Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-03-22 · 12 (22.3.1871) · p. Seite 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
12 (22.3.1871)
Date
1871-03-22
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5433780--3332-4899589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 92 — S und durch, und glänzte seither bei bedeutenden Abstimmungen im Reichstage entweder durch seine Abwesenheit oder stimmte mit der Regierungspartei; er ist persona grata bei der preußischen Regierung und das macht, daß er dem freisinnigen undselbstständigen Theil der Frankfurter Bürgerschaft nicht genehm ist. Der denkende und seine Vaterstadt liebend« Frankfurter Bürger ist im Jahre 1870—71 noch, was er 1866 gewesen; Er ist jetzt wie zu allen Zeiten deutsch, aber n i e preußisch; dem specifischen Preußenthum gegenüber wi'd der Kern der Bürgerschaft, der nicht zu den Anbetern des Erfolges, gehört, 1866 und seine alte reichsstädtische Freiheit, nie vergesien, stets „unversöhnlich" bleiben. SonneManu ist Demokrat von der ausgesprochenstm Richtung, unversöhnlicher Opponent der preußischen Regierung und das gibt bei seiner Candidatür den Ausschlag, obwohl er kein geborener Frankfurter und persönlich nicht gerade-beliebt ist. Ich habe Ihnen das nur deshalb so ausführlich berichtet, obwohl eS nicht zur Tendenz dieses Blattes gehört, weil es bedeutungsvoll ist, die intoleranten Judenfeinde beider Richtungen darauf hinzuweisen, wie verschieden die Juden in politischer und nationaler Beziehung denken, und daß es daher eben nur die Erfindung der Jndenfeinde ist, sie alle in einen Topf zu werfen. — In Mainz ist ebenfalls ein JSraelite, der weitbekannte Bamberger, der bedeutendste Vtktreter des süddeutschen Nationalliberalismus gewählt worden und es ist ebenfalls sehr bemerkenswerth, daß er in der altkatholischen Stadt, dem Sitze des Vertreters der deutschen Römling«, des Bischofs von Kettler, und selbst in den strmg katholischen Orten des Kreises durchging, während sein Gegner, der Domcapitular Mouffang, das Altergo des Bischofs, unterlag. Es darf freilich nicht verschwiegen werden, daß Bamberger der Günstling des Grafen von Bismark zu sein scheint, der, wie man sagt, ihn selbst nach Elsaß mit sich führte, wo er bei der Organisation dieses aunectirten Landstriches mithalf; — er wurde verwendet und ließ sich verwenden. Bis zur Anstellung eines jüdischen Beamten in hoher Stellung hat eS die preußische Regierung doch noch nicht gebracht. Wir fügen noch bei, daß allerdings in einigen katholischen Orten Gewaltthätigkdit.en gegen Juden vorgekomm^en, weil diese Bamberger.wählten. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin-, auf einen eigenthümlichen Jrrthum eines, andern jüdischen Blattes aufmerksam zu machen, das unseren doch allerwärts bekannten deutschen Zollparlameutsabgeordneten Bamberger zur französischen Nationalversammlung gewählt sein läßt. Ob der dort —^ im Elsaß — gewählte B. auch ein Jude: ist, weiß ick nickt. Ein Glied der hiesigen Familie B. ist er nickt. — Der Mainzer B. hat sich allerdings als politischer Flüchtling vom Jahr 1848 her lange in Paris aufzehalten, wo er in der Finanzwelt eine Hohr Stellung eingenommen haben soll. Eamen (Kreis Hamm), den 9. März. Hochzuverehrender Herr College I ES wundert mich, daß in diesen Blättern von den „Gnadenbezeugungen" unseres CultuSministerS gegen sämmtliche Lehrer noch nicht die Rede war. Wie Ihnen wohl bekannt sein wird, muß Jeder im preußischen Staate angestellte - öffentlicke Lehrer, ohne Unterschied der Confession, der Staats-Wittwenkasie beitreten. Der jährliche Beitrag betrug bis zum Jahre 1870 zwei Thaler; die Eintrittszebühren zwei Thaler. Obwohl der Regierungsbezirk Arnsberg allein einen Fonds von 80,000 Thlr. besitzt, betrug das Unterstützungsgeld der Wittwe jährlich nur 24 Thlr.! Also kein Vergleich zu unserer -Achawa! Doch Sie sollen noch mehr hören und — staunen! Schon seit Jahren klagen die Lehrer, daß bei diesem großen Kasienbestande das Wittwengehalt von 24 Thlr. ein gar geringes sei und dasselbe unbedingt erhöht werden müßte. Was in dieser Sache — in den preußischen Kammern debattirt wurde, wissen Sie bereits. Da auf einmal — im Januar d. I., mitten in der blutigen Zeit, wo so viele Lehrer in den Schlachtenreihen für Deutschland kämpften, — erschien ein Rundschreiben des CultuSministerS v. Mühler an alle Schulinspectoren, daß das Wittwengehalt öffentlich angestellter Lehrer auf fünfzig Thaler festgesetzt sei,' daß aber jeder Lehrer statt 2 Thlr. künftig 5, sage fünf Thaler, jährlich zu zahlen, ein Eintrittsgeld neu aufzunehmender Lehrer von acht Thlr. und von jeder Gehaltszulage fünfundzwanzig Prozent an die Staats-Wittwenkafse zu zahlen habe!! Gut gerechnet, werden die Leser dieser Blätter sagen; Anderes werden sie denken und — mit Recht! Wie diese Verordnung bei sämmtlichen christlichen College» ausgenommen wurde, können Sie Sich leicht denken. Es herrscht die Absicht, beschwerdeführend an das Abgeordnetenhaus zu gehen; ob es etwas nutzt, bleibt abzuwarten. Erlauben Sie mir nvch eine Anftage. Zu Anfang Januar las ich in der „Zeitung des JudenthumS", daß Weihnachten 1870 eine Special-Conferenz in Ahlen stattgefunden habe. Ich war erstaunt, solches zu vernehmen; Ahlen ist nur zwei Eisenbahnstationen von hier entfernt, und doch war mir die ganze Geschichte unbekannt. Ich wäre auch gern Theilnehmer der Conferenz gewesen — denn welcher Ährer, der es auftichtig mit dem Lehrerstande meint, nimmt nicht gerne Theil an solchen Bestrebungen? Wie gerne wäre ich nach der nahe gelegenen Stadt Ahlen geeilt, um an der Conferenz Theil zu nehmen. Es war aber in keinem Blatte eine Einladung ausgeschrieben und sind die Einladungen wohl „vertraulich" ergan-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.