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Der israelitische Lehrer · 1871-02-15 · 7 (15.2.1871) · p. Seite 53

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
7 (15.2.1871)
Date
1871-02-15
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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— 53 — dagegen vorgebracht werden kann — sind Redensarten. Noch triftiger «erden die Einwinde, oder noch weniger kann von eigentlicher praktischer Wirksamkeit, im Geiste des JudenthumS, besonder» für die Zwecke, die Sie al» Wirksamkeit jüdischer Männer im Felde und in den Lazarethen hinstellten, die Rede sein, wenn, wie die „I. W." schreibt, junge Männer sich zu Feld, geistlichen ernennen lassen, die eben au» dem Seminar als — Rabbinatöcandidaten entlasten worden sind. WaS verstehen solche Jünglinge von der praktischen Thätigkeit bei Kranken und Sterbenden, «er schenkt ihnen das genügende Vertrauen, da» man älter» einfachen Männern, ohne RabbiaatStitel, bewilligen würde? Der Brief an Hrn. Dr. L. Philippson ist von Dr. MarcuS, wenn wir nicht irren, von demselben, der als Präsident die Verhandlungen der factisch ersten deutschiSrael. Synode — im Jahre 1848 — dahier leitete, und lautet: „Die Anstellung christlicher Feldgeistlichen läßt sich aus dem Gesichtspunkte rechtfertigen, daß ihnen die Seelsorge obliegt, welche sich in Darreichung der Sterbesacramente, den Seelenmesten, dem Abendmahle, der Beichte und Sündenvergebung, den zu Gunsten der Kirche zu erzielenden lrtztwilligen Verfügungen und dergl. äußert. Also hat der Geistliche, besonders während des Krieges, ein sehr weite». Feld der Thätigkeit. „Dagegen das Judenthum kennt sine derartige Seelsorge nicht, sondern tritt ihr sogar entgegen. Dastelbe lehrt nicht den Unterschied zwischen Geistlichen und Laien, vielmehr will e» jeden seiner Bekenner zum Priester erheben, der in sich selbst stark und kräftig genug ist, unmittelbar au» den nie versiegenden, reichen Heilquellen unserer heiligen Religion zu schöpfen, wie denn auch die Pflicht jedes Einzelnen, seiner Priesterstellung würdig zu erscheinen» in dem bekannten Mahnrufe Hillel'S gipfelt: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?" „Haben wir also keine Geistlichen und Seelsorger, so stnd doch unsere Rabbiner vor Allem dazu berufen, durch Lehre und Beispiel, durch Pflege und Förderung de» jüd. WistenS im Dienste unserer Religion zu wirken. Darum ist eS gewiß sehr wünschenSwerth, wmn Rabbiner eS sich angelegen seiu lasten, im Feldlager bei passender Gelegenheit, wie z. B. an Festtagen, die jüdischen Krieger zum Gottesdienst zu vereinigm und denselben durch eine Predigt zu heben. Dazu bedarf eS aber nicht der staatlichen Anstellung von Rabbinern, sondern eS werden sich schon unter denselben einige in der Nähe des Kampfplatzes wohnende staden, welche, mit oder ohne Hülfe freiwilliger Geldbeiträge, den jüdischen Kriegern die Wohlthat und den Segen eines öffentlichen Gottesdienstes bereiten, wie die Erfahrung ii unserer Zeit lehrt. Nur darf auch in dieser Beziehung nicht an ein Privilegum unserer Rabbiner gedacht werden; denn Jeder, wenn ihm nur da» gehörige Maas, de» Wst» sen» zu Gebote steht, hat da» Recht und auch die Pflicht, zu lehren, wie z. B. der Handwerker Rabbi Josua mit dem Patriarchen Rabbi Gamliel über wichtige Religionsfragen dispntirte. „Dem Allen gemäß verkennen wir nicht den tief ' religiösen Sinn, welcher Ihre fragliche Aufforderung dictirte; allein wir halten deujeuige« Weg nicht für geeignet, welchen Sie im Jntereste unserer Religion, damit sie auch mitten unter den Stürmen des Kriege» in das Innerste de» Innern ihre segensreichen Strahlen werfe und nicht blo» zu Thaten, würdig der Makkabäer aasporne, sondern auch den Verwundeten und Sterbenden den himmlischen Trost gewähre und an die Pflichten der Nächstenliebe selbst gegen den Feind mahne, — in Vorschlag bringen. Vielleicht halten Sie e« der Mühe werth, uns eines Bester» zu belehren." Schwerin in Mecklbg., den 10. Januar 1870. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde. L. MarcuS. Bielefeld, 24. Januar. Die „Unterstützunzskasse des, Vereins Israel. Elementarlehrcr für Westpyalen und Rhcinprovinz" wird, den Statuten gemäß, am 1. Jan. 1872 ihre Auszahlungen beginnen. Der Jnjeratentheil der heutigen Nr. d. Z. bringt eine Uebcrsicht von dem Stande "der Casse, die heute über ein Vermögen von Sf>„ 5200 Thlr. verfügt. Mit frohem Danke gegen den llzütigeu und gegen alle die Edlen, welche unser Unternehmen bis dahin wohlwollend gefördert, constatiren wir, datz auch in der gegenwärtigen schweren Zeit die Sache keine wesentliche Einbuße erlitten und wir manche fromme Gabe zu verzeichnen hatten. Unter diesen heben wir namentlich das reiche Geschenk von 500 Thal er von Herrn E. Meyer in Aachen hervor, welche derselbe bei Gelegenheit der Verheiräthung seiner Tochter unserer Eafse überwies. Möchte -doch dieses edle Beispiel recht viele Nachahmung finden! Viel Noth und Elend ist in den Kreisen vorhanden, welchen unsere Eassc ihre Fürsorge zuwenden soll, und viele Thränen des Kummers und des Mangels fließen dort still und ungesehen. O möchten wir sie alle trocknen können! — Auf unsere Unterstützung, deren Beginn nun nahe bevorsteht, harren bereits ein erblindeter College mit seiner Frau und 4 Kindern, sowie außerdem 2 Wittwen und 6 Waisen. Diese Andeutungen mögen genügen, um die Herzen derer in Israel, welche Gott mit Glücksgütern dieser Erde reich gesegnet hat, zu erwecken und unserer Unterftügungscasse zuzuwcnden. — Die Lehrer, welche bis jetzt dem Vereine ferne geblieben, mögen sich init dem Beittitte beeilen, da jedenfalls mit dem 1. Januar 1872 erschwerende Aufnahmebedingungen in Kraft treten werden. Die verehrlichen «tzeAeinden

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