Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 9 (1.3.1871)
- Date
- 1871-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5433774--3306-4899566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sohn, beerdigt. Wenn schon die hervorragende Stellung, welche der verewigte Gatte der Verstorbenen in der jüdische» Geschichte der neuen Zeit sich errangen, dieser Fmu eine besonders ausgezeichnete Stellung sicherte, so wurde die Hochachtung vor der Hingeschiedenen — die sich auch in einem sehr zahlreichen Leichengeleite aussprach — noch erhöht durch eine Reihe persönlicher Vorzüge, durch eine gesegnete Wirksamkeit im Dienste der Humanität, durch reiches Wohlthun an Angehörige jedes Glaubens ohne Unterschied, während sie für sich ein überaus bescheidene», ja fast mehr als sparsames Leben führte. An ihrem Grabe wurde hervor gehoben, daß mit der Heimgegangenen abermals ein Stück jüdischer Entwicklungsgeschichte eingesargt worden, da die Verstorbene an den Bestrebungen ihre» verewigten Gatten den regsten Antheil nahm. — Friede ihrer Asche! — Bo» der Lahn. „Die Politik von Eisen und Blut scheint jetzt bei manchen miserablen Seriblern auch in der Literatur sich breit machen zu wollen!" An diesen Ausspruch mahnt unS eine Schmähschrift des adeligen (sie!) Herrn Schars von Scharfenstein, „das entlarvteJudenthum" betitelt; womit derselbe einen wahren GuerillaS-Krieg gegm die seit Jahrhunderten in Europa und in anderen Welttheilen wohnenden Israeliten zu eröffnen gedenkt. Dabei scheut es der gallensüchtige Junker nicht, nach dem Grundsätze der Jesuiten, daß „der Zweck die Mittel heiligt," selbst Stellen auö der h. Schrift zu verdrehen und fälschlich anzuwenden; sowie er auch vor Lüge, die seiner Bosheit dienen körmte, nicht zurückschreckt! Derselbe schrieb schon in der Reactionszeit (1852) über die Frankfurter Israeliten folgende Calumnie: „Dort in Frankfurt am Main, der alten Kaiserstadt deö deutschen Reichs rc., gibt es eine Gaffe, „Judengaffe" geheißen. Sie war zu jener Zeit, wo das übermüthige Volk der Hebräer wohl schon von der Weltherrschaft träumte, aber noch nicht fortwährend daran dachte, sie zu erschleichen, nur von Juden bewohnt. Jetzt wohnen dort viele arme Christen, Söhne und Nachkommen jener alten Bürgerfamilien, welche Judenkniffe und Schliche zu Grunde gerichtet haben." 4 Wahrscheinlich glaubt nun der junkerliche Kämpe, daß jetzt nach dem fürchterlichen Kriege wieder eine ReactionSzeit beginnen werde, die seine giftige Aussaat eher zur Reife bringen dürfte. Nun, wir wollen vorläufig dem elenden Schwätzer ebenfalls mit einem Kernspruche der h. Schrift erwidern: „Ein „geschärfter" Pfeil ist ihre (der Verläumdnng) Zunge, die redet Lug und Trug." (Irre? miaS 9, 7.) ES war nämlich im Jahre 1700, als der charakterlose Wortverdreher und boshafte Berläumder Gsenmenger einen Folianten mit einem ähnlichen Titel: „Neu entdecktes Judenthum," in Frankfurt a. M. drucken ließ. War schon auf den Namen dieses Lästerers deö Prophetm Wort von der eisernen Pfeilspitze anwendbar, so ist diese» Wort vom geschärften Pfelle auf den Alles in seinen Koth herabziehenden Herrn Scharf von Scharsenstein noch treffender! Und wenn nach der Behauptung desselben, die gegenwärttgen Bewohner der vormaligen Judengasse Nachkommen der alten Bürgerfamilien (wohl gar Patricier!) Frankfurt'S sind — was wir jedem Frankfurter zu beurtheilen anheim gebm —: so möchten wir fast glauben, daß dieser Herr Scharf ebenfalls -ein Nachkommen des alten Eisenmengers sei, welcher bekanntlich aus Verdruß, daß sein Buch nicht dm gewünschten pecuniären Erfolg für seine leeren Taschen hatte, bald darauf (1704) gestorben ist! Sapienti sat. H. Frankfurt a. M Die Rießerstiftung hat bereits die Verleihung eines Stipendiums von 300 fl. für einen jüd. Studirendm der Universität Heidelberg angeordnet und sollen sich die darauf Anspruch machenden (man vergleiche die betreffenden Statuten) an den Di» rector Herrn Or. Auerbach in Frankfurt a. M. wenden. Grötzingen. Der Mangel an jüdischen Lehrern in unserem Baden, der auch bis heute noch fortbesteht, hat feine guten Früchte getragen. Denn al» vor 2 Jahren der Großh.' Oberrath den festen GehaÜ der Religionslehrer auf 265 fl. und eine entsprechende Vergütung für den Vorsängerdienst festsetzte, fand man viele Gemeinden, die sich dieser Verordnung nicht unterziehen wollten. Aber der Mangel an Lehrern hat diese Gemeinden eines Bessern belehrt und keine derselben denkt mehr daran, ihre vakant gewordene Stelle mit weniger als 265 fl auszuschreiben. — Vier isr. Einjahrig-Freiwillige in Baden wurdm währmd des Krieges zu Seconde-Lieutenandts befördert.*) Ihr geschätztes Blatt brachte vor noch nicht langer Zeit die Mittheilung, daß in Gailiagcn Herr Guggenheim als Bürgermeister daselbst gewählt wurde; ich bin heute in der Lage, Ihnen über die herrschende, tolerante Gesinnung in unserem Lande noch weiter hinzuzufügm, daß Bernheim in Thiengen, Kaufmann in Haimstadt und Hausmann in Flehingen als Gemeinderäthe gewählt wurden; auch in Schmieheim wurden 3 Israeliten in dm Gemeinderath gewählt. Aus Oberhefsc», im Febr. Sie haben in Ihrem Leitarttkel über die Wahl und Anstellung von Lehrern einen wunden — den wundesten Fleck im jü- *) Dürsten wir um Namen bitten? Red. ,