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Der israelitische Lehrer · 1871-04-05 · 14 (5.4.1871) · p. Seite 109

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
14 (5.4.1871)
Date
1871-04-05
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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109 — Eine andere Frage liegt aber nahe, nämlich die, warum denn die übrigen CommissionSmitglieder sich über meinen Antrag nicht geäußert haben? Ich vermuthe, darauf antworten zu dürfen: Weil er ihnen gar nicht Vorgelegen hat. ES scheint aämlich die Circulation der einzelnen Anträge unter den Mitgliedern der betreffenden Commissionen Behufs Abgabe ihres Votums nicht feststehende Regel gewesen zu sein, wenigsten« nicht in der Unterrichts-Commission. Mir ist nämlich von allen den in dem Buche deS Herrn Dr. Aub zus ammeng «stellten Anträgen der Schulcommission nicht ein einziger zugegan gen, und ich schließe nun: wie die Anträge nicht allen Mitgliedern der Commission Vorgelegen, so werden eben auch nicht alle Anträge Vorgelegen haben, und dieses ist dmn möglicherweise da« Schicksal de« meinigen gewesen. Ueber diese und andere Fragen wird man ja wohl, wenn nicht früher, doch spätesten« in der Synode selbst Aufschluß erhalten können. (Wir bringen den Antrag des Herrn Blumenau und die Motive dazu demnächst. Red.) Crwilte, 20 März. Heute ist der Lehrer Rosenberg in Büren beerdigt worden. Um ihm dit letzte Ehre zu erzeigen, hatten sich die Collegen Mandel aus Lippstadt, Kronenberg aus Gesecke, Maier au« Salzkotten, Echindeler aus Ruthen, Neustädter au« Brilvn und der Referent eingefunden. Ein recht zahlreicher Zug aus allen Confefsionen folgte der Leiche zum Friedhofe. Hier sprach zunächst der vom Vorstande darum ersuchte, ehemalige Mitschüler und spätere Freund des Verstorbenen, College Neustädter. Seine Rede würden wir schön, ja vortrefflich nennen, wenn sie nicht auf dem Friedhofe gehalten worden; hier können wir ihr diese« Prädicat nicht beilegen. Wir sind mit Neustädter persönlich befreundet und wisien, daß derselbe, ein tüchtiger College, höheren Anforderungen zu entsprechen vermag. Darum aber auch stehen wir nicht an, hier über diese Rede einige Bemerkungen zu machen, die nicht der Person, sondern nur der Sache gelten. Die Rede war durchdrungen, wenn wenn wir unS so ausdrücken dürfen, von dem materiellsten SpinozismuS; dieser aber behagt am offenen Grabe des Freundes dem tieffühlenden jüdischen Herzen nicht, weil eine Unsterblichkeit, die nur in der Fortdauer des Namens besteht und daher bei 99 Procent der Gesammtmenschheit nur die Dauer von zwei Generationen, also nur einige Dezennien umspannt, keine Unsterblichkeit genannt zu werden verdient, keine Unsterblichkeit ist im Sinne jüdischer Religionsanschauung. Wie traurig, wenn nur dir Dichter von GotteS Gnaden und die unumschränkten Herrscher im Reiche des Gedankens durch ihre unsterblichen Werke ihrem Namen.bei der denkenden Nachwelt eine längere Unsterblichkeit verschaffen können, währmd, da ihr« Zahl nur äußerst gering wäre, die übrig« Menschheit gar nicht unsterblich ist! DaS unendliche Fortexistirea des Stoffe« durch die Metamorphose wird in der Regel al« ein Beweis für die Unsterblichkeit der * Seele angeführt, ist aber die Unsterblichkeit eben so wenig, als Stoff und Seele identische Begriffe sind. Eine Rede von solchem Inhalte, wie gediegen sie auch immerhin in der Form sein mag, verfehlt am offenen Grabe des Eindrucks, läßt kalt und bringt bei dm einsichtsvollen Gläubigen anderer Confesiionen in con» fesstonell scharf ausgeprägten Gegenden von der Lehre de« ZudenthumS nicht die beste Meinung hervor. Darum eben aber auch konnten wir diese Bemerkungen grade einem Neustädter gegenüber nicht unterdrücken; gegen schwächere Collegen würden wir geschwiegen haben. — Dann sprach der Onkel de« Verstorbenen, College Maier aus Salzkotten gefühlvolle, aus dem Herzen kommende, den Umständen angemeffene Worte, indem er' dem Schmerz, durch das Hinscheiden des hoffnungsvollen Neffen verursacht, würdigen Ausdruck verlieh und das harmonische Perhältniß zwischen Lehrer und Gemeinde — diese zählt zu den nobelsten WestphalenS — gebührend bervorhob. — College Rosenberg, aus Lünen an der Lippe gebürtig, in Münster ausgebildet, hat nur ein Alter von 26 Jahren erreicht, wovon sieben von seiner beruflichen praktischen Lehrerthäigkeit in den Gemeinden Wünnenberg und Büren auSgefüllt wurden. HLir persönlich haben dem Verstorbenen nicht nahe gestanden, haben aber über seine Person, die ein sehr gefälliges Aeußere auszeichnete, und seine Leistungen nur Lobei.SwertheS in Erfahrung gebracht. Er ruhe in Frieden. R. Wo lfsdorf. Aus dem Herzogthum Meiningen, Ende März. Am 13. d. M. gaben die isr. Lehrer Meiningens ihrem ehemaligen Seminarlehrer und nachmaligen Collegen Salomon Steinhard zu Hilburghausen das Geleite zur Grabesruhe und riefen ihm aus tiefster Seele ein „Ruhe sanft" nach. S. Steinhard, 1808 zu Walldorf bei Meiningen geboren, war von Jugend ( auf mit ehlen Geistesgaben ausgerüstet. Seine Ausbildung im Hebräischm erhielt er auf der damaligen jüdischen Hochschule ( Heschiba) zu Fürth und als Lehrer auf dem damaligen Schullehrer-Seminar zu Meiningen. Von da kam er als Lehrer nach Hildburghausen, woselbst er 43 Jahre als Religionelehrer an der isr. Schule und in gleicher Eigenschaft, von 1836 an, am dortigen Schullehrer-Seminar wirkte, indem er den dasselbe besuchenden isr. Zöglingen Unterricht in den isr. Religionsgegenständen ertheilte. Er hatte ein allgemein anerkanntes, gutes Schriftsteller- und Dichter-

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