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Der israelitische Lehrer · 1871-02-22 · 8 (22.2.1871) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 Der Isrselitiselie Jedrer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen L-ehrerstandes Organ für den Verein „Achawa." M 8. Den 22. Februar 1871. 11. Jahrgang. Wöchentlich 1 Rümmer Bierteljährlicher »bonnementsvrei« 40 kr- — 11>/r Egr. «n,eigen zu I Egr. die Peützeil« Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Entstehung und Bedeutung des Sprüchrvorts: ' on: „Ist auch Saul unter den Propheten?" Oder über die Einsetzung des Königthums in Israel. Die Bibel hat uns über die Entstehung und Bedeutung des SprüchwortS: D’N’2J2 Wp djh: „Ist auch Saul unter den Propheten?" zwei abweichende Erzählungen hinterlassen (1. Sam. 10 und 19); ein Beweis, daß die Nachwelt sich selbst darüber nicht mehr klar war. Dem biblischen Geschichtschreiber standen.darüber zwei verschiedene, sei eS mündliche oder schriftliche, Berichte zu Gebote; er benutzte sie beide und reihte sie unvermittelt geeigneten OrtS seiner Geschichtschreibung ein. - Die erste Relation bezieht sich auf die Einsetzung des Königthums und die Erwählung Saul'S zum Könige. Samuel hatte Saul gesalbt und nach Hause entlassen. Auf dem Heimwege würden ihm nach der Angabe Samuel'S in Gibea eine Schaar Prophetenjünger begegnen; Saul, von heiligem Geiste erfüllt, werde sich ihnen anschließen und mit ihnen weissagen. Dies sollte das Zeichen fein, daß die Sache gelingen werde. „Verfolge nur dein Unternehmen," sagt der Prophet zu Saul, „Gott ist mit dir. Dann geh nach Gilgal, wohin ich mich ebenfalls zum Opfer begeben werde, zum Dankopfer „ für dos Gelingen der Sache. Warte dort mein Kom-t men ab, um weitere Instructionen zu vernehmen." — * Schon dieses Zureden erweckte die vollste Zuversicht' in Saul. Kaum hatte er sich von Samuel' getrennt, so ward er auch schon ein anderer Mann. „Gott wandelte ihn um und gab ihm ein andere- Herz," sagt die Schrift. Alles traf so rin, und al» man Saul unter den Propheten bemerkte, redeten seine Bekannten darüber untereinander und frugen verwundert: „Ist auch Sank unter den Propheten?" Eiuer antwortete: „Wer ist denn auch ihr Vater?" So entstand das Sprüchwort, fügt die Erzählung hinzu. Die Regierung Israels war ursprünglich republikanisch angelegt; monarchisch wurde sie erst in späterer Zeit. Der Abschnitt über die Einsetzung de« Königthums (Deut. 17, 14) gehört, wie das ganze fünfte Buch MoseS, einer späteren Zeit an. Man erkennt dir« in dem betreffenden Abschnitte nickt bloS an her Warnung vor einer Mehrung der Pferde, Weiber und luxuriösen Pracht, sondern mehr noch und ganz unverkennbar an der Bezeichnung des monarchischen Königthums in Deut. 17, 14, wie 1. Sam. 8, 5, als eine dem Judenthum ursprünglich nicht eigene, wenn nicht gar widersprechende Einrichtung und Sitte (-22 ll'UN). So begreift sich auch das Widerstreben Samuel'S gegen die Einsetzung deS Königthums. In dem heidnischen Abfalle, nicht in'persönlichem Eigennütze und hierarchischem Gelüste, hatte dieser Widerspruch Samuel'S seinen Grund, denn das weltliche und geistliche Richteramt waren im Judenthum von vornherein getheilt, und diese principielle Trennung der Gewalten erhielt sich auch in der Praxis aller Zeiten. So befand sich Moses neben Aharon, neben. Jvsua der Priester Eleasar ben Aharon, neben den Richtern der Priester Pincha« ben Eleasar. Auch Deut. 16, 17 ist von besondern Richtern die Rede; das. 17, 11 u. 12 werden sie sogar ausdrücklich von den Priestern unterschieden. Samuel selbst gehörte weder dem Priestergeschlechte noch -stände an; er war Richter. DaS Königthum erwuchs demnach au« dem Richteramte; man drang auf einen König gleichsam als erblichen Richter. 2. Sam. 15, 2 ist ausdrücklich vom RichtgjWfdeS König« die Rede. DaS Königthum war also keine Erniedrigung, sondern Erhöhung

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