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Der israelitische Lehrer · 1871-03-29 · 13 (29.3.1871) · p. Seite 101

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
13 (29.3.1871)
Date
1871-03-29
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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richtet der Taunusbote: Unter den Hamburgern, welch« die AuSzetchnnng des eisernen Kreuzeerhalten haben, gehört «ach brieflicher Mittheilung auch der Einjährig« bei den Husaren, Joseph Bing«. Nachdem daschriftliche Examen der diesjährigen Abiturienten der hiesigen Realschule, am 20. Februar cur. beginnend, 8 Tage lang fortgesetzt worden war, wurde gestern die Abgang-Prüfung mit dem mündlichen Examen zum Abschlaß gebracht. Alle 7 Schüler, di« sich gemeldet hatten. L. Stern, W. Volk, Kose! Wertheimer, Leo Holzmann. Jacob Btrkenfeld, L. Becker und H. Schick haben in demselben bestanden, und konnten diesmal di« Prädicate: „sehr gut," „recht gut," und „gut" ertheilt werden. Wenn man den Procentsatz der israelitischen Bewohner unserer Stadt mit dem der übrigen Confessionen vergleicht, so muß «S im böchstrn Grade auffällig erscheinen, daß unter d-n 6 Abiturienten, welche der Stadtgemeinde Homburg angehören, gerade die Hälfte a,S Jünglingen mosaischenBekenntniflrS besteht: ein Streben, welches den Letzteren sicherlich nicht zum Nachtheil gereichen wird! Hat die Geschichte unserer Tage immr noch nicht deutlich genug gezeigt, wie viel erworbene Intelligenz werth ist? Jedenfalls ist der Umstand wichtig genug, um einigen Stoff zum Nachdenken zu bieten! Aua der Pfalz, März. Erlauben Sie uns, Ihre Correspondenz aus Bayern in Nr. 10, deren allgemeiner Inhalt, wohl begründet ist, hinsichtlich der darin berührten pfälzischen Verhältnisse zu berichtigen. Wenn dieselbe nämlich die Anstellung des Herrn Lehrer Eisenmann in Kaiserslautern als vereinzelt hinstellt, so dürfen wir nicht verschweigen, daß bei unfern pfälzischen Behörden jene Vorurtheile, welche der Fernhaltung drr Israeliten vom Staatsdienst« zu Grunde lagen, längst beseitigt sind; indem in unserm Kreise, nicht allein Anwälte In verhältnißmäßig großer Zahl, sondern auch vier Steuereinnehmer angestellt sind, und in jüngster Zeit sogar ein JSraelite alsNotir*) ernannt wurde, welcher nach unj'rer Institution die freiwillige Gerichtsbarkeit ausübt. ' B. W. Pari- Während der Belagerung starb der Vater unser- OberrabbinrrS Zadvk Kahn, Namens Lazarus Kahn. Er erkrankte und wäre zn retten gewesen, aber er starb lieber, aldaß er sich entschlösse» hätte, Trefa zu effen. Wir nennen die» leinen Heldentodt. Selbst die Hyperorthodoxie konnte in diesem Falle ntcht zweifelhaft sein, was die Religion zur Errettung de» LehlnS gestattet, ja geboten hätte. *) UnS erscheint es doch, als sei es zwischen diesen Anstellungen und denjenigen als Richter u. Verwaltungsbeamte— BezirkSamtmann — noch rin gewaltiger Unterschied. Red. Pari-. Renan hat seine Vorlesung»« am Lollege de France wieder eröffnet. Er hat also geg« Dernburg gesiegt. Rothschild soll der Stadt Pari» die aufrrlegte» 200 Millionen Contributioa vorschußweise und zinslos angeboten hoben. Zu 8 Procent macht die» jährlich 1 Million. Wir glauben weder an die Offerte, noch an die Zurückweffung. Pari-. Die französischen Zeitungm bespreche« noch oft dir polittsche und sociale. Zurücksetzung, welche Juden und Judrnthum selbst Angesichtder jüngsten Auszeichnungen auf dem Felde der Ehre in Deutschland und besonder» Preußen erfahren. Sie zeigen" sich dabei bewandert sowohl in dem. «aS Juden dem Staate, der menschlichen Gesellschaft, der Kunst, der Wiffenschaft geleistet, wie in dem Undanke, welchen sie dafür von Fürsten und Volk geerntet. Sie hebe« auch hervor, daß in Elsaß-Lothringen hauptsächliche die jüdische Bevölkerung der Annexion abhold war, zum Beweise, daß die Juden Vaterlandsliebe haben, wenn man ihnen vergönnt, ein Vaterland zu besitzen. Es läßt sich übrigens in allen Zeiten, auch den unsrigen, Nachweisen, daß die Juden nicht einmal mit feilschendem Krämergeist« in der Vaterlandsliebe so streng und genau Leistung und Gegenleistung gegen einander abrechnen. Br," dem Ablckluß der Rechnung werden sie sich imnier in Avance besinden. Pari- Auch die neueste Nummer der Pr. isr. erzählt die Affaire von dem Rückzug jenes tapfern Häufleins französischer Soldaten in die Synagoge, welche 'verfolgt sich schließlich in dio heilige Lade flüchteten und dort, von feindlichen Kugeln durchbohrt, den Tod fanden. Es soll die« in Versailles' Statt gesunden haben. So viel wir wissen, hat hier die Kriegsfurie nicht gewüthet. *) Und Versailles ist doch Pari» so nahe, daß dem Redakteur der P. i. die Erforschung der Wahrheit rin Leichtes wäre. Dt. Petersburg. Der Kaiser hat ein Auge für die Welt und ein Herz für die Juden. Er hat die Aufmerksamkeit der Behörden aus die hingebende Betheiligung gelenkt, welch« die Inden beider streitenden Völker in dem jüngsten Kriege, wetteifernd mit den Christen, für die Sache ihre- Staatan den Tag gelegt haben; er schließt hieraus mit Recht, daß in Deutschland, wie in Frankreich die Juden sich in die modernen staatSverhältniffe rtngelebt und sich ihnen ohne naiionalle Sonderintereffen angeschloffen haben. Er wünsche eö auch so für die Juden seines Staats. Wir aber verstehen diesen wohlmeinenden Wink die russischen Behörden? Anstatt die Inden durch politisch» undsociale Gleichberechtigung zun nationalen Anschluffe zu bewegen. Einer der jüd. Feldgeistlichen hat .hier sogar in der Synagoge gepredigt. Red.

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