Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 7 (15.2.1871)
- Date
- 1871-02-15
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 51 fttr, als irgend ein Anderer, dm Lehrern einen so schmerzlichen Vorwurf zu machen. Er, der mehrere Jahrzehnte den größten und weitgehendsten Einfluß in der deutschen Judmheit gehabt, Er, der sehr BiA»«^ eine Masse von Institutionen geschaffen, welche ihm Bortheil brachten, hat durchaus nichts für die Lehrer, dies« Lichtbringer und Srgenspender, diese bedmtsamstm Faktoren im Lebm des Judenthum« gethan; Nichts, gar nicht«! In feinem Herzen sprach nicht« für dir Lehrer. Er hatte die Macht; hätte er eine einzige Institution geschaffen, an welcher sich der gesammte Lehrerstand hätte aufrankm können, wir würdm ihn segnm und seine schmerzlichen Vorwürfe mit Dank und rrsignirt aunehmen. Dann — es würde jetzt ander« um den Lehrerstand bestellt sein. Aber nun!? wo« gibt ihm, der nie Etwas für dm Lehrerstand im Ganzen und Großen, nicht« für seine Bildung, nicht« für seine bester« Versorgung gethan, da« Recht, fo zu sprechen? Rein, wir lasten un» nicht täuschen durch falsche, pfäffische, heuchlerische Worte, und wenn sie noch so schön lauten. Diese Zeiten sind vorüber. ' Doch, wir kehren zu unserem Gegenstände zurück, von dem un« nur die Entrüstung ablmkte, die einige gerade in diese« Augenblicke gelesenm Worte hervorriefen. Wenn eine Gemeinde einen Lehrer aufnehmen will, so hat sie die Verpflichtung, zu prüfen, ob er sich für das zu übernehmende Amt nach allm Seiten hin qualificirt. Zuerst muß sie sich über seinen Charakter, über sein Wissen, über seine Leistungsfähigkeit als Lehrer sichere und genaue, zuverlässige Kunde verschaffen. Der Lehrer kommt in erster Reihe, dann erst der Leiter des Gottesdienstes. Ein tächtig'er Lehrer, ein würdiger Mann mit einigem guten Willen, ist auch ein würdiger Repräsmtant im GotteShanse. Die schöne Singstimme kann für die Dauer nichts erhaltm; da« darf nimmermehr Einfluß habm. Die Zeiten, wo man auf den „schönen" Cantor einen Werth legt, sind eine Schande für das Judenthum und bringm es zurück, nicht vorwärts. Wenn der Vorstand bei der Aufnahuie des Lehrerdas außer Auge läßt, ist er feine« Amtes unwürdig. Er begeht Untreue gegen die Kleinen und Großen in der Gemeinde, deren Zukunst, deren Heil in seine Hände gegeben ist. Hat die Gemeinde einm ihrer würdigen Lehrer gefunden, so muß sie die« al« ein Glück anerkmnen und dem Lehrer eine bleibende Stätte in der Gemeinde gründen mit allen Mitteln, die sie nur aufzubieten vermag und da« ist fast überall mehr, algeschieht. Sie muß ihn als da« unentbehrlichste Glied ihrer Gemeinde betrachten und ihn in materieller Beziehung, in Achtung und Würdigung so stellen, daß der Gedanke, die Stelle zu wechseln, nur in ganz außergewöhnlichen Fällen aufznkommen vermag. Sie muß zu diesem Zwecke auch dahin ihr Augenmerk richten, daß der Lehrer mit Ruhe seinem Alter, seiner Dienstunfähigkeit, seinem Tode entgegensetzen kann, und für die Seinigen nach seinem Ableben hinreichend Sorge tragen. Der würdige Lehrer aber wird mit Geist und Grmüth in seiner Gemeinde, seiner Schule, seiner Synagoge leben und e« wird sich ein Band um ihn und die Glieder und Institutionen seiner Gemeinde schlingen, dauernd, unauflöslich. Die« sind unsere Ansichten über Wahl und Anstellung der Lehrer. So lang« diese nicht in solcher Weise betrachtet und aufgefaßt werden, kann von von einem würdigen Lehrerstande nicht die Rede sein. Dahin zu wirken, daß e« so werde, ist die vhepste Aufgabe dieser Zeitschrift. Wochenbericht. Berlin. „Die Regierung zu Potsdam bat am 27. August 1870 entschieden, daß den zum Kriegsdienst einberufeneil Lehrern in Gemäßheit des Staatsministerialbeschlnsses vom 22. Januar 1861 und 19. Juli 18öO das ganze Gehalt gebühn. Die Communalbehörden haben also den Lehrern das Gehalt voll' zu zahlen und außerdem die Stellvertretnngskoften zu gewähren. Diese Entscheidung in seitens des Unterrichtsministeriums unterm 4. November als begründet erftmt“ Wie verhält sich hierzu das Perhältniß der jüdischen Lehrer? Cs ist uns bekannt geworden, daß jüdischen Lehrern nicht allein das Gehalt vom Tage ihres Eintritts in den activen Militärdienst entzogen —, es ist uns sogar ein Fall bekannt, wo neuerdings eine Gemeinde ihre Stelle, die der seitherige, jetzt in Metz liegende Lehrer zur Zufriedenheit seiner Gemeinde verleben, ausgeschrieben hat und nun damit umgeht, ihre Stelle neu zu besetzen. Und diese Gemeinde gehörte oder' rechnete sich mindestens zu den bessern, einsichtigeren, intelligenteren und cs kann nicht geleugnet werden, daß sic bisher gegen ihre Lebrer stets brav und tattvoll verfuhr. Als Grund gibt sie wohl an, daß die Leitung des Gottesdienstes durch den seitherigen Lehrer ihr nicht zusagte. Bis vor wenig Wochen hat sie hierzu geschwiegen und war sogar um die Dispensation desselben vom ferneren Kriegsdienste eingekommen.