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Der israelitische Lehrer · 1871-04-19 · 16 (19.4.1871) · p. Seite 127

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 ( asdrave allein) venünftize W:sen, sondern vielmehr da» redende Wesen (nTjTT? t£>?5(*) nennen! Aber auch die Genesis in der heiligen Schrift deutet un« schon diesen Gedanken an, in dem sie daS Sprach' vermögen des ersten Menschen (Adam) durch die Schalllaute der Thierwelt wecken und anregen läßt; und wenn auch, wie der selige Geiger mit Recht bemerkt, die weitere Entwickelung des SprachvermögenS resp. der naturwüchsige Sprachbau mehr dem Auge, als dem Ohre zu verdanken hat, so gibt er doch in seiner Jugendarbeit selbst zu. daß de Anfang dieser Ursprache auch mit der Nachahmung der Narurlaute, wohin die Töne der Thiere gleichfalls gehören, begonnen haben möchte! — Mit diesen Bemerkungen soll jedoch die Originalität der Geiger'sch» Idee durchaus nicht beeinträchtigt werden; und verehren wir vielmehr, in dem leider zu früh Heimgegangenen einen der grünten philosophischen Geister unsers Jahrhunderts. Bad Em«, im April 1V71. Dr. Hochstädter, Bezirks-Rabbiner. Feuilleton. Materialien zu einem Lesebuche für die obere» Klassrn israel. Volksschulen. Von I. Rosenmeyer, Oberlehrer. (Schluß.) Wir stiegen vor dem Hotel d'Orient ab, nahmen ein einfaches Mahl und legten uns ermüdet von der Reise und erfüllt von oen vielen neuen Eindrücken, zu Bette. Am Morgen des andern Tages erkundigte ich mich vor Allem nach den Juden in Eairo. Die Häuser, welche sie bewohnen, sind sehr hoch und stoß u oben an ciuaiidee; die Straßen sind nicht so breit, daß zwei Menschen neben einander geben können; die Eingänge in die Häuser sind wie Kellerlöcher und man glaubt mickt in Straßen, sondern in unterirdischen Schluchten umberzuwandeln. Hier wohnen Urjuden, denn schon vor der Zerstörung Jerusalems sollen hier Ansiedlungen von Juden gewesen sein. *) Vergl. damit Anmerkung 9tr. 15 in meinen „religionsphilosophischen Erläuterungen zur biblsch reinen Glaubens¬ und Pflichtenlehrc des Judenthums" (v. 1361.) Auch trifft man hier aus Trümmer eines jüdischen Fleckens Tel ol Jud, Hügel der Juden genannt, von PtolemauS Philometor angelegt. Viele der ägyptischev Juden leiden, wie alle eingeborenen, an Aüzenkrankheiten. Die Juden haben acht Synagogen in ihrem Stadtviertel, zu Cairo. In Alt-Cairo existirt eine uralte Synagoge, die schon vor der Zerstörung Jerusalems erbaut war. Die Inden, die nicht mehr in diesem Stadttheil wohnen, wallfahren mit ihren zweimal des Jabres dort hin und halten ihre Prozessionen. Hier lebte und wirkte der grgße Ra mb am, In Gesellschaft eines FrtundeS ritt ich gegen Mittag hinaus nach Mißer, welches von Eairo zwei Iabbatwege entfernt ist. J b befand inich bald in einer großen Synagoge. Es ist ein schönes, zwar nicht großes, aber hohes Gebäude. An der Ostseite beendet sich der Hechal, welcher sich mit seiner Wölbung und den mit Bibelversen durebzozenen Arabesken bis an die Decke erhebt. Die dre anderen Seilen zerfallen in zwei Geschosse oder Chöre, von denen der untere von 12 Marmorsäulen und einer Granitsäule getragen wird, der obere, oder der Frauenchor wird gleichmäßig von 13 klein m Marmorsäulen gestützt. Im Tanzen zählt man 26 Zän'en und 26 Fenster. In der Mitte deS Schiffes steht die 7>B'2 oder das -ob'?.':, dessen Ichnitzwerk noch gut erhalten ist, obgleich manches dvvon nachgrarbeiret und die Symmetrie vernichtet ist Weiter ach Westen, gegen den Eingang hin, befindet sich ein einfaches Denkmal aus Backsteinen, das den Ort bez-ich iet, wo einst der Prophet Jeremias geltet haben soll. In den Säulen erkennt man zvar'oeim ersten Anblick die griechisch-römische Kunst, aber bei gniaucar Belrächt ing findet man, daß sie einander nicht glichen. In Mißer wohn m jetzt keine Juden mehr,'»aber die Gemeinde von Cairo unkerh'lt in jener alten Synagoge ein na TBB, an Hoschana rabba wird dahin gewallsahrtet und zweimal iin Jahre an den NeninondStagsn deü Marcheschwan und Jjar begeben sich sämmtliche Juden aus Cairo dahin, wo sie inst den dort befindlichen Gesetzrollen eine feierliche Prozession halten. Anzeigen. Vakanzen-lüste. '!) Limburg a. d. Lahn: Religionölehrer und Cantor. Gehalt 300 fl. und 10) fl. Nebeneinkommcn durch die Schechira. Meldungen beim Vorstand oder bei Bezirksrabbiner Dr. Hochstätt er in Bad EmS.

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