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Der israelitische Lehrer · 1871-04-19 · 16 (19.4.1871) · p. Seite 124

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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clesia) sollen sie indeß bewahren; daS Aufrufen und der Sologesang der Frauen ist daher nicht zu befürworten, um sie nicht zu nöthigen, in die Oeffentlichkeit zu treten. Die Minjan - Vorschrift möchten wir aber auch erhalten wissen, damit der Gottesdienst nicht nach Art der katholischen stillen Messe zu einem opuo operatom werde. Der Vorschlag, eine andere Art von Gottesdienst einzurichten, wofür Minjan nicht erforderlich sei, wird denen nicht genügen, welche den traditionellen Gottesdienst abzuhalten wünschen. Eine Beschränkung der Zahl ist weder anzurathen, noch bei Zuziehung der Frauen erforderlich. Die Stellung des Lesetisches (;n>dv) betreffend, begriffen wir nicht, warum es störend sein soll, die Thora mit zur Gemeinde gewandtem Gesichte zu lesen, und hier mehr als bei der Haphtara. Es ist zudem Vorschrift, daß der Lesende das Publikum vor und nicht hinter sich habe. Die Stellung deö Almemar ist in den portugiesischen Synagogen daher am Westende, .dem Bespülte gegenüber, welches im Osten vor dem Hechal steht. Des bessern Verständnisses wegen ist in den größeren Synagogen Deutschlandsder Almemar w.ohl allmählig vorgerückt worden. Aber dies ist gerade gegen das Gesetz, welches fordert, daß der Lrsen.de und Sprechende daS Publikum vor sich habe, für welches, er liest und zu welchem er spricht. So erfordert eS auch die Logik, in gleicher Weise wie der Betende das Publikum hinter sich habe und vor den Hechal trete, weil er mit seinem Gotte redet.' Nur tadeln wir eS, wenn Tisch und Kanzel vor dem Hechal angebracht sind und diesen verdecken. Am besten empfiehlt sich: Betpult mitten vor, Lesetisch auf der einen Seite, Kanzel auf der andern Seite des Hechal, oder der Hechal ganz frei liegend und auf der einen Seite Betpult, auf der andern Lesetisch (gleichze tig vielleicht Kanzel), und zwar der Betende daS Publikum hinter sich, der Lesende und Sprechende vor sich habend. Priestersegen. Adler entschließt sich nicht für Aufhebung der Duchan-Pflicht -der des Duchan- VorrechtS, obgleich er bekennt, daß'-die Kohanim nicht genöthigt sind, ohne Aufforderung diese Pflicht zn üben. A. ist selbst Köhen und läßt sich hierbei von individuellen Gefühlsregungen bestimmen. Wenn ohne Aufhebung daffelbe Ziel zu erreichen ist, drängt unsfreilich Nichts dazu. Aber hier handett es sich um die Vorrechte der Kohanim, welche' sich auch sonst noch geltend machen. Da werden wir mit der Sache nicht fertig, ohne die Principienstage zu erledigen und es offen auSzusprechen, daß die Stellung der Kohanim antiquirt sei. Alzey. Dr. R. Wochenbericht. i _ Prag. Herr Lehrer Rosmberg von hier hat folgenden Aufruf veröffmtlicht: „Vor bald drei Jahren haben die israelitischen Lehrer Böhmens einen Verein ge-, gründet, welcher sich I. die Förderung der geistigen Interessen der jüdischen Volksschule und H. die Förderung der materiellen Jntereffen der jüdischen Lehrerwittwen und Lebrerwaisen zur Aufgabe machte. Die unerquickliche, oftmals drückende Lage, in welcher sich der jüdische Lehrer während seiner ganzen Dienstzeit befindet, sowie die trostlose Perspectiv«, welche sich ihm für die Tage des Alters und der Dienstunfähigkeit eröffnet, mehr aber noch das nagende Bewußtsein. daß er leicht eines Tage«, vielleicht noch in der Blüthe seines Lebens, ein Opfer seines Berufe« werden und eine hilflose Wittwe mit unversorgten und unerzogenen Waisen zurücklaffen könnte — alle» da» zusammen muß nothwendig der Geduld^ GemüthSheiterkeit und Liebe zum Berufe, deren der Lehrer mehr denn irgend ein Anderer bedarf, empfindlichen Eintrag thun, und der Rückschlag auf daS Gedeihen der Schule kann nicht ausbleiben. Der israelitische Lebrerverein wollte diesem Doppelübelstande abhelfen. Er wollte die geistigen Jntereffen der jüdischen Volksschule durch die Hebung der materiellen Lage der jüdischen Lehrer befördern. Er rechnete dabei auf die Unterstützung der Gemeinden und Rabbinen einerseits, wie auf den Gemeinsinn der StandeSgenoffen andererseits. Ehrsame Gemeinden! Löbliche Vorstände! Zu einer Zeit, wo noch keine Nation auf Erden den DolkSschulunterricht kannte, hat es schon Männer in Israel gegeben, die von dem Schulunterrichte das Heil der Gesellschaft erwarteten.... Und diese Grundsätze haben sich in Israels Gemeinden selbst in den Zeiten deS schmählichsten Druckes erhalten. Und wenn der Staat für den Jugendunterricht aller Confesstonen Geld — freilich so wenig als möglich_— für den der jüdischen aber keines hatte, waren dem gegenüber die jüdischen Gemeinden immer bereit, diese Lieblosigkeit des Staates aus eigenem Säckel auszugleichen, und sicherlich war die Existenz der jüdischen Lehrer mindestens keine kümmerlichere als die Existenz der vom Staate besoldeten. Und da nun allenthalben ein lebendiger Geist sich regt, dm Lehrstand zu heben und seinen Trägern, den Lehrern und Bildnern der Menschheit, eine würdigere und sorgenfreiere Stellung und damit zugleich dem ganzen Schulwesen einen kräftigern Aufschwung zu gebm, sollten gerade die Lehrer und Bildner Eu-

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