Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 3 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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noch Männer unter ihnen gefunden werden, welche zu selchen öffentlichen Aemtern tauchen. H e « i l l e 1 o n. 3fri*otto ttttb seine Misston. (Aus der Deborah.) Herr Benjayrin F. Peixotto (lese Pieschoto), der nach Bukarest ernannte Consul der Vereinigten Staaten, hat in St. Louis, Chicago, Cleveland und Cincinnati Vorlesungen über Rumänien gehalten, ging von hier aus nach Washington, sich die Regierungsinstructron zu holen, um von dort über New-Dork am 14. December nach Europa •) abzureisen. Hr Peixotto wird itr London, DourS und Wien mit hervorragenden und einflußreichen Persönlichkeiten flch darüber verständigen, waS für die rumänischen Glaubensgenosien seinerseits zu leisten wäre, da ihm persönlich dieser Punkt am Herzen liegt und er überdies weiß, daß i seine Ernennung zu diesem Ehrenposten in der Absicht gemacht wurde, um sich dort im Namen unserer Regierung der in den verfolgten und gekränkten Juden beleidigten Humanität kräftig anzunehmen, wozu Peixotto mit seinem amerikanisch-jüdischen Patriotismus und seinem guten Herzen ganz geeignet ist. In i seinen Vorlesungen über Rumänien hat,er bewiesen, daß er daS Land und besten Geschichte fleißig und erfolgreich fludirt bat. Während seines Aufenthaltes in Cincinnati wurde ihm von allen "Seiten sehr viel Aufmerksamkeit geschmkt. Die Herren Rabbinen haben in ihren öffentlichen Gebeten seiner und seiner Mission gedacht, und die hervorragendsten Mitglieder unserer Gemeinden haben ihn zuvorkommend, gastfteundlich und achtungsvoll behandelt. - Herr Peixotto hat auch seinerseits nicht verfehlt, dem Judenthume seine Hochachtung und kindliche Ergebenheit - zu beweisen. Er wohnte dem Gottesdienste am öffentlichen .Danktage" im Tempel an der Moundstraße, am Freitagabend und Sabbatmrrgen im Tempel an der Plumstraße bei. Das xhut er aber nicht aus politischen, sondern aus rein religiösen Motiven, Wir wollen Peixotto'S Biographie schreiben, wenn er auS Enropa zurück kommen wird. Hier sei nur kurz bemerkt, daß er einer altportugiesischen Familie entstammt. Sein Vater war Hasan der Port. Gemeinde von New-Dvrk, wo Benjamin geboren wurde. Er wurde für ein wissenschaftliches Fach erzogen, trat S Er ist jetzt in London und reift von dort nach Berten und Turin. | aber bei seinem Schwager in Clevrland in'S Geschäft. Sein natürlicher Hang für Literatur und Politik liest sich aber nicht unterdrücken. Er 'wurde Mitredacteur des dortigen Abendblattes .Plain Dealer" und schrieb für andere Blätter. Er hatte einmal angefangen, Jurisprudenz zu studiren, gab aber das Fach wieder <mf, heirathete ein Fräul. Strauß aus Louisville, verblieb im Geschäfte mit seinem Schwager, bis er später mit demselben und seinem Schwiegervater nach Rew-Nork überfiedelte. In Cleveland gab er in Derbindnng mit andern strebsamen jungen Leuten (z. B. Simon Wolf) vielfache Veranlastung zur Selbstbildung junger Leute durch Debatten, Vorlesungen u. s. w. Seine Hauptthätigkeit entwickelte er aber im Bene Berith Orden, wo er nicht nur für alle angeregte Reformen enthusiastisch einstand und für die Gründung des Waisenhauses in Cleveland tüchttg jmitarbeitete, sondern als oberster Beamter des Ordens vier Jahre lang eine selten« und segensreiche Thätigkeit entfaltete so daß unter seiner Hand der Orden eine Bedeutung gewann, die er ftüber n'e hatte. Im Geschäfte war Peixotto nicht so glücklich wie in seinen philanthropischen Bestrebungen. Verhältnisse zwangen ihn mit seiner Familie nach San Francisco zu übersiedeln und die juridischen Studien nochmals aufzunehmen, bis er endlich nach erstandenem Staatsexamen hoffnungsvoll in die Reihen der practischen Advocoten trat. Auf Anrathen und Verwendung des Herren Advocaten und Recorders Simon Wolf in Washington wurde Peixotto zum Der. St. Consul nach Rumänien ernannt und ohne Einwand vom Senate bestätigt. Seit den Tagen des bekannten Mayors Mordechai Noah,', mit dem Peixotto sehr viel geistige Verwandtschaft zeigt, hat kein eingeborner amerikanischer JSraelit unsere Regierung bei einem Hofe vertreten, Peixotto ist der erste in unserer Zeit; denn wir hegen keinen Zweifel, daß der Congreß in der nächsten Sitzung die ^rumänische Regierung anerkennen wird. Wir wünschen dem angchenden Diplomaten den besten Erfolg und halten uns vollständig versichert, daß alles was in Peixotto'S Macht steht für die Gleichberechtigung der rumänischen Israeliten zu thun, und für daS beste Einverständniß beider Regierung zu leisten, das wird vollständig geschehen. Amerika hat den Juden in der Schweiz zu ihrem guten Rechte verholfen, vielleicht gelingt's auch in Rumänien. Jedenfalls wird man in Bukarest die Stimme von vierzig Millionen freier Menschen wenigstens einigermaßen berücksichtigen. Das AuSbeizen eines jeden Schandflecks mittelalterlicher Intoleranz und schmachvoller Knechtung ist reiner Gewinnst für die Menschheit. Peixotto'S Mission ist eine herrliche. Er hat das begriffen und geht mit Begeisterung an'S Werk. Don unfern geehrten Freun- , den, Gönnern und Cvllegen in Europa erbitten wir