Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 8 (22.2.1871)
- Date
- 1871-02-22
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 58 des RichtetamtS; Samuel hatte persönlich dabei nur zu gewinnen Er opponirte daher nur aus principiellen und religiösen Gründen zum allgemeinen Besten, im öffentlichen Interesse. Die Thatsachen sind aber sehr oft stärker, al» die Principien. Die Königspartei, an deren Spitze die Prophetenjünger, die in den Prvvhetenschulen gebildtte Zugend stand, siegte und brach den Widerstand Samuel'S. Er gab nach, in der Hoffnung, bei.der Wahl die geeignete Persönlichkeit durchsetzen zu können. Er wählte darum mit Absicht zwei Mal unter dem politisch nicht pointirten Stamm Benjamin .und jedes Mal solche Persönlichkeiten, von denen er hoffte, daß sie sich feinem Einflusie nichtentziehen, seiner Leitung sich willig unterwerfen würden: den geistig schwachen, nicht energischen Saul und. den jugendlichen, fast kindlichen David. Er irrte sich in Beiden. Daß wir-die politische Stellung der Propheteujünger richtig gezeichnet haben, glauben wir Nachweisen zu können. Saul wurde von Samüel nach Gibea gewiesen, wo die Propbrtrnsckule sich befand. Sowohl dieser Schulz wie der fett der jüngsten Zeit (1. Sam. 7, 1) dort weilenden BundeSlade 'wegen ist die Stadt hier 0’r6« nyij „das göttliche Gikea* genannt. Auch heißt sie deshalb leo ri'ip, wie die Prophetenjünger in den Targumim mit «neD, „die Lernenden und Gelehrten,„ bezeichnet werden. Auch ist bei diesen, wie den Commentat-ren (vergl. Kimchi), das „D'tojnD" nicht als ein Weissagen aufgefaßt, sondern als ein unter musikalischer Begleitung (93. 5) auSgeführter gottesdienstlicher Gesang. Im vorhergehenden Kapitel (9, 9) wird ausdrücklich hervorgehoben, daß in damaliger Zeit der weiffagende, göttliche Mann nicht sondern nsn genannt wurde. Hierin liegt eine Unterstützung der targumiscken Bezeichnung der Prophetenjünger (d’joj) als «neD. In dieser ihr.r Stellung lag ek auch wohl begründet, daß sie die intellektuellen Urheber der neuen politischen Bewegung und die Triebfeder für die Verwirklichung derKönigSidee waren. Bei ihren öffentlichen Zügen mögen sie auch wohl als politische wie religiöse Redner aufgetreten s in und' daS Volk ebenfalls in diese neue Bewegung hineingezogen habm. Samuel war eS darum zu thun, diese für seinen Mann zu gewinnen; Saul sollte sich ihnen zunächst als Königskandidat präsentiren, wenigstens als einen Mann ihrer politischen Gesinnung. Deshalb erhielt er die Weisung, nach Gidea zu gehen und sich dm Prophetenjüngern anzuschließen n’Djnni, D. 6). Werde er von diesen als würdig ausgenommen, sagte Samuel, so könne er die Sache al» gelupgeu und fertig betrachten (B. 7). Dann solle Saul nach Gilgal gehen und Samuel erwarten, um wettere Instructionen entgegen zu nehmen (V. 8). Saul trennte sich vow Samuel und ging, durch solches Zureden ermuthigt, zuversichtsvoll seiner Bestimmung entgegen (is.ti, D. 9). Saul gesellte sich der Prophetenschaar zu und ward von dieser ausgenommen, zum großen Erstaunen Aller, die ihn kannten, so daß man sich verwundernd einander zurief: „ist auch Saul unter dm Propheten?" (93. 10 u. 11). Das Bolk gab dieser Frage keine polittsche Bedeutung; man wunderte sich nur, den einfachen Hirtenknaben unter der höhern Klaffe der Gebildeten, der Lernendm und Gelehrten (n’isd) zu finden. Der folgende VerS (12) bestätigt die». Auf die verwundernde Frage des Volks antwortet Einer: orroN „Wer ist denn ihr (der Progbetenjünger) Vater?" Dies will sagen: Sind sie doch Alle dem Volke entstammt und sämmtlick nicht von höherer Herkunft, so daß auch Saul ein Recht hat, unter ihnen zu sein und es mit ihnen zu halten. Der späteren Zeit war die Entstehung dieses Sprüchworts nicht mehr gegenwärtig und der Zusammenhang der Ereignisse nicht mehr klar und durchsichtig. Man suchte nach einer anderen Erklärung; eine solche ist 1. Sam. 19, 20 ff. gegeben. Das dort geschilderte Faktum mag auf Wahrheit beruhen; der Zusammenhang mit dem Sprückworl erscheint aber sehr lose. Saul verfolgt Davitz, der sich bei Samuel aufhält. Saul schickt Boten; diese treffen ihn unter der Prophetenschaar, welche unter Anführung Samuel's gottesdienstliche Gesänge auSführen, sittlich-resigiöse Vorträge und wobl auch politische Reden halten. Man erkennt auch hier wieder die Wahrheit der von uns gezeichneten Stellung der Prophetenjünger. Ihrer politischen Bedeutsam!,it wegen hielt es auch wohl David mit ihnen. Die Boten wagten nicht, in solcher Umgebung David anzugreifen; sie vermochten es auch wohl nicht, von dem Eindruck der Gesänge und Vorträge hingeriffen, oder gar eines anderen überzeugt. So erging es verschiedenen Boten zwei und drei Mal, zuletzt auch Saul selbst. Letzteres beruht wohl auf Fiction und ist nur hinzugefügt, um das Sprüchwort zu erklären: „auch Saul unter den Propheten?" Die Absicht des Gemachten liegt hier zu Tage- Saul hat sich schwerlich in solcher Weise blosgestellt, und noch weniger-wird er so unpolitisch gewesen sein, zu der politischen Partei seiner Gegner (Samuel und David) überzugehen. Die Entstehung und Bedeutung dieses Sprichworts läßt uns also einen sichern Blick sowohl in das politische Getriebe der Parteiungen in ZSrael, wie in die politisch-religiösen Grundsätze des Judenthums thun. DaS Volk forderte daS Königthum, zunächst durch die äußeres Umstände upd die Unfertigkett der politischen Zustände hszu gedrängt. Die Männer von selbstverleugnender Hingebung und sittlichem Character, Männer von politischer (Ansicht und energischer Thatkrast fehlten ihm. Samuel, nach las-