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Der israelitische Lehrer · 1871-04-05 · 14 (5.4.1871) · p. Seite 107

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
14 (5.4.1871)
Date
1871-04-05
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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107 — aufgutrrttn. Nickt aber blo« vom rechtlichen und sittlichen, auch vom psychologischen Standpunkte dürste r« sich nicht rechtfertigen, im Momente der Trauung das Weib zu nöthigey, au« ihrer Zurückgezogenheit in die O«ffrntlichklit zu treten. Auch wäre e« hier vom Uebel, in solchen Füllen die Willkür walten zu lassen, statt der strengen Form de« Gesetze«, indem man nach Belieben die Ringe da« eine M«l wechseln ließe, de« andre Mal nicht. Tom rabbinischen Standpunkte wäre freilich da« Wechseln zulässig, denn selbst dieser Hot da« Princip der Erwerbung fallen lassin, wa« nicht in ollen Gutachten streng beachtet worden ist. Die Trauung durch einen werthlosen Geg-nstand (nvi^v ri'v,) die Bestio mung eine« Ringe«'behuf« der Trauung, ja die Entbehrlichkeit nnk«,solckcn und die Ersetzung destelben durch einen ideellen Genuß (E. H. 27,9), die Nothwendigkeit einer ehelichen Erklärung (m’Et«) — die« Alle« löst'den Geg-nstard cl« nebensächlich erkennen urd gibt 'km rur den Ctorotier de« Symbol«, ober nicht de« Kouswerthe«. E« ist also überflüssig, der antiquirten Idee von der Erwerbung de« Weite« durck dos Wechseln der Ringe entgegenzutre- 17N. Da« Zugeständnis de« Weibe« muß aber eruirt werden. E« genügt nicht, sich auf die vorhergehende Berleburg oder die Accepiation de« Ringe« zu berufen. Dir Erfahrung lehrt, daß Zwang und Gewalt hier trotzdem nicht ausgeschlossen sind. Jndeß genügt hier ein den Ohren de« Rabbiner« und der TrauungSzeugen deutliche« „Ja* al« Antwort auf die bezüglichen Fragen. (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. Ingelheim, 30. März. Inmitten der furchtbaren Leiden, von welchen unser westliche« Nachbarland heimge.ucht wird, findet eine Revolution an der unteren Donau, in dem Lande, da« in der jüdischen Geschichte der neuen Zeit eine so traurige Berühmtheit erlangt hat, eine geringere Beachtung, al« sie verdiente. Rumänien ist wieder einmal einer jener gewaltsamen Umwälzungen nahe, v elcko dort rock öster sind al« in Frankreich, dort aber eben leider nicht die mit Unglück und Verderben bedrohen, die e« verdienen, sondern gewöhnlich die Unschuldigen, — die FremdenI Während der jüngsten Jahre warm e« die Juden, welche da« Unglück de« Landes sollten verschuldet haben, jetzt — sonderbar I — sind r« die Deutschen, und ein rumänischer Abgeordneter scheut sich nicht, in der Kammer anSzurufen: die ganze rumänische Nation sei feindselig gegen da« deutsche Volk gesinntl Und da« zu einer Zeit, wo die« deutsche Völk noch kaum die Siegesfeier beschlvstm hat nach einem unvergleichlichen und beispiellos glorreichen Feldzuge. Und ein Prinz de« mächtigen deutschen Kaiserhauses, der Bruder desjenigen, der die angebliche doch unschuldige Veranlassung de« neuesten. Krieges war, fitzt noch auf dem wankenden rumänischen Fürstenthron! Es liegt fast eineGenugthuung für die deutschen Israeliten in. dem Bewußtsein, daß sich jetzt eine gewisie Solidakität der Jnteresien zwischen Deutschen und Juden, zwischen „Prinz und Kaufmann* herau«stellt, währmd in der Epoche der grausamen Mißhandlungen der Juden Rumänien« die deutschen Regierungen und an ihrer Spitze Preußen nur so sehr'schwächliche Verwahrungen, kein kräftige« Wort und dvrckau« keine kräftige That hatten, um die unglücklichen Unterdrückten zu schühm! Wären wir jetzt nur nicht doppelt betheiligt, al«Deutsche und als Jöraelitm, wir könnten uns darüber freuen, daß den Regierungen jetzt ein 'anderes Licht leuchten muß! Die sog. rumänische Nation ist keine Nation; sie ist eine zusammmgewürfelte Mensckenmaffe, deren Zusammensetzung schon den Keim politischen und sittlichen Zerfalls in sich tragm würde, wenn nicht das durch und durch faule Bajarenthum, die steten Rivalitäten und Aufreizungen Rußland« und der, Türkei, es zum Spielball der Jntriguen für den AuSwurf aller Länder machte. Man lese darüber eingehmde und interessante Reiseberichte in „Westrrmann'S Monatshefte*, in „Aus allen Welttheilen* u. a. a. O., welche eine so bodenlose Unsittlichkeit und Unfläthigkeit der „Rumänen* dokumentiren, daß die« schon allein hinreichen würde, die Bemühungen um Aufrichtung diese« Volke« zu Nichte zu machen. Hoffentlich wird der nunmehrige Zustand Aufklärung und den Juden dadurch Ruhe bringen. Ein Korrespondent in der „JSr. Wochenschrift* schildert die fortdauernden Leiden der Juden Rumäniens und fragt dabei: „Wo ist dieAllrance? Wo?* Wir wissen, daß das Central-Comitö der Alliance in diesem Augenblicke leider noch immer zur Unthätigkeit verdammt ist; wir wisien aber auch, daß gerade Cremieux al« Vertreter der Alliance die Eabinette auf di« rumänischen Verhältniste aufmerksam machte, daß er! selbst dahin reiste und daß Rumänien vor Allen die stete Thätigkeit der Alliance in politischer Hinsicht in Anspruch nahm. Wir wollen hoffen, daß die rumän. Juden durch ihre Thätigkeit für die Jntereflen der Alliance, durch tüchtige Organisation, die Alliance in den Stand setzen, beharrlich den Weg zu gehen, der zum-endlichen Siege führen muß. Einstweilen könnten freilich die Eomitö« in Berlin, Wien und Pest dieRegierungm auf die dortigen Judenverhältniffe, die in dem allgemeinen

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