Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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trrolur, so läßt fid ponj tfquroi eint Cbrefiematir ansertigen, welche eine Ueberflcht über die gesammte geistige Arbeit jüdischer Denker nnd Dichter gewährt, und so sür die ganze Zeit teS Religionsunterrichts rrn der Elemkntarklaffe der Volksschule bis hinauf zur Abtheilung der Abiturienten zur Universität hinreichend mit interessantkni, und die Religiosität belebenden Lehrstoff versieht. Sehen wir dagegen, welche Stellung die hebräische Sprache innerhalb des Religionsunterrichts einnimmt, so wird schwerlich ein Theologe bebcupten, daß voll der Kenntniß derselben die Angebörigkeit in den Bund deS ZudenthumS abhänge, wenn das auch übrigens ganz richtig ist, daß man mit aller Eifersucht darüber wachen wüste, diese Kenntniß nicht zum ausschließlichen Eigenthum den Robbinen zu überlasten. Nach der Rückkehr auö der babylonischen Gefangenschaft batte daS jüdische Volk noch dem Zeugnisse der Bibel kein Hebräisch mehr verstanden. In Berücksichtigung deS ungelerhien Volkes wurde gestattet, selbst daS Eck'wa in ein«r srimdcu Sprache zu recitircn, damit jeder auch verstehe, was er spricht. Zn der Instruction für Aufnahme der Proselyten in den Cchccß der Cvnegoge wird ein Unterricht der Neophiten in dem Rinialgesetze und noch MaimonideS die blondere Accentuirung der Glaubenslehre angecrdnet, aber Niemand machte die Aufnahme der Proselyten von der Kenntniß der hebräischen Sprache abhängig. Noch der bis in die letzte Zeit herrschend gewesenen Praxis wurde die weibliche Jugend gar nicht im Urtexte der Thora unterrichtet. (Fortsetzung folgt.) ' Wochenbericht. Berlin, 15. März. Die Zeitungen verrssentlichen folgendes Cchriststück. das der ticsige Vorstand — dem sich viele anderen iörael. Vorstände insbesondere die zu Königsberg und BreSlou avgeschlesten — von hervorragenden Nichtjuden erhalten haben: Dank und Anerkennung dem Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde sür seinen, unter dem 20. d.M. erlassenen, von tiefem Schmerz und sittlicher Entrüstung zeugenden Protest gegen die, aus Anordnung deS evangelischen DberkirchenratheS vom Kgl. Consistcrium der Provinz Brandenburg ergangene Bekanntmachung, „den Uebertritt vom Ehristrnthum zum Judenthum" betreffend. | Wir, die Unterzeichneten, wenden uns, wie! gewiß der größte Theil unserer christlichen Mitbürger, 1 von jener „Bekanntmachung" ihrem ganzen Inhalte i noch mit kaum näher zu bezeichnendem Gefühle ab. ] Wir versichern dem gechrten Vorstande, desten Glaubensgenossen unserer Bürgerschaft jederzeit in allen Werken der Liebe und der Humanität ein hell und j weit leuchtendes Beispiel geben, daß derselbe unter allen Umständen die in seinem so würdigen Proteste ausgesprochene Ueberzengung festhalten darf.: „daß ihre christlichen Mitbürger, weit entfernt, die gehässige Gesinnung, welche der Erlaß bloßlegt, zu Iheilen und zu billigen, im Gegentheil dieselbe entschieden von sich weisen." Berlin, 25. Februar 1871. A. Frrrrtzel. Friedberg, Stadtrath. GescniuS, Stadtrath. Dr. Göschen, Stadtv. Haack, Stadtrath. v. Hrnnig, Staotrath. Gustav Jürst, Stadtv. Dr. Kletcke. Kcchhcnw, Stadtverordn. -Vorst. H. Kochhann. Dr. Körte, Bürgerdeputirter. Kuhtz, Stadtv. Kunz, Stadtr. Le Erq, Stadtv. Robert Leopold Löwe, Stadtrath. Paul MendclSsobn-Barthcldy, Geb. Commerzienrath und Stadtratb. R. ParrisiuS. Romstädt, Stadtv. Ro- . sentbal, Stadtvcrordn. Runge, Stadtratb. I. G. L. j Schösser, Stadtverordn. Voigt, Stadtv. Dr. Weber, > Stadtroth. F—A. Zacharias. Zelle^ Stadtrath. Frankfurt a M., 17. März. Rothschild contra Connenmann ist die Losung zur ReichtagSwahl in unserer Stadt, ehedem freie Reichsstadt gewesen. Es ist ein rigenthümlicheS Spiel des Zufalls, daß hier zwei Juden als Gegner für diese bedeutungsvolle Wahl einander gegenüber stehen, und es ist bemerkenswert, daß selbst von den Dissidenten beider Kandidaturen nirgends unseres Wissens das Wort „Jude" gebraucht worden. Die Welt ist doch fortgeschritten; achten wir daraus, daß sie nicht mehr znrückschreite. Wenn i wir die beiden Gegner in diesem bitzigen Wahlkampfe, wie ein solcher noch nicht hier vorgekommen, nach ihrer politischen Stellung betrachtsn, so dürfte es eigenthümlich sein, daß Beide doch auch wieder der Anödruck eines specifisch localpolitischen Gedankens sind, der sich vielleicht in wenig Städten so echt ausbildete. Rothschild ist eben Bö rsen könig, der Franks. Banquiers Stolz und ihr berechtigter Vertreter, wenn man bloS j in dieser Richtung den specefisch - frcnkfurtischen Ehaj rakter ouSgrbildet glaubt. Jeder Frankfurter ist stolz i darauf, daß dieses weltberühmte Haus von Frankfurt > ausgegangen und nur von da ausgehen konnte, weil! bis vor kurzer Zeit doch nur Frankfurt der be-! deutendste Mittelpunkt des deutschen BvrsenhandelS! war, der doch eigentlich wieder nur größtentheilS vvn Juden repräfentirt wurde.Und doch ist Rothschild natürlich Aristokrat vom reinsten Wasser, Regiernngsmann durch,