Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 10 (8.3.1871)
- Date
- 1871-03-08
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ste» Volk durch Feuer und Schwert, durch Hunger und Pest vernichtet und als über all die Gräuel der Verwüstung in der heiligen Stadt der Juden die Sie. ger ihren Einzug hielten, da rief der heidnische Im« perator: „Wahrhaftig, mit Gott haben wir gesiegt." Wo ist da der Fortschritt? Wie sie dgmalS in römischer Sprache sprachm und sangen, so heute in deutscher. Rein, wir sind nicht so verblendet, der Religion des Christenthums irgmd welche Schuld an diesen furchtbaren Kämpfen beizumesien; ohne Zweifel stehen die Beweggründe zu demselben im Gegensatz zum Christenthum — sind eine grausame Mißkennung seiner positiven Grundsätze; denn sonst wären ja diese ein Gegensatz zur Humanität und keine Religion. Und nun — wer gibt bei diesen Verhältnisien dem christlichen Fanatismus das Recht, in diesem feierlichen Momente, wo die geeinigte Nation — Juden, Katholiken und Prostetanten — dem Zauberworte „Friede" lauscht und dabei aller seiner Söhne gedenkt — der jüdisch en wie der christlichen — die mit gleicher Tapferkeit gestanden nnd gefallen im heiligen Kampfe; wer gibt da irgend wem —und sei es selbst ein evangelischer Oberkirchenrath, der die höchste protestantisch-christliche Behörde in Preußen — d i. Deutschland — darstellt, das Recht, da« Judenthum und die Juden zu beschimpfen, und von dem „vrrabscheuungswürdigm" Uebertritt zum Judenthum zu sprechen, Angesichts des ganzen Landes? Liegt darin nicht ein Vorbedacht? Gewiß! Vielleicht fürchtet man von der errungenen Vergünstigung, daß auch jüdische Feldgeistliche inS Lager duften, die „Entchristlichung" des HerreS; vielleicht will man im neuen „deutschen Reiche" die Juden schon im ^Voraus demüthig machen und vor allzu großen Hoffnungen warnen; vielleicht — doch wer kann alle die „Vielleicht" aufzählen, die den Fanatismus leiten? Wie es sich auch verhalten mag, — die Zeit war schlecht gewählt; eS war ein allzudrastischer Schlußakt de» großen Kampfes, eine schleckte FrirdenShymne. Wir aber wollen den Frieden und gehen nur in dm Streit, — um des Friedens Willen. Das Judenthum ist eine Religion, die im Friedm ein hohes Princip erkennt, und darum — den ProselytiSmuS auSschließt, der allein die Wurzel des Kampfes zwischen verschiedenen ReligionSgesellschastm ist. Wenn Eure Abtrünnigen zu uns kommen — wir suchen sie nicht; wir freuen uns kaum mst ihnen. Die Proselyten haben dem Judmthnm noch kein Heil gebracht, das ist eine alte ^behre unserer Weisen. Warum also jetzt den Streit heraufbeschwirm, um einiger Proselyten U- Wir wollen mit unseren christlichen Mitbürgern in Liebe und Frieden leben, und mit ihn« arbeiten zum Heil des ganzen gemeinsamen, großen Vaterlandes. Sucht Ihr jetzt,den Streit, so versündigt Ihr Euch gegen das Heiligthum, für das wir so gut kämpften, wie Eure christlichm Söhne, die im Allgeateinm dies wohl auch anerkennm. Wenn aber die Pfaffm irgendwelcher religiösen Fraksion, wenn die Senfft-Pilsach und Consorten, wenn die Feinde des in Freiheit auch innerlich geeinigtm Vaterlandes das Judmthum beschimpfen und unsere wohlerrungmen Rechte uns lahmen wollen-, dannjmüsten wir eben im Frieden an den Krieg mahnm, und auf die Geschichte gestützt, au«- rufen, daß eS gellend in die Ohren unser r Unterdrücker schallt: „Unser gutes Recht für unser gutes Blut." Der Kampf um die Gleichberechsigung des JudenthumS und der Huden ist noch nicht zu Ende, daS sehen wir ein. Wir wollen — als Juden — arbeiten am ewigen Friedm unter den Dölkem und Nationm, wie unter den Bürgern im Staate — aus Religion; mögm Anderen den Haß unter den Nationen und den Sieg und die Eroberung preisen und den Kampf um des Glaubens Willen heraufzubeschwören suchm unter dm Bürgern des Landes — wir preisen den Friedm, wie er unsere Propheten begeisterte und wie ihn unsere großm Lehrer verkündeten und lieben ihn — und alle Menschen. Er wird, er muß kommen. Aber wir wollen auch wachen, daß das Judenthum und die Judenheit im neuen deutschen Reiche zu ihrem guten Rechte kommen und eS von keiner Seite 'schimpfen, zurücksetzen und entwürdigen lasten. In diesem Kampfe wollen wir auftecht stehen und nicht nachlasten, bi« ein wirklicher Friede uns verbürgt ist. Wenn der Erlaß der. Vorbote dieses Kampfes ist, dann wollt Ihr ihn — nun, Ihr sollt ihn haben. Sehet Euch vor! Das Judmthum hat gesiegt seitHamanS Zeilen, weil es nicht dm Uebertritt Andersgläubiger wollte zu seiner Religion und zu seinem Glauben, sondern nur in Frieden leben unter seinen Mitbürgern. ES wird auch jetzt siegen gegm FanasiömuS, Pfaffenthnm und was daruS folgt und damit zusammenhängt. (Schluß folgt.)