt. Dem Gottesdienste wobnt man mit entblößtem Haupte bei — ohne Tallis oder Kutte. Mit unserer Gemeinde ist eine gute Relig-ons-' schule verbunden in welcher vier Lehrer unterrichten, während außerdem noch Herr Tr. Hirsch als Superintent den Confirmandenünterricht erihe lt. Sie seben, wir es unserer Gemeinde Ernst ist um Religion und Grundsätze. In Deuisck lnnd und anderwärts hat man wohl auch.Geld für Prackttempel; aber ft> »ine Religionsschule, die dock die Basis und den Halt aller Beftrebungen bildet, 'tbut man nichts. Man sagt, es fehle an Kindern, an Zeit; aber das ist nickt wahr. Eine gute ReligionSschule wirkt eben nicht so sehr fürS Auge; — und darum werden die entsprechenden Anstalten' selbst ist. den ganz oder halborthcdcxen deutschen Gemeinden, soviel mir aus meinem früheren Wirken daselbst bekannt ist, sich nickt messen können mit unserer, der freiesten Richtung zugei ör-gen Religionsschule und^ihren positiven Leistungen. (Sehr richtig und wohl zu zu bedenken! Red.) Am Tempel wirkt als Cantor der Sie herzlich und ccllegiolisch grüßende, manchen JhrenLesern von Deutschland her sicher wohl bekannte und daher allen diesen Freunden auf diesem Wege herzliche Grüße sendende Wm. Ar mH old. Adriauopcl. Ein gewisser Abulasia ist hie» her gekommen, vorgeblich von London, von wo er entsendet sei, mit jüdischen Geldern für die hiesigen Juden eine Scküle zu gründen. Selbstverständlich hielt man ihn für einen gläubigen und rechtlichen Juden, der er zu sein auck behauptete. Die Schule kam zu Stande und wurde eben *0 zahlreich wie eifrig besucht. Durch den Einfluß indeß, welchen alslald hiesige, englische Missionäre oui die UnterrichtSgegenstände wie die Art des UnterrickiS auSübten^ erfuhr man bald,.in welche Hände mau gefallen sei. Welche Mittel diese Herren doch auwendcn, um Seelen zu fangen! Die Ncthweudigkeit, zu solchen Mitteln Zuflucht nehmen zu wüsten, feilte sie doch auf die Reinheit ihrer Sache Rückschlüsse machen lasten. Literarisches. Die mir zugesandic Ein'-? dllng o schrrf t zur öffentlichen P'üfung der unter d r Direktion dcS Hrn. vr. Bärwald stehenden Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. enthält eine Schilderung des Lebend und Wirkens des imvorigenJanre gestorbenen edlen und berühmten Gelehrten Lazarus Geiger, welcher an jener berübmtcn Schule beinahe ein Decernium mit großem Erfolge unterrichtet hatte; und nar für mch diese Erinncinngsschrift an den den eben so eteln als gelehrten jungen Mann um so interessanter, als ich mit der betrestenden Familie feit 33 Jahren befreundet bin! — Aber auch die Art und Weise, wie dieser Lcber.Sabriß geschrieben ist, verräth den tüchtigen Geschichtsschreiber, welcher eS verstand, bei aller warmen Theilnahme an dem Gesch'cke des Verstorbenen und seiner wackern Eltern dennoch den objektiven Standpunkt zur Bcurtheilung eines so außerordentlichen CharacterS nie aus Augen zu lassen. — Schließlich möchten wir noch die — wenn auch sonderbar klingende, deßhalb doch nicht, unwahre — V merkung hinzufügen, daß es für einen jüdischen Gelehrten leichter als für einen Andern war, auf den Gedanken zu kommen, daß die menschliche Vernunft durch das menschliche Sprachververmögen geweckt unts gesördert wurde, und nicht, wie man bisher glaubte, in umgekehrter Weise; indem die jüdischen Religionsphilosopben den Menschen nach seinem Verzüge kor den Tbi ren auf Erden, nicht ge- ,e.