Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 7 (15.2.1871)
- Date
- 1871-02-15
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 52 — Wenn das am grünen Holze geschieht- Wenn der- Lehrer vom Felde heimkommt — so findet der vom Dienste und den Strapatzen geschwächte Mann seine Stelle besetzt. Er ist brodlos; wo soll er hin? —- Liegt die Schuld allein an den Gemeinden? Ist Hier das „gleiche Recht für Me" hinreichend gewahrt? Sorgt der Staat für die jüd. Lehrer, wie für die christlichen? Es handelt-sich hier nicht einmal um Religionslchrer, um den Dienst für das Judeuthum, das die preußischen Regierungsbehörden von Herrn v. Mühler abwärts so erfolgreich klug und consequent zu ignoriren verstehen — es. geht doch nicht« über Eonsequenz —; es bandelt sich um den Unterricht in den Fächern, welche der Staat auch bei den israelitischen Kindern braucht und verlangt, welche so vortheilhast auch zur Kriegstüchtigkcit dienen: um Schreiben, Lesen und Rechnen, um preußischdeutsche Geographie und altdeutsche Kaisergeschichte -- Wird .Niemand sich um das Recht der jüd. Lchrer küminern ( In Süddeutschland — in Bayern, Baden, Hessen und Württemberg ist dies freilich anders. Da find die öffentlich anzcftellten isr. Bolkslehrer mindestens den christlichen in.diesen und den meisten ähnlichen Beziehungen vollkonimen gleichgestellt. Berlin- Der hiestge Verein für die -Freiheit der Schule hatte, wie wir *) in Jahrg. 1870 Nr. 7 S. 28 mittheilten, einen Preis auSgesetzt für die beste Schrift zur Beantwortung der Frage: „Ist Religionsunterricht in der Schult ei» pädagogische Nothwendigleit?" und wurde der erste Preis dem Rector a. D. vr. W. Fricke zu Wiesbaden erlheilt. Die Schrift desselben faßt das Entwickelte in folgenden Sätzen zusammen: ,1) Die Schule ist eine Anstalt zur Ausbildung des Denkens und Streben« und führt allenthalben zum Wisien. Die Kirche ist eine Anstalt zur Ausbildung der religiösen Gefühle und führt zum Glauben. Folglich kann die Schule, um ihren Zweck vollkommen zu erreichen, den Religionsunterricht entbehren, oder — mit andern Worten — der Religionsunterricht ist in der Schule pädagogisch nicht nöthig. — 2) Die Schule ist, auch rücksichtlich der Gefühle, eine Bildungsstätte für Kinder.. Die Kirche ist in derselben Rücksicht eine Bildungsstätte für Erwachsene. Folglich muß der Religionsunterricht au» der Volksschule, da sie ihre Zöglinge nicht über das KindeSalter hinaus behält, entfernt werden, oder — mit anderen Worten — der konfessionelle Religionsunterricht ist in der Volksschule pädagogisch schädlich weil unnatürlich. — 3) Die Schule hat bisher keine Sittenlehre in ihren Lehrplan aufge- . *) (5hemni«erpäd. Blätter. nommen, weil di« Kirche sie daran hinderte. In dem Wesen der Kirche aber liegt keine Verpflichtung zur Sittenlehre» sondern «ur zur Glaubenslehre. (!) Folglich maß eine für Kinder geeignete, der ewigen sittlichen Weltordnung und der menschlichen Natur entsprechende Sittenlehre geschaffen und als integrirender Theil des Jugendunterrichts gchandhabt werden. Fordere ein Jeder da» Seine, aber — leiste er e« auch." (Wie verhält sich hierzu das Judenthum, die jüdffche Religion, die keine Kirche ist in dem hier angenommenen Sinn, die nicht nur den Glauben und das Gefühl sondern vorwiegend auch das Wissen, alle- Wisien in da« Bereich ihrer Forderung zieht und — keine ordinirte Geistlichkeit hat? Die Frage wäre einer eingehenden Besprechung würdig. (Redactton.) Preuße». Der alte Harkort klagt in der „Rhein. Ztg." über die Roth der Volksschule: Die höhere allgemeine Bildung der deutschm Arme« im Vergleich mit anderen Heeren ist ein längst anerkanntes Verdienst der Schulen. Ja richtiger Würdigung dieser Leistung durste erwartet werden, daß die Militärbehörden ein lebhaftes Interesse an diesen Jnstitutionen nähmen; allein bei der jüngsten Mobilmachung fand nicht die gebührend« Berücksichtigung statt. Bereits im Frieden stellte sich in Preußen ein großer Mangel an Lehrern heraus, veranlaßt durch die Dürftigkeit der Besoldungen und Uebelstände mancherlei Art. Nach einer dem Abgeordnetenhause zugegangenen Uebersicht waren 595 Lehrerstellea und 474 Hilfslehrerstellen unbesetzt und 970 Stellen versahen nur Präparanden! Dabei sind die Schulen überfüllt; in Koburg sind 40 Schüler auf 1 Lehrer die Normalzahl, dagegen kennen wir Schulen, in denen über 120 Kinder nur einen Lehrer haben. Die jüngste Mobilmachung steigerte das Hebel in schädlichster Weise durch die Einstellung einer großen Zahl von Elemeatarlehrera. Einzelne Schulen sind gestundet, andere wurden in Halbtagsschulen verwandest, über 2 X) Kinder einem unerfahrenen Seminaristen übergeben. Während die Väter dem Feinde gegenüberstehea, von denen so mancher die Seinen nicht wieder steht, verwildern daheim die Kinder, ein Zustand, der für Staat und Familie gleich nachtheilig ist. Die betreffmden Lehrer müssen bald entlasien werden, nicht in ihrem persönlichen Jnteresie, sondern der Eltern und Kinder wegen. Zu den schweren Opfern und Lasten, die der Krieg fordert, sollte nicht der Mangel an Unterricht noch hinzutreten. Nur im Berhältniß zur fortschreitenden Bil- > düng wächst die Leistungsfähigkeit des Volkes, sei eS im Frieden oder in dm Tagen der Gefahr. ffranffutt a M. Daß Sie mit Ihrer Ansicht über die Feldgeistlichen nicht allein stehen, mag Ihnen der Brief beweisen, den die Redactton der allg. Ztg. des JudmthumS erhaltm hat, und abdruckt. WaS