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Der israelitische Lehrer · 1871-02-22 · 8 (22.2.1871) · p. Seite 61

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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61 bic im jüdischen CultuS von alterSher ringt führten öf* fentlchen Gebete einfach weggestrichen und wegdecretirt werden können. Die Schlußsätze de« Protestes drohen mit Steuerverweigerung, falls die CultuSgemeinde nuf ihrem Beschluß beharren würde. Kaufmann und Kam» merrath Trebitsch ermahnt zur Einigkeit, die dem Judenthume stets trotz aller Verfolgungen Bestand gab. Wie». Sie wollen hiesige Neuigkeiten erfahren; wovon spricht die Welt nach der Pariser Kapitulation jetzt anders, als von dem neuen Ministerium. Beides interessirt die Leser Ihres Blattes nicht, höre ich Sie sagen. Aber da daS ganze Ministerium nicht verfassungSgemäß berufen ist, da es dazu ultramontan und deutsch-feindlich zusammengesetzt ist: sy ist die Furcht vor Gefährdung der Verfassung überhaupt und der konfessionellen Gleichberechtigung insbesondere nicht unbegründet. Sie sehen, die Sache geht auch unS Juden als solche sehr nahe an. Und dennoch glaube ich, die geängsteten Gemüther beruhigen zu können. ES ist nicht dabei auf Verfassung und Juden abgesehen, obwohl eine.reaktionäre Bewegung gegen den Liberalismus und zu Gunsten deS UltramontaniSmuS beabsichtigt scheint. Diese Gefahr ist aber auch anderswo vorhanden und ist eine Frucht von der Machtentfaltung deS Militarismus. Ich unterstütze meine Altsicht mit der Vermuthung. daß das ganze Gewebe von Bismark angezettelt ist, der unserer Regierung ja wieder näher steht, als vordem. Er hat Oesterreich immer gerathen, seine Kraft außerhalb Deutschlands zu suchen und nunmehr die Regierung getrieben, wie jenseits der Leitha ein magyarisches, so diesseits ein czechischeS Ministerium zu creiren, um so beide feindliche Elemente mit sich zu versöhnen Wenn 'er dabei dem Deutschthum in Oesterreich einen Schlag ins Gesicht versetzen half, so drängt er dadurch vielleicht um so schneller wieder zur Verbindung mit dem großen deutschen Reiche hin. So wird es auch verständlich, daß Hohenlohe, der frühere bairische Minister, der stets fest zu BiSmark und Preußen stand, dem österreichischen Kaiser die Ministerliste voraelegt hat, und daß neuerdings die Norddeutsche Allgemeine, BiSmark'S Organ, für die Männer derselben in die Schranken tritt. Pctzh. Wenn die Staatsgerichte einen Rabbiner zwingen wollen, eine religionswidrige Eheschei? dung vorzunehmen, und ihn wegen seiner Weigerung mit Geldstrafen belegen: so erkennen wir daran das Mißliche der Einmischung de- Staats in religiöse Angelegenheiten. Wir leugnen nicht, daß die religiösen Ehegesetze von ehemals ebenfalls zum Theil in staatlichen Verhältnissen begründet sind und deßhalb einer Reform zugänglich gemacht werden müssen; aber der Staat muß dem religiösen Gebiete fern bleiben. Der jüngst wieder ausgeübte Zwang zur Erwirkung einer Chalizah hat eine bessere Absicht, denn er ist nicht gegen den Rabbiner und die Religion, sondern gegen den Willkühr und Prellerei beabsichtigenden Schwager gerichtet. Aber um des PrincipS willen räumen wir auch hier dem Staate kein Recht der Einmischung ein. ' t Beim hiesigen Rabbinate kamen im verflossenen Jahre 98 Eheprozesse und 21 Ehescheidungen vor. Man freut sich deS günstigen Verhältnisses, da im vorigen Jahre 18 Ehescheidungen vorkamen. ES find also doch 3 mehr, also immer eine Zu- und keine Abnahme. Oder liegt daS günstige Resultat in unS unbekannten statistischen Verhältnissen? AlSdann hätte man diese mittheilen müssen. Petz, 5. Febr. . Unser Tempel wurde gestern während deS Gottesdienstes von einer interessanten, in der jüngsten Zeit vielgenannten Persönlichkeit besucht. ES war dieö Herr Benjamin Peixotto, der nach Bukarest ernannte Konsul der Vereinigten Staaten, dessen Aufgabe es zunächst sein wird, im Namen seiner Regierung für die Rechte seiner verfolgten ynd gekränkten Glaubensbrürer kräftig einzutreten. Herr Peixotto, der zur Thora gerufen ward nnd bei vieler Gelegenheit eine namhafte Summe spendete, ließ sich nach Beendigung des Gottesdienstes den beiden Herren Gemeindepredigern vorstellen, die ihn, bei der karg zugemessenen Zeit, nur in das nahe Knabenwaisenhau' führen konnten, das er mit den Ausdrücken höchster Befriedigung genau besichtigte. Herr Peixotto, ein noch junger Mann von 37 Jahren, besitzt eben so feine und einnehmende Manieren, wie ein auSgebreiteteS Wissen und - ist in der jüdischen Geschichte und Literatur wohl bewandert. Ueber unseren Gottesdienst sprach er sich anerkennend aus, und formulirte sein GlaubenSbekenntniß dahin, daß er ein Mann des entschiedenen Fortschrittes auch auf religiösem Gebiete sei, was wir den Andeutungen gewisser Blätter gegenüber konstatiren zu müssen glauben, die ihn für einen der neuorthodoxen Richtung sich Zuneigenden ausgegeben haben. Herr Peixotto ist heute nach Bukarest abgereist; unser« besten Wünsche und Hoffnungen begleiten ihn. Bei dieser Gelegenheit wollen wir erwähnen, daß der jüngste Freitagabend-Gottesdienst in unserem Tempel von den hervorragendsten Mitgliedern der österreickischen Delegation besucht war. (U. j. W.) Kesekrmöt, 20. Januar. Der „ungarischen israelitischen Wochenschrift" wird von hier geschrieben:*) Der dieser Tage von dem Zentral»Ausschüsse *) WaS wir zum Beweise tont comme chesjnotu hier wiedergeben. Red.

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