Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 6 (8.2.1871)
- Date
- 1871-02-08
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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schichte BO« tx* Borliufent dev Emancipatton geschildert. Bo« dm» Jndeuhafs« Voltaire'».-sei»« Gegnern PintoilundPerest« habe» die frühere» GrschichMbücher Nicht» oder «er Dürftiges. E» ist bekanttt.daß B.'» Haß, wie der aller unserer Feinde, i» egoistischen Mo. tüu« begründet lag. «der auch die Vertheidigung Pi»to's hatte den Beigeschmack. sephardtscheu vebermnth», wie er sich heute noch gegen die Aschkenasi« geltend »acht. Weflety ist z« hart heurthellt; sein Antheil an de« M.'« Pentateuch (Levitsta») ist anerkeanuagSwerth und von Verdienst. Daneben ist die Entstehung de» Chassidismus, worin Biele» un» noch dunkel bleibt, «ach G.'» Art romanhast gezeichnet u«d enthält, obwobl manche» Reue, doch wiederum . ewagte Behauptungen und subjektiv« Anschauungen au« dem Bereiche der Vermuthungen und Phantasie». Daß der Chasfidi-mu» in de« Principe wurzele, dem Alle» überwuchernden TalmudiSmu» entgegenzuireten, gehört m t dahin. Der Chasi. gehört dem dunkeln, unbewußte« Treibe» de» Geiste» an; ein solche» Priucip aber wäre sehr lichtvoll und hätte auf Anerkennung und Unterstützung Anspruch, während e» fortwährend noch vv« allen Seiten bekämpft wird. Auffällig ist, wie der Geschichtschreiber Grätz diese« Talmudismu» bekämpft, «ährend als Talmud- und Sc» mtnarlehrer er ihn» offe» huldigt. Auch «in Widersprach, wie es deren so viele gibt, die ungelöst bleiben. Der Exeur» liefert einen vollkommenen Bericht über die Träger u»d Literatur de« Chasstdisma». Mit Recht wird i« Folgenden die vermittelnde Rolle hervorgehoben, welch« die Mea»sim übernommen halten, um mittel« der hrbr. Sprach« deutsche oder besser allgemeine Bildung in» Volk zu übertragen. Dennoch blieb die Orthodoxie davon unberührt; sie hatte keinen Sinn für die Bewegung der Zeit, wie G. sagt, - richtiger aber, sie fühlte die Folgen der .seichte» Aufklärung, welch« fich von der Religio», vorzüglich von allem speeifisch Jüdische», lo»gesagt hatte. Selbst Mendelssohn'» Kinder bewiesen die». Da« Judenthum und die allgemeine Bildung standen unvermittelt nebeneinander; man wandte flch dem Einen oder Andern zu. Dieser uavermtttelte Gegensatz zeigte fich besonder» in den ästhetische« Salon» einzelner hervorragender jüdischer Kauen, ohne leugne» zu wollen, daß auch diese von historischer Bedeutung gewesen sind. Selbst die Sittlichkeit hatte bet den Männern uud Kauen dieser Richtung ihren Halt verloren, ähnlich wie die Halbbildung und Asteraufklärung unserer Tage auch noch diejenigen so leicht die Grundsätze der Sittlichkett verleugnen läßt, welche es mit der Religion nicht mehr gena» nehmen zu müssen glaube«. E» ward diese Erscheinung aber auch in gleicher Weis« in de« gebildeten christlichen Kreisen bemerkbar. Sogar der Fr«h«it»prediger Schleichermacher ist nicht davon ausgenommen.^ Da» Christmthm» war wmal» schon den Freidenker« uafcv dös H»»d abhanden wokommen; dasjenige, welche», si» sich »on,Schlriea»achrr bi» heute ausdachte«, ist» eingemechst». ,d«r Phantast, entsprungene«, kein historische». Göth« besaß eben? fall« ket»e besseren Grundsätze Md hat selbst die eh«. Vchea Bande durch seine» Roman: .die Wahlverwandtschaften" gelockert. Nicht zu verkenoe» ist der Ei»fiuß Frankreich». damal« besonder» groß in der Welt u»d vorzüglich in Berlin, auch in diese« Punkte; für die jüdische» Kreise war außerdem auch da» christliche Vorbild nachahmmswerth. Daher bereiteten sich damals schon auch die vielen Taufen untes de« Zud» vor, in anderer wenn auch ähnlicher Weist Scheintaust» zu nennen, wie vormal» in Spanien. Macht« doch selbst David Friedländer den Versuch, flch.taufe« zu «ollen, ohne da» Christenthom aaerkeanea zu müssen. Daß «an e» ihm nicht gelten ließ, kä« wohl nur daber, «eil er die officielle Anerkennung für diese» Scheinchristenthum forderte. Zum großen Theil lag doch auch der Grund für diese Scheiutausen in de« noch immer gedrückten Verhältnisse, worin die Juden in politischer und socialer Beziehung gehalten wurden. Hierin liegtte Kankreich rin bessere» Vorbild, welch«» man in eutschland nicht nachahmte. Alle dies« sachlichen und persönlichen Verhältnisse finden wir bei G. viel aussührlicher, al« bei Jost. Bon Frankreich werden uns ebenfalls die Kämpfe mitgetheilt, welche dst Emancipation der Juden auch dort trotz Revolution und Republik durchzumache« hatte. Man glaubt gewöhnlich, daß diese al« «ine reise Frucht den Juden in den Schooß gefallen sei; sie ist nur schneller gereift al» anderswo, aber der Durchbruch der Vlütheuknospe geschah auch hier nicht ohne Anstrengung und Eklat; die Frucht bedurfte auch hier zur Reifung brennender Wärme. Die Schrecken-Herrschaft ries zwar einige Pöbelaufstände gegen die Juden hervor, aber im Gau», ten war >ie mehr gegen den KatholieiSmu» gerichtet. Nur weil dst Kirchlichkett überhaupt «tt davon berührt wurde, zwaug man auch vereinzett die Juden, am Sabbat zu arbeiten und untersagte ihnen di« Verrichtung selbst ihrer Gebest. Der erste Staat, welcher in der Gleichstellung der Jude» dem Beispiele Frankreich« folgte, war Holland. Jndeß lehnte sich hier die Orthodoxie dagegen auf, weil sie Schädigung de» Judenthum» befürchtete. Ja dem konservattven Deutschland koaservirt« sich dst Judenfeindlichkeit: Alda» Volk sie aufgab, suchst« dst Gelehrten sie neuerdings zu beleben und wissenschaftlit zu begründen: Göthe, Fichte, Herder, Michaelivoran, — Letztere zwei als Kenner de» Judenthum» mtt Bileam'» Mund« Segen sprechend, aber im Herzen fluchend. Al» die Geistlichen aufhörten, Judenhaß zu predigen, übernahm«» dst Polittker (G. sagt falsch: Juristen, denn ihre jn-