Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 9 (1.3.1871)
- Date
- 1871-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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er «Israelitische Ichrcr. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer stände«. Organ für den Verein „Achawa." M 9. Den I. März 1871. 11. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer «ierteljShrlicher «boimementSprei« 40 kr. — 11% Sgr. Slnjhgm zu 1 Sgr. bi« Petüzeil« Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Die ersten Aehntanfend. Der stolze Sohn Englands kann kaum mit so gerechter Befriedigung. die „ersten Zehntausend seiner Nation,* die Aristokratie seines Landes und Volke» nennen, als. wir heute ein für unsere jüdischen Kollegen wichtiges „Zehntausend" registriren; und sicher wird ein großer Theil unserer geschätzten Leser m<t der gleichen Befriedigung den Sinn unserer Ueberschrift vernehmen. Der sechste Rechenschaftsbericht unserer Achawa, de« Vereins zu'r Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen- und Waisen, ist erschienen." Er weist nach, daß unser Verein am 1. Januar 1871 ein Vermögen v o n 9200 fl. in StaatSpapierenundeinenBaarvorrath von 1568 fl. 58k r., also zusammen wohl zehntaufendsiebenhundert und achtundsechSzig Gulden und 58 kr. hatte. Die Zabl der aktiven Mitglieder, also derjenigen, welche eigentlich Anrecht an diesem Vermögen verlangen, ist etwa 200. ES kommt daher hievon auf jeden Einzelnen des Vereins ein Thrilvermögen von nahezu sechSzig G«lden. Mehr noch! Eine wohlthätige Anstalt besitzt erst da» recht, was sie an die ihr Anbefohlenen, die Armen und Unglücklichen zu verwenden vermochte. „Geben ist hier der wahre Reichthum." Die Summe, welche nach unseren Statuten im laufenden Jahr« zu vertheilen war. betrug 1254 fl. 20 kr. Rechnen wir hierzu 140 fl., welche im L a u fe des Jahres au« dem Reservefond an Unterstützungen verausgabt worden, so ergibt sich für das Jahr 1870 eine Gefammtunterstützung von 1394 fl. Ä) kr., und wenn wir hier Wieder denselbeu Maßstob anlegen, wie oben, so entfällt auf jedeaktive Mitglied eine Uninflützungtsumme von circa 7 fl. — gerade doppelt so viel, als der Beitrag ist, welchen der Einzelne zu zahlen hatte. Die statutengemäße BerthetlungSsumme von 1254 fl. 20 kr. kam in 17% Theilen an 14 Bezugsberechtigten; eS betrug ein einfacher Theil 70 fl. 40 kr. Den größten. Antheil erhielten die Wittwe eine» Lehrers mit 6 unversorgten Kindern und ein erblindeter College mit Familie: je 141 fl. 20 kr., einige Wittwen mit Kindern erhielten je 123 fl. 40 kr. und fl. 106 und in neun Fällen wurde ein einfacher Theil mit 70 fl. 40 kr. gegeben. Unser Verein hat also während seines Bestehen», in den ersten 6 Jahren, seine bedürftigen 'Mitglieder und deren Hinterbliebenen im Ganzen mit 4285 fl. 13 kr. unterstützt.- Wenn wir bedenken, daß in Bayern der vom Staate bewilligte Lehrerwittwengehalt etwa 70 fl. und in Hesien 100 fl. beträgt, und daß in Hesien die Waisen nur aus dem allgemeinen Waisenfond etwa — bei gänzlicher Mittellosigkeit — bedacht werden, während sie bei dem eigentlichen Wittwengrhalt gar nicht in Betracht kommen, so dürfen wir getrost unsere Anstalt der besten staatlichen an die Seite stellen, umsomehr, als wir in Hessen z. B. 6 fl. 30 kr. jährlich beitragen und ein Eintrittsgeld von 22 fl. zahlen müflen. Eine alleinstehende Wittwe vom Lande ist nicht mehr ganz verlasien, wenn sie 70 fl. 40 kr. jährlich Beitrag zu Ihrem Lebensunterhalt erhält. Es gibt heute noch aktive jüdische Lehrer, die nicht 2 mal 141 fl. 20 kr. im Jahre rsnnehmen. Unser Verein ist erst 7 Jahre alt; Andere Vereine ähnlicher Art haben oft länger zu thnn, um nur überhaupt ihre eigentliche Aufgabe, ihre aktive Thätigkeit beginnen zu können. Die erste Anregung gaben wir in Nr. 38 des „J«r. Lehrer" vom Jahre 1863 in einem Artikel unter dem Titel „die Selbsthülfe". Die erste eigentlich entschiedene Aufforderung geschah in einem Aufruf-in Nr. 49 deffelben Jahrgangs. Die