Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 16 (19.4.1871)
- Date
- 1871-04-19
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 122 — den, ihrem Ziele nach (7—11)', wie in Rücksicht auf die materiellen Erfordernisse (12). 7. Da daS Ziel der Honffchule die „Erhaltung, Fortbildung und Berbrei ung" der Wissenschaft des JudenthumS fein soll, (§ 2 der Statuten) so würde eine mit ihr verbundene Bildungsstätte für Religionslehrer dieses Ziel wesentli ö förde.rn, würde die gefundenen Wissens haftlichen Resultate sogleich praktisch verwerthbar machen, würde ql-.ichjam das zu Tage geförderte Gold sofort in die nöthige kleine Münze verwandeln und so — seiner Bestimmung gemäß — unter daS Volk verbreiten. 8. Der- Einwänd> daß dieses ja durch die auf der „Hochschule" zu bildenden Rabbiner und Prediger geschehe, wäre nicht stichhaltig. Denn erstens würde, wie schon unter 1 ausgeführt, dieses nur einer kleinen Anzahl der größeren Gemeinden zu Gute kommen, und dann ist es ein großer Jrrthum, den Rabbiner als solchen nun auch als den geeigneten Dolkslehrer zu betrachten und die erlangten wistenschaftlichen Grade und Titel als - Maßstab der Lehrbefähigung gelten zu lassen, der Lehrbefähigung, die hier doch als Hauptsache in den Vordergrund gestellt werden muß. 9. „Auf dem^ Fundamente religiöser Schulbildung kann und muß Innigkeit und Einigkeit im Gottesdienst und Judenthum auf- und ausgebaut werden " So sagt treffend chrr Referent der 1. Synode über das Unterrichts wesen, und iyr Präsident sagt: „Den Kindern gehört die Zukunft" und: „aus der Religionsschube geht man ins Gotteshaus." Diese nicht zu leugnende Zusammengehörigkeit deö Gotteshauses und der Religionoschule, die sich gegenseitig ergänzen, setzt aber voraus, daß beide Institute in demselben Geiste geleitet werden, setzt voraus, daß die Schule dem'-otteshause vorgearbeitet, Glaubenswärme und Innigkeit in den jungen 'Gemüthcrn gepflegt und sie begierig gemacht habe, im Gottesbause daS Fundament ihrer religiösen Anschauung»- und Gefühls weise weiter auszubaüen, sich zu erbauen: während andrerseits, wo bisse Vorbereitung in diesem Geiste fehlte, — der beste Prediger ein „Prediger in der Wüste" ist; und wenn auch seine gediegenen Predigten sich der Theilnahme seiner Gemeinde erfreuen, so ist eS nicht das religiöse Bedürfniß, das sie. ihm zuführt —^ man will"?ben den Doctor und nicht den Rabbi, den Redner und nicht den Lehrer hören. 10. ' ES gibt wenige Religionslehrer, die nicht zugleich sich rabbinischen Funktionen unterziehen müssen — sie haben Beerdigung'» zu leiten, Trauungen zu i vollziehen, an Festtagen unv bei sonst feierlichen Veranlassungen zu predigen u s. w.. und anderseits haben die meisten Rabbiner zugleich Elementar Religionsunterricht zu ertheilen, oder denselben zu leiten, zu überwachen. Wie daS Ziel des Rabbiner», Prediger» und R tijsionSlehrerS wesentlich eins ist/ so laufen ihre Funktionen vielfach in einander, und wer will die Grenzlinie sieben und sag n, wo der Rabbiner und Prediger aufhört und wo der Rel'gionSlehrer anfängt? 11. Wenn also die „Hochschule" neben ihrem rein wissenschaftlichen Streben in durchaus gerechtfertigter Weise speciell die Ausbildung von Rabbinern und Pedignm in's Auge faßt und deren UniversitätSstudien ergänzen will, jo möge das zu gründende „Seminar" den Schnlamts-Candidaten Gelegenheit bieren, sich als Religionslehrer gründlich:r auszubildeu und die absolvirten Seminarstudien zu ergänzen. Das „Religionslehrer-Seminar" soll eine Vermittlungsanstalt sein, die gleicherweise den Rabbinern und Predigern Gelegenhet gibt, sich zu Lehrern zu bilden, wie den Lehrern, sich mit denjenigen rabbinischen Kenntnissen und Fertigkeiten auszurüsten, die von ihrem Berufe unzertrennlich find. — eine Verbindung, die im Judenthum auch ihre historische Berechtigung hat und keinesw gS der Befürchtung Raum gibt, daß die Stellung der Rabbiner vadurh an Ansehen verlieren oder eine Ueberbebung der Lehrer die Folge sein werde. . 12. Das nun die unter 6 betontenmateriellen Vortheile betrifft, so glauben wir, daß die jüdischen Gemeinden sich leichter zu Beiträgen für di: Hochschule verstehen, und diese im reicheren Maße unterstützen werden, wenn durch die beantragte Verbindung eines Seminars mit derselben einem allseitig und tief gefühlten Bedürfnisse Rechnung getragen würde. 13. Wie nun die „Hochschule" in ihrem Ziele und in ihrer Bedeutung, durch die Einrichtung des beantragten „Seminars" eher gefördert als gestört würde, so bietet auch das bereits vorliegende Statut, selbst wenn es als endgültig festgestellt angesehen werden müßte, keinerlei Anlaß, unseren Antrag zurückzuweisen, vielmehr find-n wir in der Zulassung von „Privatdocenten" (8 18) und von „Hospitanten" E 27) schon Bestimmungen, die der Gründung des «Seminars erleichternd zu Gute kommen könnten, und glauben, daß die unter 2 un eres Antrages gewünschte Commission daS vorliegende Statut, ohne dasselbe irgendwie zu alteriren, durch einen „Anhang" unser« Antrag entsprechend, ergänzen und erweitern könnte. Weferale über die der e steu israelitische« Synode zu Leipzig überreichteu Anträge. (Berlin. Louis Gerschel 1871.) (Schluß.) Mischehen werden nicht als in unsrer Zeit vom Judenthum verpönt bezeichnet, aber doch werden