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Der israelitische Lehrer · 1871-03-29 · 13 (29.3.1871) · p. Seite 100

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
13 (29.3.1871)
Date
1871-03-29
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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Wirkungskreises — mögen sie im liberalen oder illiberalen Lager sich breit machen, zu scheuen; sie setzen mit ihren gehässigen, calumniatorijchen Auslassungen nur ihrer erbärmlichen Blastrtheit oder Malice unvergängliche Denkmäler, während die Geschichte über sie und ihre Thorheiten mit masestitischem Schritt und hohnlichelnd (Psalm 2, 4 ff.) zur Tagesordnung übergeht! Ist ja die Weltgeschichte „da» Weltgericht* für die Völker und ihre Großen, um wie viel mehr für die Niederen und Gemeinen unter ihnen. — Or. M. St. Oerlitt. Das Lehrpersonal des Hildesheimer'- schen Talmudinstitutist diirch Anstellung devr. Zomber erweitert worden. Freilich haben wir eS hier nicht mit einer jüdisch-theologischen Hochschule zu thun, aber doch ist sie bedeutend genug, um die Männer unserer Richtung zu beschämen, welche eS trotz des äußern EclatS von großartigen Versammlungen, Statutenherathungen, Comitöbildungen und wiberholten öfientlichen Aufrufen und Anpreißungen nicht über die ersten Anfänge zur Gründung einer jüdisch-wiffenschastsichen Hochschule gebracht hat, während die gegnerische Richtung ganz im Stillen großartige Resultate erzielt. Dafür ist diese aber durch einträchtiges, thatkräftigeS und opferwilliges Handeln characterifirt »während die „Freisinnigen* -bei den wichtigsten Fragen und Interessen in Gleichgültigkeit verharren. Kaum daß Localfragen da anregend wirken; man schließt sich in egoistischem JndifferentiSmuS gegen jedes öffentliche Gemeininteresse ab. Nur etwa noch den humanitairen Anforderungen zur Linderung einer vorübergehenden Noth lehnt man fein Ohr; aber schon weniger, wrnn eS sich um Ausdauer und Anstrengung zur radikalen Abhülfe handelt. Jüdische Wissenschaft ist aber für die Meisten eine Mopie; ja Diele werden sie ptrhorresciren. Wie soll man da für eine jüdisch wissenschaftliche Hochschule interesfiren und opfern? Hätte Geiger den seligen Fränkel nicht zu jener großartigen Stsstung veranlaßt; eS würde ja nicht einmal das Breslauer Rabbiner-Seminar bestehen,. und ganz Deutschland besäße auch nicht Ein Institut zur Ausbildung seiner Rabbiner. Daß ein solche- Seminar aber nicht einmal seinem praktischen Separatzweck, geschweige der Wissenschaft genügt, ist den Unsichtigen und Eingeweihten wohl deutlich. Um eS zu bessern,, müssen wir^von unten anfangen: mit der Bildung der Masse de» jüdischen Volks. Diese aber liegt nicht in der Hand der vereinzelten Rabbiner. sondern dir Bildung der meisten Gemeinden in derjenigen der Lehrer. -Sorgen wir also für einen gebildeten und gehobenen Lehrerstand. Gar viele Gemeinden entbehren jetzt überhaupt eine» Lehrers oder begnügen sich mit einem wandernden Pollak und dessen Chader. Für unsere erweiterten Zwecke genügt aber weder die Zahl, noch die Einrichtung der bestehenden i UO — Lehrerseminare. Dann ist die definitive Stellung, eine auskömmlich« Besoldung und eine Altersversorgung der Lehrer nothwendig In erster Reihe aber die Bildung von Stipendienfond» zur Ausbildung von Lehrern» die wir für Wissenschaft und Kunst, selbst Handwerk, aber last nirgends für Lehrer besitzen. Dieser Mangel-war mir eine der Ursachen, woran da» Lehrerseminar in Breslau zu Grunde ging. Da« Bedürfniß liegt klar vor Augen, aber nicht einmal der Leipziger Gemeindetag berührte es. Aber auch der Gemeindelag ist ein vedürfniß, und selbst diese» wird nicht befriedigt. Die Lehrer müssen uns auch hier den Weg verschaffen, wie anderSwo geschehen. Löbschütz- Unser wackerer Kämpe, Hr. B. Holländer, ist mit seiner Vertheidigung de» JudenthumS und der Juden gegen den preußischen Oberkirchenrath von der Allgemeinm Zeitung de» JudenthumS zurückgewiesen worden, hat aber willige Aufnahme beim Ha» magid gefunden. Diese hebr. Zeitung dringt zwar nicht in christliche Kreise, aber dennoch ist eS möglich, daß durch das Medium jüdischer Kreise auch christliche davon berührt werden. Denn unzweifelhaft gibt e» nock Viele unter dem gebildetm und ungebildeten christlichen Pöbel, welche sich gern an den Chorrock deS evangelischen OberkirckenrathS hängen und schreiend hinauSrufen:' „ Ja. die Juden hassen Christm und Christenthum.* In solchen Fällen kann eS nur angenehm sein, die Belegstellen für das Gegentheil sofort zur Hand zu haben. Von der andern Seite hat vr. Ph. Recht, daß zur vollständigen Abwehr de» Angriffs eine so vereinzelte Belegstelle nicht ausreichend ist; die ganze nachchristliche Literatur der Juden müßte zu diesem Zwecke durchforscht werden. Außerdem spricht sich die angezogene Stelle nicht einmal mit so großer Deu'lichkeit und Entschiedenheit au». Andere spanische Autoren, zumal Polemiker von Fach, hätten eine bessere Ausbeute geliefert. Aber, wie gesagt, die Vertheidigung darf ihre Waffen nicht ausschließlich au» der Rüstkammer der freisinnigen Philosophen der spanischen Periode holen. Jndeß wäre eS immer von Bedcutung gewesen, zu zeigen, welche gelehrte theologische Bildung auch dem jüdischen Laien eigen ist, und mit welch fteistnniger religiöser GeisteSkost das jüdische Volk genährt wird, um den Oberkirchenrath ftagen zu können: „Einem solchen Volke traut ihr finstern Religion»- und Menschenhaß zu? Suchet nicht die Wahrheit bei euch, wenn ihr selbst da» Licht unter den Scheffel stellt.* Wahrlich, man kennt weder das Judenthum noch seine Geschichte. 8!>er auch die Geschichte de» ChristenthvmS und dessen Vfrhältniß zum Judenthum scheint man vergessen zu haben. Aus Howbvrg vor der Höhe vom 15. br-

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