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Der israelitische Lehrer · 1871-03-01 · 9 (1.3.1871) · p. Seite 71

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
9 (1.3.1871)
Date
1871-03-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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— 71 — ■fchrmbe gibt — und das mit Recht. Aber Lehrer müssen doch auch lernen; wo gibt e» Stipendien für diese? Nirgends! Das Rabbiner-Seminar in Breslau hat eine große Zahl von Stipendien; das mit ihm verbunden gewesene Lehrerseminar ist eingegangen. Warum? In Frankfurts, in Bayern und anderwärt« werden jüdische Handwerkslehrlinge unterstützt; in Wien, in Berlin und nun auch in Frankfurt*) gibt« Vereine für Studirende; e« gibt sogar Stipmdien für jüdische Bautechniker, Maler, Bildhauer — kurz für Alles, nur nicht für Lehrer! die Anstalten für die Lehrerbildung sind mangelhaft und in ihren Mitteln beschränkt, an vielen Orten gibt« gar keine und der arme Junge, der Lehrer, werden will, muß sein Brod — wenn er ein solches in Tagkosthäusern erhält, — in Thränen essen; gleichsam, al« sollte ihm schon an der Thür gesagt werden: wenn du in diesen Stand trittst, so laß alle Ansprüche auf Lebensfreude außen. Und nun wirft man ihnen, den Hunderten, die unter Kummer und Thränen ausharren in ihrer Begeisterung für ihren hohen Beruf, vor: Ihr — Ihr seid Eurem hohen Berufe nicht gewachsen, Ihr seid ungebildet! Und wenn eS wahr wäre, so wären diejenigen Schuld daran, die für Alles Worte und Thaten haben — nur nicht für die Lehrer und die tüchtige Lehrerbildung! Es sind Tausende gesammelt worden für Bibelgesellschaften; die Lehrer haben Tausende von Mitgliedern für da« Institut angeworben — und für was noch mehr? - wovon ein schönes Stück in die Taschen des Herrn vr. Ph. floß; von verändern Seite werden Hunderttausende gesammelt in allerlei Form, um nach Jerusalem zu ^wandern auf Nimmerwiederkehr; und wie sie dort nutzbar angelegt werden, wer vermag es zu controlliren? Wenn die Lehrer „hüben und drüben" dieselben Anstrengungen gemacht hätten für ihren eigenen Stand; wie könnte dieser blühen und gedeihen! — Herr Dr. Ph. möge doch auch ein Mal vor eigener Tbüre kehren. Sind die Rabbiner denn alle und ohne Unterschied so außerordentlich gebildet? Erfüllen sie alle .ihren Beruf? Sind sie Alle demselben gewachsen? Gibt'« keine Unwürdigen unter ihnen? Ich will keine Parallelle ziehen; ich möchte noch viel weniger den edlen Gliedern de« Rabbiner - Stande« zu nahe treten. Ich möchte nur meine Behauptungen erhärten, daß da« „akademische Bier" und „das Studiren auf der Universität" e« nicht thun, sondern viel *) Wo übrigens früher schon aus der H. Goldschmidt'- scheu Sttstung Studirende unterstützt wurden, was den Begleitworten zur Rietzerstiftung nach, dem Herrn Redacteur der „31. Ztg. d. I." unbckannt gewesen sein muh. mehr die Berufstreue und da« aufopfernde Streben und das findet man mindesten« ebenso wohl und so oft beim Lehreral« beim Rabbiaerstande. Sapienti sat! v R. Paris, 18. Febr. Crömieux ist nicht in die Nationalversammlung gewählt worden. Diese Thalfache, über deren Tendenz man sich hier selbst nicht recht klar ist, dürste zumeist in der letzten RegierungSthat dieses Manne» ihre Quelle haben; in derGegenzeichnuug de« Dekret« von Gambetta, durch welche da» allgemeine Stimmrecht beschränkt werden sollte, in welchem der Justizminister wohl einem RechtSgefühle AnSdruck gab, der Unwürdige, welche der Gewalt gedient haben in gewaltthätiger Weise, ihre« höchsten bürgerlichen Rechtsverlustig machte; ein Grundsatz, der wohl sittlich aber nicht politisch correct sein mag. Herr Crömteux hat den hierüber gegen ihn aufgebrachten Beschuldigungen in einem Briefe so mannhaft geantwortet, daß diese Antwort ihm wieder viele Freunde erwarb, so daß eS jetzt möglich ist, daß ihm in Paris bei der Nachwahl doch wieder ein Sitz in der Nationalversammlung werden kann. Literarisches. Gr ätz, Prof. vr. H, Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft de« Judenthum« (Frankel'S Monatsschrift), zwanzigster Jahrgang. (Neue Folge, dritter Jahrgang.) Januar 1871. BreSlau, Schlettersche Buchhandlung. (H. Skutsch.) 12 Hefte, 3 Thlr. Inhalt: 1) Die beiden Bm Ascher und die Masora, vom Herausgeber (unvollendet); 2) Biographie Agrippa's Ü. (Schluß), von M. Braun; 3) Der ägyptische Arzt Muwaffik ben Saraah, von vr. Goldzieher; 4) Einige« über Ursprung und Bedeutung des Traktate« Edujoth, von vr. Dünner (unvollendet); 5) Recenstonen (Johann Reuchlin rc.), von vr. Ludwig Geiger. Als Nachtrag knüpfen wir hieran den Bericht über das verspätet ausgegebene vierte Heft des vorige« Jahrgangs von Geiger'« „Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben." Dasselbe enthält: 1) Johann Reuchlin unh daS Judeuthum. Diese Abhandlung ruht auf der« bezüglichen Schrift de« vr. Ludw. Geiger. Wir schmälern da« Verdienst Reuchliu'S nicht, aber wir glaub«, weder da« Judenthum noch die Reformation haben «» ihm Dank zu wisien, denn er war

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