Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-02-01 · 5 (1.2.1871) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
5 (1.2.1871)
Date
1871-02-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5433766--3268-4899532
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tet: „Tie allgemeine iSrael. Alliance hat zum Zweck: denjenigen, welcke in ihre Eigenschaft als Juden leiten, eine wirksame Hilfe angedeihen lassen." Wir fragen: ist dies hier zutreffend? Leiden die jüdischen Gefangenen, — die deutschen in Frcnkreiä», die französischen in Deutschland — in ihrer Eigenschaft als Juden? ES mag ManSem von ihnen schwer fallen, üstkoschereKost zu geniehen. Aber abgesehen davon, daß doS Religionsgesetz im Kriege bekanntlich vielfach Erleichterungen zuläßt, wäre hier eine Gleichmäßigkeit schwer zu erzielen und ist übrigens die betreffende Zahl der Gefangenen bekanntlich so unbedeutend, daß wir, ohne hier unö des Weiteren auf die Interpretation der Statuten einzulaffen, die eine solche Verwendung dcr Alliar.cegelder geradezu unthnnlich machen, den betreffenden Gemeinden und Privaten es überlasten müssen, hier andere Mittel zu suchen, um den Armen zu helfen, die übrigens hier nicht mehr leiden, als die christlichen Mitgefangenen. Ernster, wenn auch gleichfalls leicht zu begründen sind die Bedenken, welche wir gegen eine Ueberantwortung dcr Alliancebeiträge an die palästinensischen Juden vorzubringen haben, nmsom,hr, weil wir befürchten, hier pietätsvollen, religiösen Anschauungen entgrgentretkn zu müssen. Vor Allem: eS ist, wie fämmtliche Berichte der Alliance Nachweisen, Grundsatz, jede rein nur Linderung einer augenblicklichen Noch bezweckenden Wchlthätigkeit von dem Felde ihrer Thätigkeit an und für sich auszuscheiden. Als die westrussische Frage an die rurepäische Judenheit herantrat, hat die Verwaltung der Alliance lange gezögert, als solche für diese einzutreten. Selbst schon zu der Zeit, wo die Nothstände unserer westrussischen Brüder rn so immenser Weise das Central-Comitö beschäftigten, hat Herr Manue.* *) „einige Bedenklichkeiten auSgedrückt über die Rolle eines WohlthätigkeitSauSschusieS, welche die Gesellschaft, den Buchstaben ihrer Statuten entgegen, in dieser Angelegenheit anzunehmen scheine." Die Alliance ist diesem Eintwurse entgegengrtreten, weil es sich bei den westrufsischen Juden nicht mehr um die Abhülfe einer augenblicklichen Roth, sondern um die Begründung einer bessern Zukunft handelte; „weil die polnischen Juden unter der russischen Herrschaft „wirklich i N ihrer Eigenschaft als Juden" leiden. Dennoch ober hat sie besonders darauf aufmerksam gemacht, daß, „wenn der Ausschuß den rusfischen Juden zur Hülfe eile, er dieß nur mit den Hilfsmitteln thue, *) Siehe, deutschen Bericht 2. Semester 1869, Sitzung voni 4. Oktober, S. 82. - *) Siehe, Fortsetzung best. Berichts, S. 83. welche die zu diesem Zwecke eröffnete Subscription ihm verschafft, mithin die Hilfsquellen der Gesellschaft selbst dadurch nicht den mindesten Abbruch erleiden." Gleich'» verfuhr die Alliance mit den mareccanischen Juden. Wir können hier nicht umhin, dem Satze des geehrten Herrn Antragstellers "ipd bxt®’ px pxb ns'n ebenfalls unsere gerechten Bedenken entgegenzustellen. Wir glauben, daß dieser Satz nur Sinn hatte in Bezug auf eine Zeit, wo Israel seine Heimath in Palästina hatte, wo man von dort sagen könnte nun xsn paa ’3. In unserer Zeit halten wir diese steten Jeremiaden, diese unaufhörlichen Klagen überHungersnotb, Theuerung wegen Heuschreckenschwärme und Regenmongl im heiligen Lande, die sich regelmäßig in zwei oder drei Jahren wiederholen, mindestens für einen Krebsschaden der jüdischen Wehlthätigkeit und bit'e stete dx->v' px Noth neben feststehenden Sammlungen als Gaben in ein durchlöchertes Sieb, insbesondere da sie weder zur Hebung'der Bewohner aus ihrer Versumpfung noch zur besseren Cultur deö hefliaen Landes verwendet werden, und wenn heute beruhigt, nach kurzer Frist in ganz gleicher Welle wiederkehren. Wir wellen in unserer Contreverse nicht zu weit gehen, die Anschauungen eines großen Theils der Juden der Gegenwart sind in dieser Beziehung bekannt. Unsere Sympathien gehören dem Wiederaufleben des heil. Landes durch Cultur, — aber nicht in gleichem Grade seinen derzeitigen Bewohnern. Wir finden daher keine Veranlassung, Allbekanntes hier zu wiederholen. Uns bedeutet die Idee, die dem obenangesührten Satze zn Grunde liegt, mehr als der Wortlaut. Wir glauben, eö ist vor Allem Pflicht der Wohlthätigen, für die lebensvolle Verbreitung von jüdischer Lehre, Leben und Erkenntniß und dann erst für todtes, unfruchtbares „Lernen" im heiligen Lande zu wirken. Und so lange poch Hunderte von jüdischen Gemeinden in allüberall keinen Lehrer halten können und ihre Kinder fast religionslos erziehen müssen; so lange Hunderte von strebsamen, pflichtgetreuen Lehrern mit ihren Familien in Deutschland am Hungertuch« nagen, ist eS eine strafbare Irreleitung des jüd. WohlthätigkeitssinneS, diesen stets nach jenem Lande zu lenken, wo „von Innen heraus" durchaus nichts geschieht zur Hebung deS jüdischen Stammes und zur Cultur, des Landes und seiner jüdischen Bewohner, wo vielmehr den von außen kommenden Bestrebungen in diesem Sinne stets der größte Widerstand in den Weg gelegt wird. Wir machen schließlich auf einen Umstand aufmerksam, den der Herr Antragsteller wohl zu übersehen scheint. Sobald der Friedm wiederhergestellt sein wird, wird das Central- Comitb gewisse Verbindlichkeiten zu erfüllen haben, für di« die deutschen Mitglieder gewisiermaßen mitverantwortlich sind. Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.