Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 13 (29.3.1871)
- Date
- 1871-03-29
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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pieu rühmen und denselben auch im Allgemeinen folgen, denselben Krestuuth durchaus verleugnen, sobald es sich um die Bekenner unserer Religion handelt, und dann ihre, sei «S mit der Muttermilch eingesogen«, sei e« selbst geflissentlich genährt« Varurtbeile gegen jene in bitterem Hohn, gehässiger Verdächtigung und Verleumdung zu ungescheuetem Ausdruck bringen. Ein solches Exemplar bietet jetzt in unserer Hauptstädtschm Presse mehr und mebr die unter der Leitung d,eS aus Anno 48 als demokratischer Agitator bekannten -«Selb* stehende .StaatSbürger-Zritung*, welche» ihrer sonstigen liberalen Richtung zum Trotz, in Judenfeind seligkeit mit jenen erstgenannten Organen rüstig wetteifert und auch nicht entfernt sich irgend welche Gelegenheit entgehen lägt, um in prononci^tester Tonart gegen die Judenbeit zu predigen. So eiferte sie gegen die Kinder AlbiouS, weil diese , von rein (oder besser unrein) kaufmännischen Motiven geleitet, den Franzmännern die mannigfachen Utensilien für den Krieg im reichlichsten Maaße zusübrten; — sehr wohl! wir wüsten, auch von unseren patriotischen Gefühlen und Interessen abgesehe», solch' eigennütziges Treiben eines neutralen» u»S sogar stammverwandten Volkes vom polltischen wie moralischen Gesichtspunkte aus gleichfalls höchlickst verpönen — doch ihre Pointe lliuft allein darauf hinaus: sie machen'« wie die Kinder ZSrael'S, denen ein „Profitchen" (sie!) auch über Alles geht, und die dafür Seele m.dGewistrn verschachern. Welch' neue, bei den Haaren herbeigezogene Perfidie! Mindestens ebenso schief und erzwungen als das berufene Wort Napoleon's III., (den die betr. Redaction nebst all' seinen Landsleuten aus'S Tiefste verabscheut und mit den härtesten Strafen belegt wisten will, und der sich in der Praxis uns durchaus nicht feindlich gesinnt bewiesen,) in der Einleitung zu seinem Julius Cäsar „Sie (die Feinde des Imperialismus) machen'» wie die Juden, sie kreuzigen ihren Heiland!« — Bei den Armeen im Felde und für dieselben waren eS ihrer Angabe nach — ganz wie in der verehr!. Kölueriu — lauter Juden, die — und natürlich mit größtmöglicher Unredlichkeit — die Tausende von erforderlichen Requisiten herbeischafften, und ward hierin nicht Betriebsamkeit, Gemeinnützigkeit und Furchtlosigkeit vor den, wie sich gezeigt, gar großm damit verbundenen Gefahren, sondern lediglich niedrige Gewinnsucht, schnöde Beutegier rc. erblickt. Notorisch waren aber eine Unzahl, vielleicht im Verhältniß eben so viele Christen in dieser Branche vertreten, und amtlich hat, unsere« Misten«, noch nic^t« darüber verlaulautet, welcher von beiden Theilen sich dabei im Ganzen prompter, reeller und zuverlässiger bewährt habe. — Bei der Anklage wegen Zeichnung auf die bekannte französische Anleihe Sellen« einiger deutschen Bankhäuser — wie die öffentlichen Verhandlungen ergaben, war es mehr unbesonnene Dienstsertigkeit gegen ausländische, bezügliche Aufträge ertheilende Geschäftsfreund«, welche sich in hastiger Uebereilung Gebalt sind folgen der That nicht zum Bewußtsein bracht«, als ,m eigenen Jntereste beabsichtigte Unterstützung des Feindes, was dieselben dazu veranlaßte — unter denen zufällig einig« jüdische oder Juden gewesene VanquierS sich befanden, stellte sie die Sacke so dar, als wenn die Juden sammt und sonder« LandeSverräther wären, und in gleichem^Sinne sprach sie es immer und wiederholt guS, daß die jüdische Nationalität der deutschen, der orientalische, asiatische Typs»« dam oc-. ridentalischen, europäischen kontradiktorisch entgegengesetzt sei, gegen welche sie denn auch unverhohlen bekennt, eine unüberwindliche Antipathie zu hegen, wa« daher alle« zusammen genommen beinahe so viel sagen sollte, alS: jaget sie alle an« dem Lande hinweg oder xottel sie mit Stumpf und Stiel aus. Und dies bei den von allen Seiten eingelaufenen Berichten über dm von Führern und Fürsten gleich rühmlich anerkannten Heldrnmuth, mit dem unsere Jünglinge und Männer in allen Truppentheilen es den christlichen Mitkämpfern gleit gethan. und wovon siejselbst gelegentlich de« Referat« von der Einnahme le Bourget's am 30. Oktober p. nicht umhin konnte, in der Person das dabei mit der Fahne in der Hand auf der Barrikade grfallmen, schon zuvor bei Metz decorirt gewesenen Karfunkelstein aus Beuthen ein glänzendes Beispiel anzuführen; sowie trotz der in unserem wie in des Feinde« Lande durch Gaben an Geld und GeldeSwerth nach gewohnter Art bewiesenen Opfersreudiokeit auS patriotischem Antriebe die der der Andersgläubigen .sicher mindestens nicht nach- , stand. Doch was nützen Thatsachen, auch die offenkundigsten und sprechendsten, denen gegenüber, die beim Hellem Tage nickt sehev, bei offenen Augen gegen die Wahrheit blind sein wollen? Man könnte bei solchen Kundgebungen in der Preste bang und ängstlich werden, da man befürchten möchte, wie nach den vormaligen Kriegen gegen Frankreich, daS, auS faseliger Deutschtbümelei und närrischer Frömmelei oder bester Heuchelei hervorgegangene Rischuth von Oben und Untm — was Gott verhüte! — wieder erwachen zu sehen. Doch, G/dttlob! haben sich die Zeiten — wie sich da« politisch ^durch daS damals nur im losm Bund zusammengekittete, jetzt zu einem fest verbundenen einigm Reiche gewordene deutsche Land bekundet — auch in bürgerlicher und socialer Hinsicht wesentlich geändert, Sb habm wir, so wenig al» vor den Revanchegedao» i der Franzosen gegen unser Vaterland und seine Kinder, uns auch vor dm Lästerungen und Aufhetzungen solcher Großsprecher — die Redaktion der Staatsbürger » Zeitung versteht ihrer Mrinuna nach die«, vom Kleinsten bi« zum Größten, selbst die hohe Politik, bester al« die eingeweiheten Fachmänner jedes