Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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frühzeitig alle Thatsachen zu sammeln, welche auf Juden Bezug haben und zu ihren Gunsten sprechen. Do« Akheir». Sonderbar nehmen sich die vielseitigen und vielarttgm Entgegnunge» auf den Ausfall Albert Cohn'« in Paris aus, worin er den Juden Deutschlands französische Sympathien imputirt. <2ui »'eieuse, s’acciue. Deßhalb hätte man bester geschwiegen. Mau weiß es ja auch von den Christen, Fürsten und Völkern Deutschlands, daß sie vor diesem Kriege vielfach mit den Franzosen sympathisirt hoben. Wenn A. Cohn meint, daß die Juden wegen ihrer politischen und socialen Zurücksetzung in Deutschland sich in Frankreich wohler fühlen müßten, wo sie in vollständiger Gleichberechtigung leben: so liegt hierin kein logischer Fehlschluß. Trotz des Hohns und Drucks den Juden zumuthen wollen, daß sie dennoch ihrem Peiniger die Hand küsten erinnert, an die alten deutschen Zustände, wo im beschränkten Unterthänenverstande selbst der ungerecht Gestrafte gewohnt und gezwungen war, für die gnädige Strafe zu danken. Wenn Joel in Breslau die Vaterlandsliebe mit der Kindesliebe vergleicht und beide als nicht diskutable Raturpflichjen- und -Gefühle bezeichnet, so glauben wir unS durch dieses Raisonmement dem Inhalt wie der Form nach in die Schulstube versetzt, wo der Hr. Prediger seinen Kindern und Schülern etwas vorbemonstrirt. Unnatürlichen Eltern darf auch die Kindesliebe versagt werden; warum nicht einem unnatürlichen Vaterlande die Vaterlandsliebe? Aber die deutschen Juden haben es. in diesem, wie in den früheren Befreiungskriegen an thatsächlicken Beweisen ihrer Vaterlandsliebe nicht. fehlen lasten; diese reden deutlicher, als Worte. Jndeß thaten die Juden so. weil man sie als gleichberechtigte DaterlandSkinder ausgenommen hat, und in dem guten Glauben, daß ihnen ihr gutes und volles Recht werde. Aber auch den Juden des altdeutschen Ghetto mit obligatem Leibzoll und gelbem Ring deutschen Patriotismus zumuthen, dazu gehört eine gute Portion deutscher Gutmüthigkeit oder serviler Unselbstständigkeit. Diese Zeiten des Drucks liegen nicht so weit hinter un«; eS spricht sehr für die Juden, daß sie diese ganz vergessen haben und in Patriotismus wetteifern. Darmstadl. Auch Seiten« unseresfGroßherzog» tbuuw ist in der Person de- Hrn. Ehrmann ein jüdischer Feldgeistlicher bestellt worden. A«< Ungar», im Januar. Eine Stille, wie wie wir sie nie gekannt, ist bei ün» eingetreten, und doch müssen die Parteien bald auf einander stoßen. Ir» Bälde muß der Reichstag wieder in der jüdischen Angelegenheit reden und dann weiß Gott, was da kommen wird. Das Landvoll ist des Hader« müde und will weder vom Congreßjudenthum, noch von orthodoxen Versammlungen mehr etwas wiffen. 0r. Kaiserltng hat da« Rechte getroffen, wenn er in dem Programme seiner neuen Zeitschrift die Unfehlbarkeit der Congreßbeschluste bei Seite geschoben hat. Auf pädagogischem Gebiete ist unsere Regierung rührig und wa« uns wohl thut, ist der Umstand, daß sie auch vorzüglich jüdische Kräfte nicht ignorirt. So wurde der wackcre, auch in deutschen Kreisen rühmlichst bekannte Pädagoge Abraham Lederer vom Ministerium EötvöS beaufttagt, Wirke-über Anschauungsunterricht und Lesebücher in deutscher Sprache zu verfertigen und sind diese denn auch bereit« in der königlich ungarischen Staatsbuchdruckerei erschienen. I. Rosenmayer, Oberlehrer. Amerika. Henry Adler in Lawrencebourg in Indiana bat 1000 Dollars für Errichtung eine» Rabbiner-Seminars deponirt. Anzeigen. Megilath Esther, 2 Exemplare, 25 und 37 Centim. hoch, gut erhalten, billig zu verkaufen. Näheres bei Herrn Or Rothschild, Rabbiner in Alzey. Billig zu verkaufen: Jost, Geschichte de« JudenthumS (3 Bde.) und außerdem 1. und 3. Band desselben Werkes nochmals. Gtätz, Geschichte der Juden, 3., 4. und 5. Band, und einzelne andere Schriften au« den ersten Jahrgängen de« Institut«. Gefall. Anfragen bei dem Herausgeber dieser Zeitschrift. Verantwortliche Redactton und Verlag von Joseph Kling enstein, Lehrer zu Ingelheim. Für den Buchhandel in Commission bei Oskar Seiner in Leipzig. — I. Gottlebrn'S Buchdruckern in Mainz.