Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 13 (29.3.1871)
- Date
- 1871-03-29
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
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— 103 vielleicht anchzu erziehen, wird zuerst dir ungerechte «ch »«rietzende Verordnung des Kaiser« RirSlai über die russisch-polnische Kleidertracht der Jude« mit alter Streng« in Ausführung gebracht, welch« den Juden die vermeintlich religiöse Tracht verbietet und sie mit Geld- und Gefängnißftrafcn zwingen will, fich »adern und rufsifch zu kleiden. " Dir Kopfbedeckung der Frauen hat, wenn auch einen nationale« Ursprung, dach jetzt «ehr einen sittlich-religiösen Anklang. Trotzdet» werde» die Rabbiner streng und schwer bestraft, wAche ei» Braut in der gewdhnten, religiösen Kopfbedeckung trauen. Wie aber in diesen Dingen traditionell« Anschauungen sich farterb.en und forterbalten, sehen wir an dem selbst modernen Brautschleier, der ebenfall« nur in den Auschannngea der Vorzeit begründet ist, für unsre Zeit aber bedeutungs-, oder' doch zwecklos geworden tst. Wir geben zu, daß die Kleidertracht der rusfisch-polnischen Inden veraltet; aber durch äußern Zwang wird man nimmermehr den gewünschten nationalen Anschluß erzielen, sondern »ur durch innere Erziehung de«. Menschen. Thörickt ist e« überhaupt mit solchen Außendingen, wie die Kleidung, zu beginnen. Ist der Bauer im Frack denn ein Edelmann? Ebensowenig ist der Zude ohne Kaftan ein Russe. Amerika. Es geht doch nichts über ein freie« Land. Wir haben hier nicht blo« gegen die Angriffe de« Ehristentbums uns nicht zu verthei oigen; Juden treteu hier offen als die Bngreifenden auf. ES ist die« ei» wissenschaftlicher Kampf, von dem die politischen und socialen DerhäUnisse eher voriheilhast als «achtheilig berührt werden. .Rabbiner Or. Wise hat nämlich nicht blo« über da» Christenthum und sein BerhSltniß zum Judenthum geschrieben; solche Werke dringen, nicht in die Maffe deS Volk«; um seine Ideen recht populärzu macken, hält er jetzt Wandervorträge über da« bezeichnet? Thema aud findet bei Christen wie Juden sowohl Tbnlnahme wie Anerkennung. Welche Maßregel würde hiergegen wohl der preuß. Oberkirchenroth ergreifen? Die amerikauiiche Regierung läßt die Geister ungestört auf einander platzen. Sie denkt mit Recht: So werde« Helle and lichtvolle Geistesfunken sprühen. Ke« il ((ton. Aer Airein dentsch« ^ehrerinne» «uö Erzieherinnen in Aertin. In einer Stadt wie Berlin, wo die mannigfachsten Bestrebungen zu Tage treten und gefördert wer« dev, wo Fach« und Studjengenosfen aller Arten in der Vereinigung die Hebung ihrer Interessen suchen. — da fehlte t» neben so vielen Vereinen von Lehrern bis vor nicht zu langer Zeit noch an einem Verein für Lehrerinnen Kein Ort birgt aber gerade hierzu mehr Element?, >«sis die Hauptstadt Rorddemfchland», welche ak« die eigentliche HeimathSstätte de« Lehrerinnenthums anzusehen ist. Für olle Fächer in den Schulwiffenschasten, für Musik und Zeichnen, von allen Eonfessioaen «erden jährlich «ine große Anzahl Dame« vorbereitet und vorschriftsmäßig geprüft. - Mit. dieser Prüfung hört aber die Verbindung der Lehrerinnen mit Fachgenosien fast ganz auf, so daß, wenn sie nicht in «ine Schulthätigkeit eintreten, ihre pädagogischen und methodische« Erfahrungen sich nur auf das beschränke«, was ihnen durch ihre eigene Wirksamkeit oder durch die Lectüre von Fachjeurnalen zugesührt wird. Am wenigsten Gelegenheit zum Austausch ihrer Meinungen hatten aber, wie dies ja leider auch auf anderen Gebieten war, unsere GlaubenSgenossinnen, welchen überhaupt die Thätigkeit in Schulen fast gänzllch verschlossen war. da die Zahl der Vorsteher von Privatschulen sehr gering ist, welche sich zur Anstellung von Jüdinnen entschließen, und die jüdische Gemeinde in Berlin noch nicht fest allzulanger'Zeit in die Praxis eingetreten ist, auch weibsiche Lehrkräfte, außer für Handarbeiten, zu beschäftigen. Erst im Jahre >859 strlltt sie die erste ordentliche Lehrerin an, nachdem diese schon längere Zeit an christlichen Schulen unterrichtet und sich im Kampfe mit dem, durch seine nltramontane Richtung bekannten und al« Verfaffer der Leokadie vermtheitten und deshalb versetzten Pastor Steffann das Recht vom^ Unterrichts- Ministerium hierzu förmlich errungen hatte. Nach und nach wurden noch drei andere Lehrerinnen angeftellt, welche sich aber, trotz ihrer etwas befferen pekuniären Verhältnisse, in. ihrer Stellung ziemlich isolirt fühlen mußten, da nur wenig Gelegenheit zur Vermehrung ihrer pädagogischen Kenntnisse von außen her geboten war. Sie begrüßte» daher mit besonderer Freude die 18. allgemeine drulsche Lehrerversammlung, welche, wie bekannt, in Berlin tagte Und ihnen zum ersten Male die Möglichkeit eröffnete, an den D «Handlungen und Besprechungen von Fachgenoffen Theil zu nehmen. Noch nie war überhaupt «ine Lehrerversammlung von so vielen Lehrerinnen besucht gewesen, wie diese achtzehnte, zu welcher, eben weil sie in Berlin stattfand, diese Stadt den stärksten Eontingent lieferte. Auch von auswärts waren viele Colleginnen erschienen und die rühmlichst bekannte Fräul. Marie Calm aoS Kaffek^lmd Fräul. Auguste Schmidt aus Leipzig forderten die in Berlin wohnhaften Lehrerinnen auf, diese Versammlungen von Fachgrnosstnnea nicht mit der Lehrerversammlung aufhören zu