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Der israelitische Lehrer · 1871-02-22 · 8 (22.2.1871) · p. Seite 59

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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— öS — an ^<it rinmal wieder der Mann von Epoche rnachendem"Einfluß ('^12 vmr:-'3) hatte keinm würdigen Mann als Nachfolger aufiustellen. Daß man auf seine unfähigen nnd unwürdiqen Söhne vorübergehend sein Augenmerk richtete, gibt den Beweis ab. wir fckwer die Männer zu finden waren, denen man die politische Führung des Volks anvertrauen konnte, die aber auch unelgenützig genug waren, sie ausschließlich im öffentlichen Interesse zu übernehmen. Schon, daß man an die „Söhne" Samuel's dachte, war ein Vorläufer der monarchischen Idee, eine Anbahnung der „erblichen" Herrschaft und Regierung. Die UnfertigKit der politischen Zustände l'eß indeß die Führung einer kräffigen Hand nicht lange entbehrlich erscheinen. Je länger die Eonsolidirung des israelitischen Staats auf sich waiten ließ, desto häufiger und kräftiger waren die kriegerischen Vorstöße der vertriebenen und umwohnenden Völkerschaften, um ihren früheren Besitz und ihre ehemalige Stellung wieder zurückzuerobern oder gar zu erweitern. Ja ein kanaanitiscker Stamm (JebuS) befand sich noch in Mitten des israelitischen Volks und Landes. Aber auck ein anderes Motiv drängte zur Einsetzung des KönigthnmS: Die Mahnung fremder, heidnischer Sitten, der weltlichen, wie religiösen, welche "von jeher in Israel stark und mäch- ' tig gewesen. Im Deuteronomium wie im Buche Samuel ist daher die Einsetzung des KönizthumS in Israel auch der Art motivirt und als eine Nachahmung heidnischer Sitte (o»on ^od) bezeichnet. ES ist somit klar gelegt, daß daS Königihum den politisch-religiösen Grundsätze» des JudenrhumS widerspricht. Man begreift darum auch nicht, wie man diesen Umstand übersehen und fortwährend noch für die Ursprünglichkeit und Authenticität deS bezüglichen KönigSabschnittS im Deuteronomium eintreten kann. Die Abfassung des ganzen Buchs gehört einer spätem Zeit an; dieser Abschnitt ist am allerwenigsten mosaischen Ursprungs, weil er dem Geiste des mosaischen Judenthums zuwider ist. Nur von diesem Gesichtspunkte begreift sich auch die Opposition Samuel's gegen die Einsetzung des Kinigthums. Samuel hatte ja politische Einsicht genug, um die Lage des Staats und dessen Bedürfnisse zu erkennen, er war uneigennützig genug, um den Jnlereffen des Volks nicht entgegen zu sein. Er erkannte aber, wie sehr einKönigthum mitasiatisch-deöpotischenTendenzen (o’Un ^>33) den Grundsätzen und Jntereffen, politischen wie religiösen, Israels widersprechen würde. Seine Opposition geht daher auch nur darauf au», vor einem solchen Königthum zu warnen; und wenn er nachher dennoch auf die Forderung des Volks eingebt, so geschah eS, weil es ihm gelang, das Königthutn auf demokratischer Grundlage aufzubauen. Die Erwählung Saul'S wie David'S deutet darauf hin; und hierin erkennen wir den Grund, warum er vor Allem in Saul und dem Könige den despotischen Eigenwillen zu brrchen suchte. Er strafte sofort den ersten Fall des Widerspruchs und der Eigenmächtigkeit nach dem Grundsätze prinvipii« obstu. Aber das israelitische Köniqthum entartete dennoch und führte nach Mose«' Voraussicht und Samuel's Ahnung und Befürchtung den politischen Untergang.Israels herbei. Nach der Rückkehr Zs aels au« Babel und in Folge der politischen und religiösen Restauration dachte man daher auch nicht trotz der mejstanischen Weissagungen an Wiederherstellung des Davidschen KönigthroneS; im Geg-ntbeil; trotz der Davidischen Abkunft ScrubabelS kam es doch nicht zur Wiedereinsetzung des KönigthumS. und obgleich die rettende That weltlicher Hand und weltlicher Kraft zuzüschreiben ist, war dennoch der priesterliche Einfluß mächtig (Joschua bm Jo-Zadok). Wir begegnen daher auch einer sofortigen Wiederherstellung der alten Einrichtung von der Theilung der Gewalten, der weltlichen und religiösen, der Trennung von Staat und Kirche. Wie ehemals MoseS und Aharon, so jetzt Scrubabel. und Jehosua, jener der Hohe-Richter, dieser der Hohe-Priester. Beide waren die Gesalbten Gottes. Danach ist der Inhalt von ' Secharja 4 und da« Bild der zwei Oelbäume zu deuten. Nach" Moses Beispiel war auch Samuel nur Richter, und daß MoseS eS war,' geht deutlich aus. Exod. 18, 13 hervor. Im Talmud wird MoseS'selbst dem Priester gegenüber als ein -it. (Laie) bezeichnet, und wenn von ihm erzählt wird, daß er vor der Einweihung AharonS den priesterlichen Dienst verrichtet habe, so wird ausdrücklich erzählt, daß er die« pilra nid\x D pS im weißen aber unfertigen und ungesäumt n Gewände gethan habe (Taan. 11, b. Avod. <ö. 34, <r) Raschi an ersterer Stellen erklärt: es sei so geschehen, um MoseS vor dem Verdacht der Veruntreuung von den zum Heiligthum bestimmten Geldern in den Falten seines Gewandes zu befreien; aber der Erklärer an der zweiten Stelle bemerkt schon richtig, daß ein solcher Verdacht nicht habe aufkommen können, weil alle Gelder bereits verwandt worden seien. Es sollte vielmehr hierdurch der provisorische Charakter angedeutet werden, welchen die vorläufige Verrichtung deS priesterlichen Tempeldienstes durch MoseS hatte. Wie eS sich vor dem politischen Falle Israels darum handelte, der Uebermacht der Könige entgegenzutreten, so nach der Restauration derjenigen der Priester (Zadokiten, Saducä r.) Eä bildete sich somit von Eöra, dem Sofer (Schriftgelehrten), her der Gegensatz der Pharisäerpartei. Um beiden Parteiungen gerecht zu werden und ihre Ansprüche und Bestrebungen zu versöhnen, wurde als Nachahmung der mosaischen Institution des Siebenziger Altenraths (D’jpi) in der syrisch-griechischen Periode da» Synhedrim eingerichtet,

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