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Der israelitische Lehrer · 1871-03-01 · 9 (1.3.1871) · p. Seite 70

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
9 (1.3.1871)
Date
1871-03-01
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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dischen Lehrerleben berührt, «aS gewiß viel sage« will. Jede Verbesserung, die sich eben nur auf Erhöhung deS GehaltS oder drgl. bezieht, ist fruchtlos, so lauge der Lehrer tagtäglich um seine Stellung zittern muß, so lange man ihn um nichtiger Gründe Willen aus seiner Stellung verjagen kann; so lange Lehrer kommen, man weiß nicht woher und gehen und man weiß nicht: warum? So kann ich Ihnen z. B. aus meinen neuesten Erfahrungen mittheilen, daß ein Lehrer seine Stelle verlassen mußte, weis — ihm die Gemeinde die Vergrößerung seiner Familie nicht verzeihen wollte, obwohl sie sonst recht wohl mit ihm zufrieden war; daß ein Anderer sehr tüchtiger Mann mit zahlreicher Familie monatelang stellenfrer war, eben auch nur, weil er sich einer so großem Kinderzahl erfreute. Bei seiner endlichen Aufnahme in einer-entfernteren Gemeinde verleugnete er die Hälfte seiner Kinder; das hals! Ist das nicht ein trauriger Zustand? Und kann es besser werden, so lange nicht in dieser Beziehung etwas Ernstliches, Durchgreifendes geschieht? Wird ein junger Mensch von Tüchtigkeit sich eine« Berufe widmen wollen, der ihn fast zum Cölibate verdammt? Wenn Sie nun in demselben Artikel in dem Manne, der das Recht nicht hake, gegen die Lehrer zn schreiben, den Herren vr. Philippson in Bonn meinten, so haben Sie nicht minder durch Ihr mannhaftes Auftreten sich den Dank des LehrerstandeL verdient. Den unschuldig Entgegnenden, zu zerschmettern, das ist so Tyrannenart, sich in Verlegenheiten Lust zu machen. (Faust.) Dieses Wort GötheS fiel mir ein, als ich Ihre Zeitung zur Hand nahm und darin einen paffenden Ausdruck für daS fand, was mich so verletzte, als ick in Nr. 6 der „Allg. Ztg. des Judenth." die Worte über die Lehrer las, die diesmal nicht zeigen können, was „ein tüchtiger, strebsamer Lehrer vermag," da es nichts zu — colpvrtiren galt. ES hatte mich tief verletzt, waS Hr. Dr. Ph. dort zu sagen wogte, besonders darum, weil er ja hier nicht einmal zu den Lehrern und von den Lehrern sprach, sondern zu den Vorständen, und Gemeinden, und seine Beschimpfung des Lehrerstandes dadurch gleichsam so recht iu die Gemeinden hineingetragen wurde; aber ich dachte: LegtS zum übrigen! Was willst Du darüber Dich ärgend? Dir gegenüber, der Du so tief „unter dem ' Niveau der allgemeinen Bilhuog stehst," braucht man sich ja nicht zu rechtfertigen; man verhüllt sich — wie Jupiter in der Wolke — in vornehme» Schweigen und ignornt die „Elementargeister." Wie tief wir Lehrer auch oft verletzt werden, wie oft von oben her auch gegen den Satz gefehlt wird: „Verstimme nicht mit rauher Hand das zartbesaitete Gemüth deS Zugendlehrer«, du begehst sonst ein schweres Unrecht am Seelenlebm desselben:" wir hätten auch diesmal bescheiden" geschwiegen in „unseres Nichts durchbohrendem Gefühle." Da aber Ihr Artikel über die „Wahk und Anstellung der Lehrer" jene» harten Wortes gedenkt und zum Theil damit zusammensillt, so glaube ich damit deu Empfindungen vieler College« Worte zw leihe», wen« ich mir, nicht au» Schreibsucht — ich habe ja keinen Titel — diesen Verdruß „vom Halse" schreibe. Vor Kurzem erst thellte ich Ihnen mit, wie ich mich nicht veranlaßt find«, für Ihr Blatt etwas zu schreiben, weil das, worüber ich schreiben könnte und möchte, schon gar oft von besseren Federn behandelt worden ist. Wo aber die Hintansetzung eines ganzen ehrenwerthen Standes geflissentlich immer wieder hervortritt, da ist Schweigen Sünde und „lumpige Bescheidenheit." Und eS wird Einem ganz winterlich im Leibe, wenn man immer und überall die alte Marotte liest und hört von den gebildet sein wollenden Herren „Studirten", wie sie über die „Handlanger" herfallen, wenn anders sie sich nicht mit einem mitleidigen Lächesn begnügen wollen. Ehe Nr. 6 der Allg. Ztg. des Judenth. erschienen war, batte ich bereits Material gesammelt, um dem Redacteur dieses Blattes eine Reihe Namen von Soldaten zuzusenden, und gerade aus einer Provinz, wo sonst das Blatt nicht viel gelesen wird, und wo Niemand sonst sich dieser Mühe unterzogen haben würde. Nachher aber verging mir erst die Lust dazu und dachte ich: es mag den „Zuständigen" überlassen bleiben. Ich fragte mich: Steht eS mit dem Lehrerstand wirklick so schlecht? Ich blicke nach Hannover und finde da einen ganz wohlgebildeten Lehrerstand, — wenn mir eine Meinung zugestanden : wird — bei dem Intelligenz mit Berufstreue verbunden ist, obgleich das Seminar Manches zu wünschen übrig läßt, desgleichen in Kurhessen und ebenso in Westphalen- Rheinland, überhaupt da, wo Lehrerbildungsstätten sind. Und in Bayern, Baden und Württemberg? Diese Blätter belehren uns, daß eS auch da eine sehr namhafte Zahl von tücktigen, strebsamen, zu ihrem Berufe wohlbefähigten und demselben treuen Lebrerstand gibt; und der geschätzte Herr Redakteur dieser Blätter wird wohl am besten wissen, daß diese Zahl der Besseren und Besten groß genug ist, um Achtung vor dem Lehrerstande als solchen fordern zu können. Die Andern — die sind eben keine Lehrer. Wo, wie oft in Altpreußen, der Schochet und Ehasan den Namen „Lehrer" trägt — und mit Unrecht, denn er weiß nicht, was dieser Name in sich schließt — wird man freilich Männer finden, die — Nichts gelernt haben und darum nicPs vergessen können. Der Herr Redacteur der a. Z. d. I. hat neulich mit sehr warmen und freundlichen Worten die „ Rirßerstiftung" empfohlen, die Stipendien für Stu-

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