Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-02-01 · 5 (1.2.1871) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
5 (1.2.1871)
Date
1871-02-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5433766--3267-4899531
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 34 18 unbedingte Anrvendung jgcuten könnte^ wäre mrmes Erachtens" die Erleichterung' der Lage der jüdischen Kriegsgefangenen. Dieselben befinden sich in größerer Anzahl in einzelnen deutschen Festungöstärten. Ihre Lage ist anerkanntermaßm *) eine traurige; doch sie leidkn nicht in ihrer Eigenschaft als Juden, sondern als Gefangene. Wenn jedoch Viele oder die Meisten von ihnen den Wunsch ausgesprochen, koscher gespeist zu werden, «std die Gemeinden, in deren Mitte sie sich befinden, dies auflängere Zeit aus eigenen Mitteln nicht bestreiten können, so wäre daö sicherlich ein Fall, für welchen dlr^HlNfe "der Alliance in Anspruch zu nehmen wäre. Diese Armen, doppelt beklagen»-' werthen, leiden somik auch in ihrer Eigenschaft als Inden, und für sie hat das Alinea 2 des Artikel» 1 in Kraft ju treten: si^enjemgen, stvelche in ihrer Eigenschaft all Juden leiden, eine wnksame 'Hilfe angedeihen zu lassen." Denken wir uns, irgendwo aus dem fernen Osten oder Rorden wäre der Ruf an daö Ohr der Alliance gedrungen, daß sich daselbst viele Hunderte jüvischek Kriegsgefangenen befänden, denen koschere Speisen zu verabfolgen d'.e betreffenden Gemeinden nicht im Stande seien, würde das Central-Comits nicht sofort bedeutende Summen zur Abhilfe hingesandt haben? Man denke nur an die Unterstützungen, die die Alliance den russischen Juden zu Theil werden ließ. Oo<r haben diese Kriegsgefangenen, weil sie in den Reihell der Feinde unseres Vaterlandes gekämpft, deßbalb keinen Anspruch auf unsere Unterstützunz? Tritt nicht vielmehr in.gewissem Sinne 2":2ff;i'is niäc?iu hinzu? Jh würdk keinen Anstand nehmen, ein Theil der Beiträge der. Mitglieder für diesen Zweck zu verwenden. Zeigen wir Israeliten, wie wir nicht blos durch eingeschaltete Gebetformeln, sondern durch T h aten. unS auch dem Feinde gegenüber als li beoolle Menschen beweisen! Während ich dieses niederschreibe, dringt auch der Rothruf unserer Brüder in Palästina wieder zu uns herüber; sie sind durch Regenmangel und Heuschreckenplage. schwer heimgesucht und dem Hunzertode aus gesetzt. Ter Vorstand des Vereins für Palästina in 'Berlin hat einen „Aufruf" erlassen, in welchem mit Recht hervörgeboben wird, daß aus Frankreich, aus welchem den Palästinensern sonst die größte H i ls e kam, *i 2o sagte mir der diesige Gouverneur, durch dessen Freundlichkeit ks mir gelang, einige jüdische Kriegsgefangene vom-Barackenlager zu befreicu und idnen ein Unterkommen bei Gemeinde-Mitgliedern zu verschössen: Sollten diese Leute den Instructionen , nicht Nachkommen, dann droben Sie idnen nur init ..den Baracken".! (Eorrew.) bielmjtl fei*er U»terviWwg zu erf arfcir. ft&t. Ich füge hinzu: Auch dke^Mance J-raMte ^at den Nothständen unserer Bruber in Palästina stets besondere Aufmerksamkeit geschenkt und war immer auf wirksame Abhilfe bedacht. Wir handeln im Geiste der Alliance, wenn wir auch zu diesem heiligen Zwecke die für sie bestimmten Beiträge verwenden, tzirr "ap pxp nsm "apd ponp pjozr'. Wohlan denn, geehrt« Orts- und Bezirks-Vorstände der Alliance! Gehen wir rüstig an die Sammlungen der Beiträge pro 1871 und verwenden wir sie getrost zu den beiden obengenannten dringlichen Zwecken. Die nächste Generalversammlung wird, wenn wir mit unserem Rechenschaftsbericht vor sie hintreten, mit den Worten: Seht' Wir haben, da Ihr nicht helfen koniitet, mit den Geldern Enren eigenen Landesbrüdern in der Gefange.ischast, unseren Glaubensbrüdern in höchste^ Bedrängniß und LebenSnoth Hilfe und Linderung gebracht!" — uns dankend Indemnität ertheilen. Gebe Gott, daß die Generalversammlung bald stattstnden könne!*-!u? nipstr msmno M. li. Währe td wir die edle Gesinnung des Antragstellers hochachtend anerkennen, müssen wir doch, in unserer Ei,enschaft als thätigeS Mitglied und zeitweiser Agent der Alliance gegen die Verwendung, welche die festen Beiträge der Alliance hier erhallen sollen, unsere wohlbegründeten Bedenkeii^aUSsprechen. Wir bedauern es tief, daß hierdurch vieAeicht Controversen hervorgerufen werden auf einem/Geviete, ans dem bisher die vollständigste Einmüthigkc^t herrschte; aber wir glauben der Pflicht genügen zu^ müssen Dip23 ff’x m\T? 7i.nff,i ff’NU’Nff zu einer^Zeit, wo leider! die leitenden Verwalt» «gsmitgliet^ der Alliance für uns unerreichbar sind, auf eigene Frust die Priacipien und Statuten der Alliance zu interpretiren. In dem Ausrufe wird der Ansicht Raum gegeben, man könne die etwa eingehenden Gelder verwenden zur Unterhaltung von jüdischen Kriegs - Gefan genen und diese Verwendung durch den zweiten Satz des ersten Artikels der Statuten begründen welcher lau *) Fch ersuche die lobt. Redaktionen jüdischer Blätter um den Abdruck dieses Ausrufs, Tie Beiträge für die Stvrhleidcuden in Palästina wären am geeignetsten zu Händen ves Porsmndes des palästin. Vereins iw Berlin, oder an das (Icnlr.-Eomiic in Amsterdam (Firma : Holländer und Lehren);n senden, für die jüdischen Kriegsgefangenen an die Ortsoorstünde der Alliance in den Städten^, in welchen sich eine größere Anzahl von Kriegsgefangen befindet. )l5orre>p.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.