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Der israelitische Lehrer · 1871-04-05 · 14 (5.4.1871) · p. Seite 110

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
14 (5.4.1871)
Date
1871-04-05
Page
Seite 110 (sequence 6)
Language
German
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— 110 - Talent. Zen/e von Ersterem geben mehrere hrrauSgegebene Werke. Er war fleißiger Mitarbeiter am Mryer'jchen EonversatiodSlexikon, sewi« an mehreren Zeitschriften, wie: daS Füllborn, Z. d. Zudenthum-, Nürnberger korresponbent, Dvrfzeiiung u. s. w. ErwähnenSwnth sind viele Gelegenheitsgedichte, di« er bei Lehrerversammlungen und Lehrrrsesten (1846 bei Pestalozzi's Sacular-GeburtSfeier: „ES lebe Pestalozzi'« Geist rc., »der Geist der Humanität") veröffentlichte und die sei» Talent in dieser Hinsicht bezeugen. Namentlich war er bei Jubiläen seines -reiseder Verfaffer der Festgedichte. Eiter hat er eine schöne Sammlung verschiedener Gedickte im Manuskripte hinNrloffrn, Welte vielleicht durch seine'Herren Söhne heraus gegeben den dürften. Seit Jahren brustleidend, lrbte er seinem Berufe doch immer mit Hingebung, und war ein wackerer Kämpfer für die Gleichberechtigung seiner Glaubensgenossen. Von diesem Geiste beseelt, schrieb | er in den 30«r Jahren eine Denkschrift, die den daj maligen Ständen de- Landevorgrlegt wurde, mit! dem Motto: »Stellet mich Euch gleit, und sebe», ob ich Euch gleiche." Diese Verdienste hob der Redner am Grabe, Herr Landesrabb. Or. Dreifuß, und mit Recht auch den edlen,, offenen, geraden und rechtlichen Charakter Steinhard« hervor. 1869 besudle Steinhard auS freiem Antriebe die Synode zu Leipzig, und ward später vom Präsidenten »erselben, Herrn Prosrffor Lazarus au- Berlin, ersucht, in die Eommissionfür die Schulsrogr zu treten, was er jedoch, au-Gesundheitsrücksichten, ablednte. Steinhardhinteriieß seine Gattin und 5, tbeilö für die Wiffenstaft. theils für das merkantilische Fat, vorzügl'ck auSgrbildete Söhne. (Wir können nicht umhin, auch unsrerseits dem wackeren Kämpfer ein »Ruhe sanft" nachzurufen: r«dr 7p 72N.: Wieder einer bin von jener alt.n Garde, die mit tüchtigem hebräischen und allgemeinen Wiffen ausgerüstet, durck, rüstige Strebsamkeit sich Babn brach, und 'ihrem aus from-; wem Herzen kommenden Berufe, dem Fortschritte de« Judenthnms, der freien Avffaffung desselben bei wärmster Anhänglichkeit für dasselbe, mit Hingebung diente. | Es waren Männer, dje die Geschichte einst mit \ der Bezeichnung »Die Lehrer der aufstrebenden Periode" ehren wird. Wir kannten mehrere von fast gleicher Individualität, Männer von rüstiger Geistessriscke und «armem Herzen bis an ihr Lebensende: Elsässer, Sulzbacher, Steinhard a. A. Welcherstrebende Lehrer konnte in Eure nun erstorbenen Augen! blicken, ohne Euch zu lieben und den Tag zu segnen, der ihn mit Euch zusammensührte? Ja, die alte Garde i ist abgetreten; sie gibt nach und nach immer mehr! die Wacheposlen auf, die sie so lange und treu inne hatte! Wo aber ist die Ablösung? J Wo eS GeisteSkämpfe gab, da'trafen wir Steinhard. Zum erste» Male in Frankfurt a. M. bei der deutfche« Lehrer Versammlung 1857. Wir besitzen ein Gedicht, daS er zu diesem Lehrerfeste drucken lieh. Am Sabbat Morgen besuchten wir zusammen den Gottesdienst, und da die Stein'sch« Synagoge noch nicht geöffnet war, gingen wir eir stweilm in die Hirsck'scke. Wirwollten in die Bänke treten. »Besetz I" hieß eS da. Wir traten in de» Gang; »Hier muß eS frei bleiben," sagte der Diener — —. Der Ehor begann, an seiner Spitze stand der Kapellmeister — mit dem »Taktsti ck." „Das ist nun orthodox," sagte der selige S. »an die Kirche erinnert es wohl nicht, aber-an da« Theater. — Wir trafen ihn wieder bei der allg. d. Lehrerver- 'ammlung in Mannheim und bei der Synode in Leipzig. Hier brachte er einen Antrag gegen den »Trop" (die Recinah bei der Toravorlrsung) ein, der einsiimmig angenommen wurde. Auch in dm früheren Jahrgängen dieser Zeitschrift finden sich einige feiner Gedichte, Mittheiluvgen und Recensionen. Wenn wir nicht irren, schrieb er rin größere«, zweibändiges Werk über »den Volksgeist in Deutschland." Immer frisch, immer strebend, immer beiter — obwohl stets leidend. Möge cs seines Gleiü en stelS Viele geben. Redaction. Bayer», im März. Bei der am 24. d. im Wahlkreis AnSbach-Schwabach stattgehabtm Nachwahl e.nes ReichStagSmitglied ist Herr Frankenburger in Nürnberg *) in Folge einer Agitation, die im ultramontanen Altboyern nur ihres Gleichen haben mag, mit 6453 Stimmen in der Minderheit geblieben. Nicht einmal die Mehrheit der Juten, zu ihrer Schande sei es gesagt, konnte sich dazu erheben, ihre, wenn auch nicht Ausschlag gebenden Stimmen^ auf ihn zu vereinigen. So werden wir Bayern keinen unseres GlaubeuS in Berlin lagen sehen. Wenn aber auch an traurigen Erfahrungen reicher, sind wir darum nicht minder auf unser gutes Recht bauend, denn des Reichsgesetz über d'e Gleichberechtigung der Consessionen ist bereits von Bayern zur Ausführung angenommen. Wird die Gleichberechtigung auch die kirchliche in sich schließen? Mit ihr würde ein Großes sich vollziehen. — Dem sichern Vernehmen nack ging unser Justizminister damit um, das in unserm vorigen Berichte wiederholt beklagte Princip zu brechen und einen RechtScandidalen jüdischen Glaubens im äußern Dienst und zwar als Asieffor anzustellen; aber sie wollen Alle, auch wenn sie schon reich sind, Advocaten werden! DaS wird jedoch in Folge unsrer neuen Gesetzgebung, *) Seine eigene, die national-liberale d. i. bayrische Fortschrittspartei soll ihm ihre Stimmen gerade wegen seiner Eigenschaft als Jude entzogen haben? Redaction.

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