Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 14 (5.4.1871)
- Date
- 1871-04-05
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 108 Wirrwarr nicht vergessen werden dürfen, aufmerksam machen. Indessen veröffentlicht die „Israel. Wochenschrift" ein« Antwort, welche Herr Peixotto, der mehrmals erwähnte aordamerikanische Konsul, auf eine an ihn gerichtete BegrüßungSadreste rumänischer Juden, gegeben; sie lautet: Consnlate of the United States of America kor Boomania. Bukarest, den 8.März 1871 (5631). Hochgeehrter Rabbi! Ich erhielt Ihren und der Vertreter Ihrer Gemeinde warmen, zu großmüthigen, zu guten, zu freundlichen, zu schmeichelhaften Gruß de- Willkommens in diesem Lande — Ihrem Land Rumänien, denn es ist Ihres, trotz einer Euch enterbenden Constitution und der Gesetze, die Euch zu PariaS zu stempeln suchen Don Herzen danke ich Ihnen für Ihren Gruß, und bitte Sie zu glauben, daß ich nicht daschönste Land der Welt, dessen Institutionen von Jedermann gesegnet werden, das keinen Unterschied nach Geburt oder Religion macht, eine Heimath der Freude und deS Wohlseins verlassen habe, um hierher, in dies Ihr zweites Egypten ohne bestimmten Zweck zu kommen; jener Zweck ist aber Ihre Besteiung, Ihre Emancipation, Ihre Erlösung. Sie fragen mich, waS Sie für mich thun könne»?-Ich antworte: Beobachtet die Gesetze, so lange sie bestehen; sie werden nur kurze Zeit noch existiren, und bald wird unter dem Segen des Gottes Israels Freiheit Euch leuchten. Geduld, die erhabene Tugend, ist allein nothwendig, und Zeit. Webt mir diese und Eure unterstützende Hand, und unsere Arbeit wird nicht vergeblich sein. Inzwischen machen Sie mich mit Ihren besonderen Leiden bekannt, damit meine Seele sich mit noch mehr -rast zum Kampfe, den ich Ihretwegen unternehme, sich umgürte. Ich könntemehr sagen, aber Worte sind leer. Wir leben in Thaten, nicht in Worten! Ich bitte Euch Alle, Euch zu erinnern, welche stolze Erbschaft uns von Israel geblieben l . . Seid stolz. Lastet alle Israeliten ihre Häupter erheben, ihre Augen gen Himmel .richten und als frei« Menschen rinhrrgehen! Keine That soll unfern reinen! Namen bestecken. Bewahrt ihn rein und lastet ihn! immer reiner werden. Aufrichtig, . ehrlichtugendhaft, wohlthätig und verzeihend! Das sind die starken Waffen^ die uns den Weg. zur Freiheit bahnen sollen. Als in alter Zeit Israel zum Verderben verurtheilt war, da gab Gott einen Mordechai und eine Esther, Israel wurde Befreit und erhalten. Wir feiern jetzt dieses frohe Purim-Fest; in dieser Zeit sind unsere Herzen dankbar für die Erinnerungen der Vergangenheit und vertrauend in die Gunst der Zukunft. Möge der nächste Jahrestag diese» glücklichen Festes Euch in Rumänien die Gnade bringen, welche unseren Vorfahren zu Theil wurde. Ich bitte Sie Alle, meine herzlichsten Sympathien entgegen zu nehmen und zu glauben, daß ich bin Ihr tteuer Bruder Benjamin F. Peixotto. Bielefeld, 27. März. In Nr. 12 des „Jsr. Lehrer" haben Sie, geehrter Hr. Redakteur, bei Gelegenheit der Besprechung der Referate über die der Synode überreichten Anträge die Frage aufgeworfen: „Warum ist Blumenau'S Referat allein nicht gedruckt, während sonst Alles gedruckt wurde?" Sie übersehen aber, daß Herrvr. Aub auf Seite 107 seiner Zusammenstellung - der Referate selbst auf Ihre Frage Antwort gibt, indem er sagt: „Da die übrigen CommissionSmitglieder über diesen Antrag sich nicht äußern, so glauben wir, die von dem Herrn Antragsteller ausgeführte Motivirung füglich noch ungedruckt zu lasten, da Herr Blumenau die Motive in der Synode begründen kann und wird." Ich meine freilich, daß Herr vr. Aub auch, ohne geger die Gesetze der Logik zu verstoßen, also hätte schließen dürfen: „Da die übrigen CommisstonSmitglieder über diesen Antrag sich nicht äußern, ich selbst „mir nicht herausnehmen darf, mein eigenes Votum hierherzusetzen, da ich nicht Mitglied der Unterrichts-Commission bin" (siehe daselbst 118 der Referate) — so will ich die Motive zu dem Anträge erst recht abdrucken lasten, damit ein Jeder sich sein Urtheil bilden könne, und eine so hochwichtige Frage nicht völlig unvorbereitet vor die Synode trete!" - Herr Dr. A. hat die Sache für so erheblich nicht gehalten, und ich erlaube mir daher, Ihnen * die Motive zur Kenntnißnahme und beliebigen Benutzung hierbei zu übersenden, wobei ich jedoch bemerke, daß ich keineswegs glaube, mit der event. Annahme meines Anttage» sei der Sache der Seminarien genug geschehen. Vielmehr kam eS mir zunächst darauf an, die Frage überhaupt wach zu halten und von der „Hochschule", *) deren Bedeutung ich übrigens keineswegs unterschätze, nicht ganz und gar in den Hintergrund drängen zu lasten, sowie auch von den für die Hochschule zusammenfließenden Kapitalien einen Theil für Schulzwecke von vornherein bestimmt zu sehen. Ich würde also den Anttägen auf Erweiterung der bestehenden oder Errichtung von neuen Seminarien, wenn zweckmäßig begonnen, ebenfalls zustimmea. *) Wir fürchten.? Red.