Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 9 (1.3.1871)
- Date
- 1871-03-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I 66 — ersten. Gabe» .für den ve^iu hatten »ir in Nr. 2 vom Jahre 1864 zu verzeichnen; die erste Generalversammlung fand am 22. August 1864 in Mainz statt; die zweite am 19. und 20. August 1867 zu Frankfurt a. M. Also zehntausend Gulden und eine laufende Einnahme von mindestens 1809 fl. I Eine Anstalt, wie di« unsrige, ist mit solchen Mitteln wohl geborgen und darf mit der größten Ruhe und Zuverficht der Zukunst entgegensehen. Unsere College« und Leser werden uns erlauben, an diese erfreulichen Resultate einige ernste Bemerkungen zu knüpfen. Hat die Achawa ihre Aufgabe ganz erreicht? Können wir nunmehr „auf unseren Lorbeeren" ruhen? Wir würden die» bedauern, denn jede Institution braucht zu ihrer Kräftigung, zur Erfüllung ihrer Aufgabe im Leben einer steten, lebendige» Theilnahme; und besonders die Lehrer sollen zu keiner Zeit daS Wort „Leben ist Streben" vergessen. „Die Achawa gibt nach den derzeit errungenen Resultaten ttner beschränkten Zahl von Lehrern «ine beruhigende Aussicht auf eine bescheidene Versorgung im Alter, auf Unterstützung ihrer dürftigen Hinterbliebenen." Zn diesem Satze sind so viele Beifügungen, deren Hiuwegräumung erwünscht wäre, daß diese schon die Freude an diesen so herrlichen Resultaten bedeutend schmälern. Noch ist «S vor Allem leider nur eine verhältnißmäßig sehr kleine Anzahl von Lehrern, welche Glieder unseres Vereines sind; noch steht weitaus der größte Theil demselben fremd gegenüber! Leugnen wir eS nicht: diese Thatsache allein schon ist sehr schmerzlich, sehr uiederdrückevd, sehr nachtheilig für unseren Stand und seine Genossen und gereicht demselben nicht zur Ehre. Wenn schon die jüdischen Weisen den sittlichen Grundsatz aufstellev ~imn jo man und ihn gewiß auch auf solche allgemeine Standesanstalten gedeutet haben würden" wenn solche in jener Zeit bestanden hätten, so dürfen wir es umsomehr als eine heilige Aufgabe eines jeden Lehrers, der auf diesen Namen Anspruch machen will, betrachten, von der Theilnahme an solchen Institutionen und Veranstaltungen sich nicht zurückhalten zulasten durch kleinliche egoistisch« Bedenken; so dürsen wir erwarten, daß jeder Lehrer hier eintrete, wo eS sich ebensowohl um daS Heil des Ganzen, dem jeder Eiuzelne angehört als auch um daS Hell des Einzelnen selbst, um die eigene Versorgung zur Zeit der Dienstunfähigkeit, des Unglücks, der Verlassenheit, um die wirksame Versorgung unserer Hinterbliebenen, unserer verlastenen Liebe», unserer Wittwen und Masten handelt; wir dürfen verlangen, daß kein Lehrer sich zurückziehe, sondern eintrete mit seiner Persönlichkeit, mit seiner Kraft, mit seinen wenn auch» bescheidenen Mistffp. Wer sich. a»Ssth>id»t von der Gesammtheit seiner Genosten, der verdient Mcht den Namen eines Lehrer«, weil er sie der Kraft beraubt, die einem jeden Einzelnen zum Heile des Ganzen gegeben ist und die an und für sich in der Einigkeit, in dem Zusammengehen einer großen Gesammtheit von Angehörigen eines Stande« liegt. Wohl, nach den vorliegenden Resultaten kann es den derzeittgenMitgliedern derAchawa au und für sich gleichgilttg sein, ob die Zahl der Mitglieder sich erhöht oder nicht; es muß sogar fraglich erscheinen, ob nicht im Gegentheil die materiellen Vortheile sich durch Aufnahme einer größeren Zahl von Mitgliedern etwas vermindern, weil die Erträgnisse vielleicht nicht mehr mit der wachsenden Zahl der Teilnehmenden gleichen Schritt halten könnten. Aber nichtsdestoweniger ist es für jeden Einsichtigen schmerzlich, wenn er sieht, wie so viele sich des ghnen gebotenen Mittels nicht bedienen, und der Achawa absiMlich oder aus Indolenz fremd bleiben. Was sollen die Gemeinden, waS die einzelnen Ehrenmitglieder sagen, wenn ihnen ein Verzeichniß der jüdischen Lehrer eines Vereins von „ganz Deutschland* vorgelegt wird, da« im Ganzen 200 Mitglieder zählt? Wie, werden sie fragen, sind das die — d. h. alle — Lehrer von Deutschland, die an einer solchen Anstalt Jntereste haben? Kaum der fünfte Theil mehr als die Ehrenmitglieder in Frankfurt a. M.? Haben die Lehrer so wenig Interesse für ihre eigenen Angelegenheiten, so sind sie eine ihres Berufes und ihrer Aufgabe unwürdige Genostenschast; eS ist ein fauler 'Stand, für den wir nichts thun wollen. Und was werden die Gemeinden sagen? „Wmn wir einen Lehrer aufnehmen, so schreit er über Mangel an hinreichender Fürsorge, spricht von Pension für sich im Alter, von genügender Versorgung für seine Angehörigen nach seinem Ableben; und hier sind ihm für 2.Thaler jährlich, für nicht ganze 2 Pfennige täglich, — die doch sicher ein jeder Lehrer heutzutage aus seinem Einkommen zu ersparen vermag, — die Mittel geboten, sich da« Alles zu erwerben und zugleich sich als lebendiges Glied de« Ganzen zu bethättgen — und er entzieht sich dieser Vereinigung? Wahrlich, wer so gleichgilttg gegen seine eigene Zukunft ist, wer so wenig Zntereste zeigt für seine eigenen heiligsten Angelegenheiten, wer so theilnahmloS ist seinen Stande»- und Berufsgenosten gegenüber, wie kann der treu sein und wirken für Andere, im helligsten aber auch anstrengendsten Berufe, der die größte Aufopferung und Hingebung erfordert? Wir fragen, ob unser Raisonnement richtig; wir fordern jeden Einsichtigen auf, demselben zu widersprechen, wenn er vermag. So fordern wir denn die noch Außenstehenden, unsere College» in Nah und Fern, insbesondere die