Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 9 (1.3.1871)
- Date
- 1871-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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große Masse der s. g. Religionslehrer (— in Bayern, Baden rc. rc. —) auf» ihrer Aufgabe gegen sich und ihrer Angehörigen, ihrer Pflicht gegen dieGefammtheit des Lehrerstandes endlich nachzukowmen! Von Zahr zu Jahr erhöht sich di« Schwierigkeit des Eintritt»; jetzt ist er noch möglich. Wcnn noch einige Jahre vorübergegangen, so werden nur noch ganz junge Lehrer Aufnahme finden können. Mögen unsere College« daher sich befinuen, ehe eS „zu spätist. Mögen die Väter e« nicht möglich machen, daß einst ihre unversorgten Waisen an ih.rem Grabe auSrufen: Vater, Du hast D ei ne Pflicht nicht erfüllt. Du hast die g ebotenen Mittel nicht benützt, um meine Zugendjahre vor dringendster Noth zu schützen. Mögen insbesondere die jungen Lehrer alsbald, bei ihrem Eintritte ivS Amt, auch in die Achawa einlreten, wo ihnen der Eintritt so leicht ist. Nur der eines Lehrers unwürdige Leichtsinn hebt eine Pflicht, die er gleich erfüllen könnte, auf spätere Zeiten aus, wo sie schwerer wird. Wir möchten auch ein Wort zu den bestehenden kleineren provinziellen Vereinigungen sprechen. Sollten die Errungenschaften unserer Zeit diese Herren nicht bedenklich machen über ihre Sonderbestrebungen? Wir möchten, ohne denselben zu nahe zu treten, ohne sie zU kränken, jetzt nochmals und mit verstärkter Krasr aus den von uns von Anfang her verfochtenen Satz aufmerksam machen: »Nur in der Einheit liegt die Macht." Wir glauben, daß schon die Gegenwart unS Recht gibt; daß aber mehr noch die Zukunft die Wahrheit unserer Anschauung bekräftigen wird: daß die kleinen Vereine von 40—50 Mitgliedern keine Zukunst haben; daß aber ein Zusammengehen Aller, daS jede immerhin mögliche und faktisch auch vorkommende Concurrenz der einzelnen Vereine auSschließt, von den heilsamsten Folgen sein würde. Unsere Thätigkeit für den Verein ist wohl noch eine so hingebende, wie früher; doch ist sie durch die wohlorganisirte Verwaltung in Frankfurt a. M. eine naturgemäß sehr beschränkte. Man kann also uns heute nicht mehr, wie früher wiederholt geschehen — leider n.cht zur Ehre und nicht zum Wohle des Lehrrrstandes, — selbstsüchtiger Tendenzen beschuldigen, wennwir sagen: laßt unS einig zusammengeh en, laßt unS den Weg zur Einigung suchen, zum Heile, zum Wohle des Ganzen! Wenn wir jetzt uns aneinander anschließen, dann haben wir eine großartige Institution^ die die noch zurüüstehenden, die einiges Ehrgefühl haben, zum Eintritte fast zwingt. Geben wir den Gemeinden nicht die Möglichkeit, von der Entzweiung des LehrrrstandeS zu sprechen und sich dieselbe auch nutzbar zumachen. Handeln wir nicht so — nun, die Achawa wird doch in ihrer seitherigen gesegneten Wirksamkeit fortbestehen und auch die anderen Vereine werden vielleicht ihr Leben fristen, aber der herrlichen Thatsache, daß der israelitische Lehrerstand von ganz Deutschland einer einzigen wohlgegliederten Vereinigung angrhöre, werden wir verlustig sein. Wir wenden uns schließlich an die israelitischen Gemeinden und deren Vorstände in ganz Deutschland. Was wir hier geschaffen haben für Lehrer, daS ist eigentlichebensosehr geschehen zum Heile des Ganzen, der Gemeinden und ihrer Angehörigen, der Schulen, der Eltern und der Kinder. Versagen Sie unS Ihre Theilnahme und Ihre Mitwirkung nicht. Sehen Sie ans das leuchtende Beispiel zumeist solcher Gemeinden, d«ren Lehrer wohl in den Gemeinden selb ihre hinreichende Versorgung haben, auf die cc 159 Ehrenmitglieder in F r a n k s u r t a. M., auf die jährlichen Beiträge der Gemeinden München, Regensburg, Nürnberg u. A. m. In jeder Gemeinde wird und muß rS einige Männer oder doch eine Vereinigung, eine Chebra geben,-welche für eine solche wohlthätige Anstalt, für eine Institution von so mächtiger Bedeutung für Cultur und Judenthum, jährlich einige Thaler aufzuwenden vermögen und hierzu Willens sind. Und ist dies nicht möglich, dann übernehmen Sie einen kleinen festen Beitrag auf ihre Gemeindekasse. Der Segen für die Einzelnen wie für die Gesammtheil wird nicht ausbleiben. Wohlan denn! Lassen Sie nns zusammenwirken, Gemeinden, Vorstände und Lehrer — und Rabbinen! Wir haben diesen hochbedeutsamen Faktor im Gesammtleben der Judenheit hier immer miteinbegriffen, wo wir „Lehrer" sagten, weil sie ja in dieser Angelegenheit wie in vielen anderen als Volkslehrer im 'höheren Sinn gelten sollen; — und wenn wir so einig zusammen gehen njjQ U'T dann wird das Werk unserer Hände gelingen — durch Ichn! Ober Ingelheim, $2. Febr. 1871. I. K l in ge n st e i n. Wochenbericht. Berlin, 22. Febr. Zn Folge einer Verfügung des evangelischen Oberkirchenraths für Preußen hat sich das Consistorium der Provinz Brandenburg veranlaßt gesehen, folgendes höchst merkwürdige und für daS Jahr 1871 und den eben eingetretenen Moment des Friedensschlusses ebenso ominöse als bezeichnende Aktenstück, d. h. Verfügung zu erlaffen.