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Der israelitische Lehrer · 1871-02-01 · 5 (1.2.1871) · p. Seite 39

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
5 (1.2.1871)
Date
1871-02-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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— 39 — sich in der Mitte so, daß die erste (oder letzte) H älfte an den Pult tritt, wobei einer der mittleren Schüler, also bei sechs der dritte, zuerst das Heft aufweist und fich alsdann auf seinen Platz zurückbegibt. Ihm folgen der zweite und erstexHierauf kommt der vierte, fünfte und sechste, die sich wieder, ohne einen Andern zum Herauötreten oder Rücken zu nöthigen, in derselben'Aufeinanderfolge an ihren Platz begeben können. So kommen Alle an die Reihe. Unter den erziehlichen Einwirkungen zur Herausbildung einer bewährten Disciplin gehört vor Allem der rechte, täglich zu pflegende Geist, der vom Lehrer sich durch die ganze Klaffe zu ergießen btt. Wir verlangen vor Allem im K ldc die Pflanzung der Liebe zu seinem Lehrer, die es freudig gehorchen heißt und die ihn bestimmt, so lange als möglich G.'Sittd zu üben und nicht über Strafen milden Grades hinauSzugehen. Dies sagen wir, obgleich wir eS als unverständigen Humanitätödusel vom pädagogischen Standpunkte aus bezeichnen müssen, die körperliche Bestrafung auSnahmölos ausschließen zu wollen. Ich theile in diesem Punkte ganz und gar die Ansicht.deS Schulvorstandes vr. W. Lange in Hamburg, wie er sie in Heft III S. 24) und 41 (J,-G. 187>; der „Rheinischen Blätter" ausspricht. „Je freier der Staat, um desto strenger muß die Zucht sein; denn die äußere Freiheit wird bedingt durch die inoralische Freiheit, und wenn man diese erringen will, so ist Gehorsam die erste Pflicht. W:r in seiner Jagend nicht Anderen auf'o Wort gehorche» lernt, versteht auch schwerlich Vernunft, Gewissen und dem Gesetze zu gehorche». Leider neigt unsere Zeit etwas zur Schwäche und- Weichlichkeit in erziehlichen Dingen. Man verwechselt nur zu häufig das Kind mit dem entwickelten Manne, und was diesem nicht genehm sein kann, will man auch von jenem abwenden. Ich erinnere nur an die ausnabmSweise und rücksichtlose Verwerfung der körperlichen Strafen, welche sich sogar in Schnlgesetzgebunzen Ausdruck gegeben und meiner Meinung nach bereits viel Unglück angerichtet hat". Daß übrigens sehr viel von einem kinderfrcundlichen Lehrer vorzukehren möglich sei, um die körperliche Bestrafung auf ein Minimum zu beschränken und, aoo sie nöthig wird, dieselbe in mäßige Anwendung zu bringeen, kann jeder Lehrer selbst erfahren, wenn er nicht glaubt, Alles strafen zu müssen; wenn er durch einen lebhaften Unterricht mit, auf den Grund des behandelten Gegenstandes gehenden Fragen, bei möglichster Vermeidung der Vortragenden Lehrwetse, den Geist der Schüler rege zu erhalten weiß; denn nichts ist entgegengesetztenfalls öfter zu bestrafen als vermeintliche Unaufmerksamkeit und Trägheit. Man gewöhne die Kinder hiebei vorerst an papierne Strafen, denen sie einen W:rth beiznlegen sich gewöhnen, wenn der Lehrer sie konsequent durchführt und mit W.ch igkeit behandelt. Ich denke dabei an die Strich:, die wir bei Verfehlungen an die bttr. Namen im Schülerverzeichniß setzen und die bei einer gewissen-Zahl eine Stunde, bei größerer Häufung 2 Stunden Arrest bedingen und endlich die Benachrichtigung der Eltern nach sich ziehen. Einigermaßen gutgeartete Schüler lernen fich dabei hüten, die höheren Strasstufen zu erreichen; auch Versetzung in die Nähe des Lehrers, wo überhaupt die Unachtsamen und Faulen den zweckmäßigsten Platz finden, soll als sülche betrachtet werden. Die «träfe des Nacharbeiten; in der Shule darf nicht allzu oft in Anwendung gebracht werden, damit dieselbe nicht den Straf-Charakter verliere. Körperliche Strafen halte ich nur bei verhärteter Faulheit und bei gröberen U tgezozenheiten, bei rohem W edersprechen , bei frechem Leugnen, bei osfeubarer Bosheit und unsittlichen Aeußerungen am Platze. Hier darf sie aber auch nicht unterlass'» weroen. Insbesondere ist in den oberen Class-n die körperliche Strafe nur den schlimmen Elenienten aufzubehalten. ES soll sich ja hier schon die Frucht einer vieljährigeu Zch>.tt- Erziehung zeigen, und dies kann reine andere sein, als an die stelle deS von Außen kommenden Zn-anzeS die sittliche Zelbstbesiimm ing zu setzen. Daß diese bis zum 12. und 13. Lebensjahr systematisch herangezogen werden kann, wir) mir jever Lehrer bezeugen, der den Zch verpunkt seines Wirkens nicht in dem Unterricht, sondern in der erziöhlich-u Einvirkur; d'rch die gesammte Schularbeit und Schnlsührung sucht. (Schluß folgt.) Wochenbericht. Berlin. Die Frau Rabbiner vr. Hiloesheimer hat von der Königin für ihre ausopsernde Bemühung um die Verwundeten die goldene Medaille erhalten. Die von dem hiesigen Dragoner Lesser berichtete Belohnung mit 1000 Frs. und der. Butte deS gefangenen Frauctireur-OfficierS ist Manchem auffällig erschienen. Mau scheint vorauszusetzen, daß Geld dem Juden doch noch immer daS Liebste sei und sieht eö vielleicht ungern, daß sich unter denJnden so viele mit dem eisernen Kreutze geschmückte lHAben befinden. Jedenfalls wird eS deren geben, welche den Juden solche Auszeichnung mißgönnen und ihr Verdienst zu schmälern suchen. Man wird deshalb gut thun.

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