Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 4 (25.1.1871)
- Date
- 1871-01-25
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Akeine Arbeit in der Schule. *) „Ohne strenge Erziehung wird keiner ein Mann." Diesterweg. Wir wissen es, ja wir erfahren eS sogar im öffentlichen Leben tagtäglich, daß der Volksschullehrer mißachtet ist, weil er eine „ kleine Arbeit " zu verrichten hat, d. i. weil er an Kleinen, an der Jugend sein Culturfeld angewiesen erhält, als ob das nicht der werthvollste Gegenstand wäre, an dem sich daS menschliche Sinnen, die tiefgreifendste Betbätigung des Gereisten versuchen und das Mögliche leisten sollte. Wären alle die.aufrichtig, die uns nirgends anders sehen wollen, als staubigen Rocks in der Schulstube; so würden sie sagen müssen: ich liebe ebendie „Lehrindividuen" nicht, weil sie Lehrer sind. Es wird. noch lange dauern, bis wir solches Vorurtheil besiegen; besiegen durch bessere Stellung, in der man es uns nimmer zuzutrauen braucht, daß wir um geldlicher Vortheile willen käuflich seien; besiegen durch eine, auch mittels Erfüllung gewiffer äußerer Formen nachweisbare höhere Bildung; besiegen durch Steigen des Curseö der Volksbildung mittels Wetteifers der Cultur- Völker auf diesem Gebiete. Denn wie lange wird eS noch dauern, so werden sich die Anstrengungen der Nordamerikaner, der Engländer, Russen und Oesterreicher für den Volköunterricht mit der allgemeinen Volksbildung Deutschlands messen und wir werden schon nach Jahrzehnten erfahren^ Schwarz auf Weiß, ob sich in dem nunmehr unbestritten ersten Culturstaate Europa'S die Maffenbildung nach preußischen Regulativgrundsätzen, nach theologischem Zuschnitt und unter kirchlicher Bevormundung der nach freieren Grundsätzen geregelten anderer Staaten gewachsen zeigt. Wo man von der Schule nicht mehr im Verhältniß zur sonstigen Ausbildung des Geistes ein ersichtliches Uebermaß deS religiösen Wissens heischt, das oft geradezu dem religiösen Thun in der Form geistiger und sittlicher Erschlaffung gegenübertritt: da wird man bald einen großen Fortschritt erzielen. Da wir bisher immer die Erfahrung machten, daß verunglückte Völker als Mittel zu ihrer Erhebung sich *) Aus der bayr. Lehrcrzcitung. Wir erachten es als eine Aufgabe der periodischen und insbesondere der pädagogischen Presse, den Austausch der Erzeugnisse des Geistes zu vennitteln; auch in der Weise, dah zuweilen besonders gute Arbeiten aus andern Blättern gegenseitig zum Abdruck kommen. Zu diesen besseren Arbeiten rechnen wir die obige des bekannten bayr. Lehrers Pfeifer, die wir hier solchen Lehrern bringen, welchen die bayr. Lchrerzritung nicht zugänglich ist. Red. des „Jsr. Lehrer". ihrer Schulen ganz besonders annahmen (vergleiche Preußen, das seine Schulmänner nach 1800 zu Pestalozzi sandte, und Oesterreich, das einen DitteS brauchen kann, der in Preußen wahrscheinlich brodlos wäre I); so gehört eS nicht zu den Unmöglichkeiten, daß sich vielleicht bald auch Frankreich durch seine Schulen erneuern will und sein» Wiedergeburt durch gute Volksschulen einzuleiten und zu erringen sucht, wozu ohnehin schon der Kaiser in den letzten Jahrm einen erheblichen Schritt gethan hat. Wenn einmal solcher Wetteifer erwacht ist, dann wird das stille Werk des Lehrers auch, auf dem lauten Markt des Lebens etwas gelten. Arbeiten wir daher in der Stille daran, daß alsdann ein denkendes Volk über unsere Bestimmung urtheilt und richtige Vorbegrjffe dazu mitbringt. Wir Lehrer sind ja ohnehin in der glücklichen, von Vielen beneideten Lage, daß die Freunde unserer Sache — denken dürfen. Die Schule stellt nur Sätze auf, die in der gesunden, geistigen und leiblichen Entwickelung des Menschen, sowie in der Erfahrung des Geschlechts begründet sind. ES sind das nicht — um mit Diesterweg zu sprechen - Pillen, die man ganz ver° schluckm muß, auf die man aber nicht beißen darf. Wo die Gesammtarbeit der Schule schon als eine geringfügige, belanglose erscheint; da dürfte die Art und Weise, wie dieselbe ihre Ziele zu erreichen sucht und zwar der äußere Apparat, noch kleiner, ja als kaum der Rede werth erscheinen. Die Lehrer aber wissen, wie viel daran liegt, die richtige DiSciplin zu üben, nicht zu wenig, nicht zu viel. Es gilt Geist und Körper zu schulen, an Ordnung zu gewöhnen, den Einzelnen in einem Organismus als bewußtes Glied einzufüge», ohne den Geist niederzudrücken, Jugendlust und Lebenomnth in den Leck zu spannen und die sprudelnde von innen treibende Kraft zu unterbinden. Wir fragen: Ob dazu nicht ein Mann gehört, der das'Leben überhaupt und seine Erfordernisse kennt; der die KindeSnatur versteht; der ebenso weit von Pedanterie und Kleinigkeitskrämerei, als von Formlo sigkeit entfernt ist? DaS ist schwer zu erlernen und noch schwerer täglich ohne Erlahmung zu üben. Dazu gehört Lebendigkeit und bis in'S Alter verbleibender frischer Sinn, männliche Consequenz, Geistesgegenwart, um jeden Augenblick das Richtige vorzukehren, praküscher Blick und Selbstbeherrschung Das DclkSschulwesen, mag nock eine Zeitlang als von alter Zeit her aufgezogene Uhr ohne Fachmänneraufstcht und sachkundige AuffichtSarbeit laufen; aber die Leistung der einzelnen Schule wird sofort tief sinken, wenn der Regulator ihrer Thätigkeit mangelhaft ist.- Es muß in der That schwer sein, in der Schale gute DiSciplin aufrecht zu halten, weil nicht bloS schwache Mütter,