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Der israelitische Lehrer · 1871-02-08 · 6 (8.2.1871) · p. Seite 42

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
6 (8.2.1871)
Date
1871-02-08
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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gtbfnb#«i£iuei ß^jmtz^gewöhnlich^^gg^chzg und festem Charakter im Lmtb-stehendea Rabbinea erinnern. da«, so oft wir es berühren, einen nie verjährenden Schmerz ernplert. Ist diese Art der Rabbinerwahl ekne der hsthea Stellung und amtlichen Aufgabe desselben würdige? Wirgtaubeu kaum, daß die« Jemand bejahe» möchte. Man wechselt Rsbbiuen nicht wie Sonüen- und Regenschirme. Mit dem Eintreffen de« neuen Rabdm« «td für Zähre hinpg« die innere Leitung Förderung und Erhaltung beörrligiösen Leben« in Schule. Synagoge und Gemeinde seiner Hand auvertraut. Ist er der «Hte vvvallem ein reiner, fester und bewÜhkterCharacter, so kann da« religiöse Leben in der Gemeinde blühm und gedeiben, fortschreiten. Ist der Rabbiner besten Sinne de« Worte«, dem die Gemeinde wegen der Redlichkeit seiner Gesinnung, Geradheit und Festigkeit in seinem Wesen und Thun Achtung zollen muß, so leidet mit der Mißachtung de« beamteten Vertreter« der Religion auch diese die Gemeinde und ihre religiösen Institutionen gehen zurück, wie Tausend Beispiele beweisen. ES ist eben in allen geistigen Veranstaltungen de« Leben« so. Der ungetreue Richter fälscht nicht allein in dem einzelnen Falle das Recht, sondern schädigt auch da« Rechtsbewußtsein u. s. f. Eine gute Probepredigt ist durchaus noch kein genügender Beweis für die Tüchtigkeit eine« Rabbiner« zu seinem Amt«; da« ist wohl allgemein zugestanden und ktd'arf" kaum eine« brsondrrn Nachweise«. Ja, wir gehen weiter ond sagen, daß, wenn der rechte Geist im Rabbiner lebt, wenn er festgegründete«, theologische« und allgemeines Wiffen besitzt und dabei ein offene« Auge bat für da« Leben und die Schüdeu in seiner Gemeinde un» feiner Zeit: dann auch mäßige Rednertalente schließlich sich in ehre Gemeinde und in da« Synagogenpublitarn — guter Wille und edle« Streben natürlich voransgesetzt — hineinleben, daß sie endlich auch al« Redner so wirken, wie der Prediger wirke» soll; daß sie Gute« fördern, belehre» and erbauen, — wenn sie vielleicht auch weniger — angenehm unterhalten. — Es ist aber durchaus aothwendig. daß die Gemeind« sich vor der Aufnahme eine« Rabbiner« »ergewiffere, ob der Mann, dem sie die Lpitnng de« religiösen Gemeindeleben« anvertraue» will, ei« Mann von bewährter Gesinnung, von festen Grundsätzen, von Charakter, lleberzeugungstreue und männlicher Geradheit ist; ob er jene Spannkraft de« Geiste« besitzt, die ihm die rüstigste Berufstätigkeit zu' Lebensfreude machen. Wir'meinen damit durch»»« nicht, daß er, wie r« anderen Orts zuweilen hervorgehobea worden ist, einer Partei angehören, ein Parteimann 42 — . ifinj äauIdst^giR^n^Larteiftfei^j&^Jln« erscheint überhaupt da« «»Wist Wiffen« von einigen orthodoxen Führern in da« Judenthum eingeschmuggelte Wort .Pa tei,* in dem Sinne, wie e« z. B. in de Politik gebrätichllch ist, hier ganjt ungehörig. Wir können sprechen von einer religiösen Richtung, aber nicht von einer religiösen Partei, Partei 'ist immer einseitig So z. B. fordert Partei DiScip lin, also Unterorpnusig, evkutuell Agsgebpn der eigenen freien Ueberzeugstng in einzeksten wer vielen Punkten im Jntetereffe de« Parteiganzem Behufs des^auf Majoritäten sich aukerbänenden augenblicklichen Siege?' der Partei. All iff utffkrr« Erachtens nicht thunlich in religiösen Dingen. Die Anschauungen können im Einzelnen unendlich v<-rsckieden sein; sie können sich verwandt fein t und doch wieder auseinandergehen.^Also nicht ein Parteimann soll und darf der RaKmer sein — sondern der Mann heiliger Ueberzeugungen, der seine ganze Gemeinde, mit Liebe umfaßt und an ihrer religiösen Fortbildung — wa« wiv Hke4 gat^ öhste ketzerischen Nebengedanke «vfgefatzl iwsssen wollen — arbeitet. Wie sich die Gemeinde in dieser Beziehung weiterhin zn benehmen habe? Wie ein solche« Resultat zu erzielen sei? — Wir Überlassen dies der Einsicht ihrer Leiter Aber Ein« können wir nickt umhin, hier zu wiederholen. Man greif« nicht, wie e« leider in der Gegenwart Sitte ist, zu jungen Männern, die noch nicht Zeit gehabt haben, sich in ihrer Leistungsfähigkeit und in ihrem Character zu bethätigen und ignorire um ihretwillen Männer, die vielleicht eine weniger zündende Probepredigt gehalten haben, aberwiffen, wa« sie sollen und wa« siewollen. Mau griffe »icht, wie e« leider ebenfalls i» neuerer Zeit besonder« in SüddeutschisNd vielfach Mode geworden, immer weit, weit hinaus in die Feme, am liebsten nach Ungarn, Mähren, Pole« und Galizien hinein, sondern gesteh« zu, daß di« Eultur, Bildung und Geistesrichtung dort eine vielfach andere ist, al«. bei un«; und daß der von der Ferne her Berufene nie da« rechte Berständniß vom Leben und Streben in hiesigen -reifen bekommen, vttlletcht den heiligsten Angelegmheiten feiner Gemeinde und in deren Familien stet« fremd bleiben wirb. Man suche die Thätigkeit de» Rabbiaen nicht als d« eine« blofen Prediger« aufzufaffea und zu beschränken, sondern erwütere da« Maß seiner Wirksamkeit. Die rechte Wirksamkeit wird sich selbst die beste Regel sein und Un gehirigkeiten und hierarchische Üebergriffe, vor denen ein« so große, oft lächerliche Furcht herrscht,'werden auf diese Weis« am beste» vermieden. Der Mann muß wiffen, «a» er zu thua hat; muß einen seiuer

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