Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 11 (15.3.1871)
- Date
- 1871-03-15
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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— 83 — die Erfolge, »«(de die tapfere Haltung der iSrael. Soldaten haben könnte, im Voraus abzuschwächen, und da« Rechtsgefühl anderer -reise irre zu führen? Wir glaube,» uns nicht zu täuschen, wenn wir nur diese Voraussetzung' allen diesen Vorkommnissen zu Grunde legen. Wenden wir un« zur Schule. Die Staatsverwaltungen haben im Kriege auf , die Schulen und Lehrer nur sehr wenig Rück» sicht genommen. Hundert« von Lehrern sind einberufen worden, Hunderte von Schulen waren geschlossen und die norddentsche Schulzeitung zählte wohl nur aus ihr bekannt gewordenen Fällen bis zum 24. Februar — sechsundzwanzig Lehrer auf, die „für« Vaterland gestorben." UnS kommen da ganz absonderliche „kriegSkrtzerischr" Gedanken. Wir meinen, — und wir sind gerne bereit, unS eines Besseren belehren zu lösten — die vielen Lehrer in Preußen und in andern deutschen Ländern, die seit vielen Jahren für schlechten Lohn und wenig Dank, in Sorgen, Hunger und Kummer Schulstaub schlucken und die Kinoer des Volke« — ach, oft was für Kinder I — erziehen und unterrichten, die sterben auch — den „Tod fürs Vaterland." Oder nicht? Spricht man ja. und mit besonderer Vorliebe, von der preußischen Intelligenz, die die französische Ignoranz geschlagen. Wächst diese Intelligenz etwa aus den Straßen oder wird st« in den Kasernen gepflegt und groß gezogen? An dieser Intelligenz, die nicht zu leugnen sein soll, haben doch auch viel die preußischen Schullehrer und ihr verewigter Großmeister Theil. Nun denn: wird man der Schule gerecht werden? Wird bald ein zufriedenstellendes UnterrichtSgesktz all dem provisorischen Elende und den geisttödtenden Regulativm ein Ende machen? Wir zweifeln daran, nachdem eS eben erst dem „Mühler'schen" Staate nicht gelungen ist, die Schulen von Hannover au« den Händen der kirchlichen Verwaltung in die staatliche überzuleiten. Und eS wäre doch nur Schein gewesen l WaS folgt daraus für un« Israeliten? Wir können unmöglich abwarten, bis die Zustände der Art sind, daß unS Recht werde; wir wissen im Voraus, daß noch viele Jahre das gegenwärtige Schulsystem in seiner starr kirchlichen Ridtung bleiben wird. Und wir müsten jetzt, nachdem die Glocke de« Friedens un« erklungen, mit neuen Kräften da« alte Werk aufnehmen, um vorerst jdie jüdischen Schulen zu heben und auf den hohen Standpunkt, der unseren religiösen Ansichten und unserem Culturstandpunkte würdig ist, zu bringen suchen; überzeugt, daß die Zeit kommt, wo man bereit sein wird, rinzusehen, was die jüdische Schule geleistet hat ,gum Heil« de« Ganzen. Darum: viele und gute jüdische Schulen, freie, tüchtige, pädagogisch-jüdisde Lehranstalten — Seminarien — bester« und sichere Stellung der Lehrer, Lehrervereine und Schulvereine, zum Zwecke der Förderung alles desten, was zum Heile der Schule dienen kann; Unterstützungsvereine für dienstunfähige, hilfsbedürftige Lehrer und deren Relikten — das sind Forderungen, die immer neu an un« heranirrten und di« mit aller Kraft weiter geführt werden müsten. Und da« Zudenthum und feine innere Gestaltung und Fortentwicklung? Werden die schmerzlichen Erfahrungen, die wir machen wußten, wird deS, was wir in oer jüngsten Zeit erlebten, segensreiche Folgen haben auch für die innere Fortentwicklung und Kräftigung deS JudenthumS? Wir wollen e« hoffen. Wir haben die Beweise, wie weit die Humanität fortgeschritten ist. Da« Bedürsniß nach Kräftigung der religiösen Idee vom ewigen Bruderbund« aller Völker muß selbst die mächtig ergriffen ha*en, die bisher weitabstanden, von der jüdischen Gemeinschaft und in ihrem Innern die Stimme der Religion längst erloschen glaubt n. Der JndifferentiSmuS ist durchaus kein Faktor, mit dem man rechnen kann,'ebensowenig als mit jener starren unbeweglichen Elique, die sich selbst die „orthodoxe Partei" nennt und deren Stimmführer sich nicht lei- -ten lasten von religiösen oder menschlichen Beweggründen, sondern nur von den „Interessen der Partei." Wir haben neulich angedeutet, wie wir in religiösen Dingen den Ausdruck „Partei" als einen verfehlten betrachten; da« politische Leben kann Parteien erzeugen, da« religiöse sollte nur Richtungen anerkennen. Und in den Richtungen, die, dem Gange der Geschichte entsprechend, nvthwendig hervortreten müsten, treten wieder Männer an die Spitze, die als die Träger und Vertreter derselben gelten können. Ist eS darum nvthwendig, daß olle, die dieser Richtung angehören, in allen Dingen mit den Vertretern übereinstimnien und denselben folgen? Davon kann die Rede nicht sein. Die Religion, welche die Sache des Herzens und,Geiste« ist, wird und kann so nicht die Ueberzeugung des Gnzelnen binden lassen, kennt also kein Parteileben und keine ParteidiSriplin. Darum ist eine Bekämpfung der ungerechten und charakterlosen Führung einer Persönlichkeit, die als Vertreter einer Richtung gilt, noch keine Gehässigkeit gegen die Richtung oder „Partei." WaS aber daS Judenthum Gemeinsame« anzustreben hat, und waS, weil eS «ährend deS Krieges. ruhen mußte, nunmehr mit verdoppelten Kräften in Angriff genommen werden muß — wir haben eS in diesen Blättern schon so oft angedeutet, daß wir jetzt davon absehen können, e« zu wiederholen. Die kräftigste Förderung der Alliance JSraelite Universelle — als einer über daS gesammte zestreute Israel hin wirksamen Vereinigung, darstellend