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Der israelitische Lehrer · 1871-04-12 · 15 (12.4.1871) · p. Seite 117

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
15 (12.4.1871)
Date
1871-04-12
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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117 — Kechuba übcrstüssig geworden ist. Es wäre demnach hier nicht nöchig gewesen, auf R. Gerschom hinzuwe>sen. der die willkürliche und erzwungene Ehescheidung aufgehoben hak. wogegen die Frau durch die Kechuba in etwa geschützt werden sollte. Wir benützen die Kechuba als Legitimation für die vollzogene religiöse Trauung. (Schluß folgt.) Wochenbericht. Bon der Strecke Eölu-Mindeu. (Erwiderung.) Die in Nr. 12 Ihres geschätzten Blattes erwähnte Lehrer* Conferenz in Ahlen war eine „vertrauliche", die, wie alljährlich, zu Weihnachten oder roun einen Kreis von altbekannten, in allen Verhältnissen eng zusammeostehenden Lehrern vereinte. Diesmal hat diese Special-Conferenz einen Punkt von allgemeinster Bedeutung in Anregung gebracht, und zwar betrifft eS-die Einberufung im Amte stehender iSrael. Elementar - und ReligionSlehrer, wodurch sowohl der GotteSmenst, als auch der Schulunterricht in den jüdischen Gemeinden empfindlich geschädigt wird. Die Mobilmachung soll keine Störung des Unterrichts in christl. Schulen noch des christl. CultuS herbeiführen, und wurden christl. Lehrer vielfach von den Regierungen von vornherein reclamirt. Wir erwogen daher, was gegen diese Bengchtheiligung deS Israel. Gemeinde- und SchullebenS zu thun sei und beschlossen, in Verbindung mit Herrn vr. Philiphson, der diesen Gegenstand schon 1866 zur Sprache gebracht, seiner Zeit die nöthigen Schritte zu thun. Zweitens wurde die Lesebuch-Frage in Bezug auf unsere Schulen besprochen. Eine Commission (Treu in Münster, Leiser in Rheine, Kaufmann in Ahlen) übernahm «S, die Lesebücher von Lüben, Horwitz, Jacob! und Andern zu prüfen, und falls sich keines für unsere Schulen empfehle, einen Plan zur Umarbeitung eines derselbeir, resp. zu einem neuen Lesebuche für jüd. Schulen zu entwerfen und einer künftigen Conferenz vorzulegen. — Die Berichterstattung über die Conferenz wurde zwei Mitgliedern übertragen und ist jedenfalls aus Versehen dem „Israel. Lehrer" keine Mittheilung geworden; absichtlich ist es nicht unterblieben, da man den Bestrebungen des „Israel. Lehrer" | und der Achawa alle Anerkennung zollte. So hat > denn jene Anfrage das Gute, daß hiermit das Der- > säumte nachgeholt wird. Die Anfrage aber hat unS ' einerseits erfreut, anderseits hat sie unser tiefes Bedauern hervorgerufen. Wir freuen uns zu erfahren, daß der Fragesteller eS „aufrichtig mit de« Lehrerstande meint", und müssen eS darum um so tiefer bedauern, daß derselbe die Rhein.-Westph. Conferenz, die doch alljährlich stattfindet und wozu di« Einladung an Lehrer und Lehrer» freunde durch verschiedene Zeitungen erfolgt, noch niemals besucht hat, nicht einmal in Münster, obgleich M. nicht weiter von Camm ist als Ahlen. Wir bedauern eS ferner, daß ein Lehrer, der eS „aufrichtig mit dem.Lehrerstande meint", bi« dabin an all' unfern Bestrebungen noch niemals Theil genommen, und den College», selbst den nächsten Nachbarn, so völlig fremd geblieben. Wir freuen un«, daß der Fragesteller ein so treues Mitglied der „Achawa" ist, eines Vereins, der mit unS gleiche Bestrebungen hat und dem viele unserer Freunde angehören; bedauern aber wiederum sehr den häßlichen Verdacht des Fragestellers, dem er gar die Wahrscheinlichkeit gibt, als wollten wir Mitglieder der „Achawa" ausschließen. Eine solche niedrige Unterschiebung ist von einem „öffentl. Lehrer, Prediger:c." etwas unschön — wenn nicht mehr, und wir mnzzen fast bezweifeln, daß der Herr College eS diesmal gut gemeint. Freudig reichen wir Kollegen, die eS gut und brav meinen, die Hand und freudig schließen wir sie in unser Herz und unsere Gemeinschaft ein, so sie nur den guten Willen zeigen, sich uns anzufchließen; aufdrängen aber werden wir unS Niemanden. (Schön und gut; und damit fei die Geschichte abgemacht; wir bemerken die« alsbald zur Bermeiduug von unnützen Weiterungen. Redaction.) Mannheim Bei der Entsendung unseres Reichstags-Abgeordneten gab es Festmahl und Toaste. Von speciellem Interesse war der Toast des Pfarrer« Schellenberg, welcher unter allgemeiner Zustimmung zum Proteste gegen den bekannten Erlaß des Preußischen Oberkirchenraths aufforderte, den er als im Widerspruch mit Gesittung, Bildung und Menschenliebe bezeichnete. Der Süden wird helfen! Donaufürftenthümer. Dem „R. Wiener Tagebl." schrtibt man aus BaziaS von einer am 27. v. M. veranstalteten Christenprobe: „Als gestern das Passagierschiff in Turn - Severin landete, stieg unter ßen Paffagieren auch ein Grieche in Begleitung eines dreijährigen Märchens an'S Ufer. Die daselbst angesammelte Volksmenge stürzte fich auf den Ruf: „Der Jud will das Christenkind entführen und zu Ostern schlachten, um Christ'nblut zu bekommen," über den Griechen her und drohte ihn zu lynchen.

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