Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 10 (8.3.1871)
- Date
- 1871-03-08
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 74 — Ben, wird und »ußseiuerPjlicht gegen Alle eingedenk sein, und —> diie Gchmerzm li»d«k,fow ei t Verscheuchen wir auch den herben Seelenschmerz, der in dem Gedanken liegt, daß zwei der edelsten Culturvölker, die Brudervölker sein sollten im besten Sinne des Wortes, verbunden durch gemeinsame Geistesarbeit, geeinigt jnr Förderung alles dessen, waö die Menschheit glücklich machen kann, zur stetigen Fortentwicklung im Dienste der Wissenschaft, der Kunst, der Industrie und des Handels, — sich einander gegenüber standen in einem riesigen Kampfe^ wie ihn die Menschheit «och-nie gesehen, und Alles, was ihre Wissenschaft und ihre Industrie nur schaffen konnten, > einzig zu dem Zwecke auSnützten, sich einander zu verderben, als wollten sie sich von dem Erdboden vertilgen, als habe die Erde nicht Raum genug für Alle. Vergessen wir auch, daß hier und dort wohl auch diel kostbares Menschenblut in nutzloser Barbarei vergoffen, daß daS Gefühl der'Menschen- und Bruderliebe, daS Gefühl der Hochachtung vor all dem, was Menschenantlitz trägt, gewaltig geschwächt worden sein mag in diesem Kampfe; daß vielleicht selbst die Moralität, die Sittlichkeit in Bielen für lange, wenn nicht für immer gelitten haben! Vergeffen wir selbst das unter gräßlichen Schmerzen zuckende Volk, das solches Elend über stch gebracht, nutzlos — und Alles besten, waS es doch im langen Laufe der Geschichte Herrliches für die Menschheit geleistet; vergeffen wir eS vor dem einen großen Gedanken, daß dieser Kampf die so lange vergeblich angestrebte Eiaheft unseres - großen, herrlichen Vaterlandes mächtig gefördert, daß' die lange so — und erst vor «enig-Jahre» in blutigem Kampfe — entzweiten Stämme sich verbunden und geeinigt haben, und nun wohl auch das Werk der inneren Entwicklung, die Arbeit des Geistes, das Streben nach Glück und Freiheit für alle Kinder des Vaterlandes, die zusammen geblutet und gelitten, mit vereinten Kräften in Angriff nehmen werden. Vergeffen wir Alles vor dem einen Gedanke« de« Friedens, der Bersöh- -nung. Da« ist unsere Pflicht. Der Krieg liegt hinter un»; der Friede, — die Zeit und die Arbeit de« Friedens vor uns. Seien wjr besten eingedenk. Wird dies von jeder Seite, nach allen Ricktungen hin geschehen? Wir dürfen,'wenn auch mit Trauer im Herzen, uns nicht verhehlen, daß wir gegründete Befürchtungen haben: e« möchten den Raben des Schlachtfeldes die Nachteulen des Friedens folgen. Wir «ollen hier nicht von der allgemeinen Politik sprechen, deren Kämpfe unS ferne liegen. Wir wollen nur diejenigen Gebiete in das Bereich unserer Friedensbetrachtung ziehen, die uns nahe liegen: das Judenthum — die Religion und die Schule. Bei» Beginne beSnKriegeS, tzr UpHreok Artikel »Ae» TW: „ Ist «rkMh W» Judenthüm zur Mythe geworden? Haben die Völker erreicht, was jenes verkündigt und erstrebt? Sind die Schwerter zu Sicheln und die Lanzen zu Rebmessern umgeschmiedet, und lehrt nicht mehr einVolk dem andern den Kri eg?" WaS wir damals von unserem Standpunkte aus zu sagen die gegründetste Peranlaffung hatten, das ist seitdem in vielen nichtjüdischen Blättern in der verschiedensten Art und Weise wiederholt besprochen worden. So sagt« et« berühmtes deutsch-pädagogische« Blatt-in seinem Artikel „am Weihnachtsabend," daß, „obwohl bei der Geburt de« Stifters der christlichen Religion die Engel gesungen: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen, der Krieg trotz des Ehvistenthüms und um des Christenthums Willen nickt aufgehört habe." HÄ das Christenthum die Liebe, den Fortschritt, die Humanität gebracht, wie seine Jünger zu-allen »Zeiten verkünden, und war es selbst wirkich ein Fortschritt, dem jüdischm Gottesgedanken gegenüber? Bor mehr als zwei Jahrtausenden verkündeten jüdische Propheten im heiligen Lande den ewigen Frieden als das Ziel, wonach die ' Völker zu ringen haben; und heute, nachdem das Christenthum längst schon »eben der jüdischen Bibel noch das Evangelium in alle Welt getragen, stehen sich zwei christliche Völker im hochgebildeten Europa, daS sich neben der Religion noch so erhabener Cultarfactoren erfreut, als Feinde gegenüber und nicht ein kleiner Theil des HaffeS bei den beiden Nationen wurde von Geistliche« auS fanatischem Rsligionshaß angeschürt, weil in Wahrheit die Streiter in beiden Heerlagern entgegengesetzte» GlaubenSrichtungen innerhalb des Christenthums zugethan sind; heute noch spricht man von Erbfeindschaft unter solchen Völkern und die Verkünder und Lehrer des Evangeliums in beiden Heerlagern adoptiren dies stillschweigend. Wie werden sie jetzt in dm Kirchm und Gottes - chäusemHymnm stngm auf die „glorreichen Siege und Eroberungen" und die Meuschm am meistm preisen, welche am meistm Blut vergoffen. Ja, nothwendiz, nach dem . gellenden Völkerrecht gerecht und tapfer mag daS Alle« sein — aber die Religion mische man nicht hinein; die wahre Religion — die Religion der Liebe und Humanität - steht bei diesen Dingen fern ab und trauert. So handelte man vor Zwei Jahrtausenden, so h.-ute — darin ist ein Fortschritt nicht bemerkbar. Im Verlaufe des oben citirten Artikels sagt derselbe „christliche" Pädagoge: ,70 Jahre nach der ersten Weihnachten wurde ein hockbe» zabteS, für die Entwicklung der Mmschheit bedeutsam»