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Der israelitische Lehrer · 1871-03-29 · 13 (29.3.1871) · p. Seite 98

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
13 (29.3.1871)
Date
1871-03-29
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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— 96 — holuag. zum Besuch der Fp»«»de allgemei» gestattet würden, weil die Erhaltung von Weib und Kind, leibliche und geistige Erholung, wie der Besuch von Freunden als sittliche Zwecke gälten und den Bestimmungen über Sabbasttter entff>rächm? 'Wenn die Welt nickt von diesem vagüen Liberalismus Gebrauch machte, so hat nur daß-reltgiöfi: Bewußtsein davon abgehalten. Dies ist auch daS einzige Correctiv für das religiöse Privatleben, weil. ja doch i» unsrer^ Zeit keine Macht haben, dastttbe innerhalb deö Gesetzes, zu erbalten: darum ist cSouL.vcrjchlt^ wenn tzaipdlung bfrJtNrtf, sohlte ein ehtznaligerVorschlag, um den Jure» daS Fahren mit der Post am Sabbat zu gestatten, besondere Sabbat-Relais einzuiichten, welche an ^Wochentagen ruhen, bereit» das Richtige getroffen, -»stch ist mn Unrecht der talmudische Grundsatz geltend gemacht: xosy nt mbtu dtk, welcher in der Unthitigkeit, in dem passiven Verhalten de« Fohrenden einen Gruud zur Erlaubnis für da« Fahren aiq Sadbqt findet. Pri 'geschästlichen Zwecken wird im'Allgemeintn nicht das Fahren und bei sittlichen jetzt im talmudifchen Geiste neue GefetzeSfoime»; ausgestellt werden, gkeichgilttg ob erschwerender, oder erleichternder Art, denn wir haben keine Macht, die Beobachtung derselben zu sichern. Wir haben vielmehr den Geist der. Gesetze Ilar zu legen. nicht, mit suodi-, scher Spitzfindigkeit, sondern nach historisch-kritischer Deutung, und hiernach die Gesetze entweder aufrecht zu'erhalten oder'fasten zu taffen. Sv z. B.r- Ist Fahren am Sabbat erlaubt oder verboten? Wenn erlaubt, so muß da» religiöse Bewußtsein dem Einzelnen sagen, wo es ihm, ohne die Sabbatruhe zu stören, gestattet ist. Wenn hierbei der Einzelne zur Klärung des Kalles und zur Beruhigung seines GewiffenS den Rath Fremder in Anspruch nimmt: so liegt hierin keine Beengung der. Gewissensfreiheit. ES kann in unserer Zeit aber nicht darauf ankommen^ eine neue Casuistik aufzustelleu, den Schulchan Aruch auf's neue zu codificireu, sondern daS religiöse Bewußtsein zu stärken. „Reisen" ist sicherlich im Allgemeinen eine Störung der Sabbatrrche, aber .Fahren" nicht in jedem Falle gleichbedeutend mst „Reisen." DaS „Fahren" ist also kn einzelnen Fällen zu gestatten, und dies kann ebenso wohl in gescl ästlicheu Lagen, wie zu gottesdienstlichen Zwecken nothwendig werden. Nur sind diese Fälle nicht im PorauS zu codificirm. Die- Gewisien sind in unserer Zeit nicht mehr durch Präventiv» «yd Repressiv-Maßregelu zu leiten und zu beherrschen, weder durch casuiftische Gesetzesbestimmm»g (rotaff, i'i pdb), noch durch pönitentiare Kirckenzucht (n3u?n). Zn den Erörterungen über Sabbatruhe ist auch die aotiquirte Austastung von der Sabbattuhe des Thieres festgchalten. Bon einer selbstständigen Sabbatruhe des Thiers kann uimmermehr die Red« sein; das Thier arbeitet nicht selbstständig, sondern unter Leitung des Menschen und mit diesem. Das Thier soll nur u» des Menschen willen ruhen. Anders faßt, auch die Bibel den Begriff der Sabbatruhe nickt auf, zumal es sich bei derselben nicht bleL um leibliche Erholung und Regenerirung der durch Arbeit erschlafften Kräfte, also um ein HümanstätSprincip handelt, sondern um di« Erfassung und Fixiruna . religiöser Ideen, wovon bei den Thieren selbstverständlich nicht die Rede lein kann. Handelte eS sich hier um eine humane Brauch das Gehen erlaubt werden. Man sieht also, e» ßymmt immer chuf die Zwecke an, welche mau mit her Störung der Sabdbatruhe verbindet, und wir wieder» Holm: eS gibt kein anderes Correctiv, als Stärkung des religiösen'Bewußtsein». Dieses wird, wie ehemals, auch jetzt noch vom BrrbotweL sich. jrry. halten, auch wen« «S ilaubt würde, (Fortsetzung fügt.) Wochenbericht. Berlin, im März. Wenn in reaktionär-politischen oderkirchlichen Tazesb'ättern und Zeitsckristen, wie „Neue Preußische"- oder „evangelische Kirchen- Zeitung" gegen die Iudenheit mit spitzer Zunge Front gemacht, und sie bei jeder irgend sich darbietenden oder auch gewaltsam vom Zaun gebrochenen Gelegenheit mit dem Geifer des Spottes und der Verleumdung bespritzt wird, so ist dies, wenn auch immer nicht entschuldbar, doch erklärlich ob der in diesen Preßvrganm vertretene«, dem Geiste der Aufklärung und Humanität unserer Zeit sich mit der Macht der Verzweiflung entgegenstrmmmden Richtung und Tendenz. Kann uns solch' gehässiges Vorgehen auch zeitweilig praktisch manchen Schaden bringen, indem eS, zumal wenn diese Partei aus die maßgebenden Kreise vom Einfluß, die staatliche Anerkennung unseres BekenntnjffeS und die völlige Bethät.iguug unserer Gleichberechtigung mst allen anderen Bürgern hindert oder doch verzögert, so wird, dieser Nachtheil doch erhebllch dadurch paralysirt, daß e« unS im Grunde zur Ehre "gereicht, von einer Heile verunglimpft und verketzert zu werden, die allen liberalen, fortschrittlichm und dem VolkSwohke dienenden Bestrebungen mit Harst.äcktgkeit widerstrebt, indem unsere Sache ebm dadurch sich jedem Denkttl'- den von selbst alS mit den letzterm identisch darstellt. Dagegen birgt M einen stritten Widerspruch mit sich Dagegen birgt M einen stritten Widerspruch mit sich selbst^ in stch, wenn «inner, me «cy \n ponttsiyer, socialer, religiöser u.' a. Beziehung freisinniger Princil

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