Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nicht das Unwichtigst« sür die Clossenvrdnung ist die Regelung deS. Abgangs zum Pissoir oder Abtritt! (in Augsburg euphkmistisch und wahrhaft phantasierrich und dichterisch: zur Laube). ES ist grausam, Schüler und Schülerinnen, wenn es eine physiologische Roth- Wendigkeit ist, von diesem Tribut an die tellurische Natur zurückhalten wellen. Die Abmachung den Pri-; vatgesch ästen, von. denen selbst die höchsten Spitzen der j menschlichen Gesillschaft nicht dispensirt sind, muß sich! aber gefallen lassen, an eine Regel gebunden zu wer-! den. Kinder, welche ein derartiges Betürfniß, oder bester gesagt: Nchibitürfniß des Behälters öfter verspüren. genießen der Vergünstigung, in der Nähe der Sckul-Thür sich -platziren (geflissentlich für plcciren — der französischen Form) zu dürfen. Sie entfernen sich still, ehre Anfrage, am Schlüsse der einzelnen Schulstunden. Die clastenweisr Berücksicktigung wird derart in der länger« Unterrichtspause vollzogen, daß sich, noch Bapken geordnet, zuerst 4 vor der Schulthür ousftellen, die den Reigen zu eröstnen haben. 3 derselben warten vor dem betreffenden Orte. Wenn die 3 ersten Absolventen in die Schule zurückkehrcn, also der vierte roch activ ist, kehren 3 an der Thürseite ins Sä ulzimmer zurück, indeß 3 an der Psostenseit« dagegen auswandern. — Verkommende Verunreinigungen werden von dem Ersten, der sie bemerkt, angezeigt und von dem Schuldigen getilgt. — Es kann durch solche Ordnung «ine wesentliche Seite der Moralität gewahrt werden. Zch hätte schließlich noch ein Wort über die Körperhaltung während des Unterrichts zu sprechen. Daß diese gerade sei; daß sich die Schüler emlehnen dürfen, um ihr Rückgrat nicht zu ermüden, versteht sich wohl vcn selbst. Eine Streitfrage dürfte-es'aber abgeben, ob alle in derselben Weise ihre Hände, in der Ruhe zu halten haken. Zch glaube ars der Erfahrung heraus ai »sprechen zu dürfen, daß, wie der Lehrer stets das Auflegen der Hände auf den Schultisch zu fordern berecktigt ist, er ebenso sich die DiSciplin erleichtert, wenn er ein gleichmäßiges Handfalten vorschreibt und stets auf dasselbe hält. Da ich es nach dem mir gesetzten Besprechungs- Gegenstand wesentlich mit der äußern Schulordnung zu thun habe; so erübrigen mir für die Aufführung der UnterstützungSmahrrgelp des Unterrichts nur wenige Punkte. Zch zähle-dahin besonders die Abdämmung der Zerstreutheit und Zerfahrenheit. Ein trrff. liches Mittel in dieser Richtung ist die Forderung, in den unteren Elaffen durchgängig, in den oberen nur zu gewiffer Zeit, oder auf besondere Aufforderung, im Satze zu antworten. Selbstverständlich muß durch nicht reihenweises' Fragen jeder Schüler des Aufrufs gewärtig sein.. Roch mehr schärst, es die Aufmerksamkeit, wenn erst nach der Fragestellung die Perscnalfrage erledigt wird. Wo sich dennoch Unaufmerksamkeit vvrfindet, finde ich es als eine durchaus ongemeffene Strafe, daß der Betroffene den BesprrchungSstoff, oder einzelne Benennungen nach der Schule zu schreiben hat. Handelt es sich bei letzteren um schon oft gerügte Fehler, so mag auch das Schreiben noch Dutzenden oder gar Hekatrmben, die auf dem Altäre der Dummheit der Göttin sultitiu als Cchuldopfer dargebracht werden, am Platze sein. Gegenüber dem sckwierigen und ärgerlichen Kapitel der Rechtschreibung, bei welchem oft Kinder logischer zu Werk gehen, als der Cchreibgebrauch, kann vielen Fehlern vorgrbeugt werden, wenn am Anfang des Schuljahres einige Dutzend Regeln in ein Heftchen zum Einstand eingetragen werden, die gewöhnliche Verstöße behandeln, z. B. vor fast allen Wörtern mit w, z. B. wo, wenn, wie, wann, wer, was rc., dann vor die Sätze mit welcher, ob, als, daß rc., endlich vor jeden Satz mit „zu" beim Verb gehört ein Komma, u. dgl. m. Bei jeder Heftcorrectur tritt weiter, von Tag zu Tag abwechselnd, eine Schülerin! nach gewisser Reihenfolge, also ohne besondere Aufforderung, an die Wandtafel und schreibt 'ämmtliche berichtigt vorgesprochenen Wörter deutlich an. Dies: werden dann am Schlüsse jeder Sprachstunde in dem Wörterverzeickniß verbucht. Nicht um der Bequemlichkeit für den Lehrer, sondern um der Leistung in dem ftaglichen Gegenstand im Ganzen willen, sogar auf die Gefahr hin, daß manchmal ein Fehler stehen bleibe, hielte ich es für angemesiener, an die Stelle der Correctur der Diktate durch den Lehrer, wenn auch nicht immer, um keine sündliche Sicherheit aufkommen zu lasten und dabei doch die Schritt selbst im Auge behalten zu können, öfters nach geschehener Auswechselung der Hefte und Tafeln die durch die Schüler in der Art treten zu lassen, daß die schlecht qualificirten die Arbeiten dir besseren und umgekehrt erhalten. Correcturen des Lehrers in freien Arbeiten sollten stets nochmals wörtlich abgeschrieben und über die Gründe der Abänderungen Rechenschaft verlangt werden. Die Durchsicht der Schönschreibhefte außer der Schule halte ich für fast zwecklos, da es meines Erachten» ein wesentliche» Hebungsmittel der Handschrift ist, daß die Schüler den Lehrer schreiben sehen. Feder- und Handhaltung müffen ersterem dabei zum Vorbild dienen. Auch hier ist der geräuschlose Verlauf ein Hauptaugenmerk und dieses dürste erfordern, daß nach gescheitem Anschrieb an die Tafel, also nach OuieScirung de» Klassenlehrers, der Lehrer der Einzelnen in folgender Weise in Thätigkeit tritt: die Schülerreihe, an welche da» Borzeigen kommt, theilt