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Der israelitische Lehrer · 1871-02-22 · 8 (22.2.1871) · p. Seite 60

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 — an dessen Spitze al« erstes Synhedral-Paar (nun) Zofe den Joeser und Zofe den Jochanan standen, von denen der Ersten ebenfalls dem Priester lSaducäer)- Geschlrchte angehörte. Wi erkennen also auch hier wieder, daß die Institution der Synhedral-Paare mit ihrem alternirenden Vorsitze demjenigen des n'eu für religiöse und demjenigen deS pn n'2 3« für weltliche Angelegenheiten, der Theilung der Gewalten, der Trennung von Staat und Kirche gilt. Beide waren ursprünglich selbstständig und coordinirt. Erst al» in der häS»- monäifchen Periode ein Priester-Königthum eingesetzt wurde, erhob sich mit dem priesterlichcn Einfluß nicht nur sofort wieder der alte Saducäer- und Pharisäer- Streit, sondern, da die Maccabäer - Priester und Könige stets den Vorsitz im Synhedrim sührten, wurde der subordinirt und abhängig, und um sich den Einsiuß in ällen Fällen zu sichern, stellten die Maccabäerfürsten sogar einen stellvertetenden Präsident n an, wodurch eS kam, daß das Synhedrium statt 70 eigentlich 71 Mitglieder zählte. Das Judenthum geht demnach auch hier wieder theoretisch und praktisch mit leuchtendem Beispiele voran; es hat von Anfang Trennung der Gewalten, der politischen und religiösen, Trennung von Staat und Kirche auf seine Fahne glschriebeo. Es ist demnach ein verbreiteter Jrnhum, daß. der jüdische Staat ein Priesterstaat gewesen sei, oder habe sein sollen. DaS Judenthum kennt weder einen Priesterstaat, noch eine absolute Monarchie. .Theokratisch war seine Verfasiung. Gott und sein Gesetz sollten herrschen (rsgner); Priester und Richter (Könige) sollten beide gemeinsam regieren (xouvorner). - Die -oberste Macht sollte Keiner von ihnen haben. Aber freilich beide rangen darum, und dies war der Derder.b Israels. Die Zeiten waren für solche idealen Zustände noch nicht gemacht und reif. Sie sind eS heute noch nicht. Aber das Judenthum ist wie daS religiöse, auch das politische Vorbild, dem n-chzastreben ist. Alzey. vr. R. Wochenbericht. Wien. Der Vorstand hat jdie Einführung der Orgel in die Synagoge beschlossen. Es läßt sich nicht leugne«: zu dem traditionellen Synagogalgesang paßt die Orgel ebensowenig, wie zu den modernen Synagogal-Compvfittonen, nicht nur, weil die Orgelbegleilunz fehlt, sondern wegen de» eingebürgerten FiguralgesangS und deS lebhaften Tempos, welches unseren Gesängen eigen ist. Sie sind und bleibe» deßhalb Kunstvorträge und bedürfen stet» eines geschulten Chor». Auf der Leipziger Synode ist, wie so Vieles, auch die Orgelfrage übereilt und oberflächlich behandelt worden, ohne Kenntniß der Musik überhaupt und des Instruments insbesondere. Man täuscht sich daher, wenn man hofft, durch die Orgel allein sä on die Massenbetheiligung der Gemeinde am Gesänge zu erwirken, welche sich bisher passiv verhielt und die Ausführung des Gottesdienstes einem geschulten Chor überwies Die Uebelstände, welche in dieser Einrichtung liegen, sind nicht zu verkennen. Die CultuS- , reform blieb hierdurch auf die großen Gemeinden beschränkt, und diese wurden zur religiösen Tbeilnahmlosigkeit förmlich erzogen. Man hat den Grund deS UebelS richtig erkannt, aber man täuscht sich, wenn man glaubt, dieses mit der Orgel allein heben zu können. An einem mehrstimmigen, figurirten Gesänge wird sich die Gemeinde nie mit Erf.'lg betheiligen können, trotz Chor und Orgel. Die geringsten Ansprüche an Musik würden hier unbefriedigt bleiben; eS gäbe eine Judenschule anderer Art. Vielmehr wird es nöthig sein, die Gesänge einstimmig zu halten, von Figuren zu besteien und durchgängig ein langsames Tempo zu wählen. Wenn wir auch nicht .den vielgeschmähten Chorälmelodieen in ibrem langathmigen Dierviertel - Takt das Wort reden, so wird aber doch vor herrschend getragene Munk zu empfehlen sein. Werden wir unseren talentvollen Sulzer noch einmal als Regenerator der Synagogal-Musik zu begrüßen haben? Wir wissen nicht, wie er zur hiesigen Orgelfrage steht. Wien. Die „N. ft. Pr." schreibt: „Der Beschluß der Wiener CultuSgemeinde vom 22. d, eine Reform des jüdischen CultuS durckzuführen, hat die Orthodoxen ungemein erbittert, und ist diese Partei zu dem energischesten Wiederstande entschloffen. .Unter dem Vorsitze des Kaufmannes I. L. Freistadtl versammelten sich Samstag Abends in dem Tempel in der großen Schiffzasie an 1200 konservative Gemeindemitglieder; doch fehlten auch die „Jungen" nicht, deren Opposition hie und da große Tumulte hervorrief. Der Präses ergreift zuerst das Wort und fordert zu einem Proteste gegen die Beschlüffe der CultnSgemeinde auf. Dem von dem Redner vorgelegten Preteste entnehmen wir folgende Stellen: „Welchen Parieistandpunkt wir auch immer einnehmen, fo erachten wir es als eine statutenwidrige Ueberschreitung der Competenz der hiesigen Vertretung der Gemeind«, daß, ohne Zuziehung von Fachmännern und «hne Begehung auf Beschlüsse von gesetzlich im rJuland coustitui-teo Synoden, durch die bloße Abstimmung von 25 Männern

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